Finanzagentur

Bundeswertpapiere Erstmals 30-jährige Anleihe ohne Zinsen

Stand: 21.08.2019 16:00 Uhr

Die Anleihemärkte stehen Kopf. Investoren kaufen Anleihen, obwohl sie dafür negative Renditen erhalten. Selbst bei langen Laufzeiten. Heute gab Deutschland erstmals eine 30-jährige Anleihe mit einem Kupon von null Prozent aus. Die Nachfrage war allerdings überschaubar.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat es geschafft: Dem Bund ist es erstmals gelungen, mit der Versteigerung einer dreißigjährigen Anleihe unter dem Strich Geld zu verdienen. Am Mittwoch hat die Finanzagentur zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine 30-jährige Bundesanleihe emittiert, die keine Zinszahlungen vorsieht.

Nachfrage hält sich in Grenzen

Allerdings wurde der Bund bei weitem nicht alle Papiere los. Geplant war ein Verkaufsvolumen von zwei Milliarden Euro, verkauft wurden aber nur Papiere im Wert von 824 Millionen Euro. Die restlichen Papiere im Wert von gut 1,17 Milliarden Euro wurden zurückbehalten.

Die Auktion der Bundesanleihe erbrachte am Mittwoch eine durchschnittliche Rendite von minus 0,11 Prozent, teilte die Bundesbank am Mittag mit. Eine negative Rendite bedeutet, dass der Bund über die Laufzeit einen kleinen Einnahmeüberschuss erzielt - obwohl er Kreditnehmer ist.

Negative Rendite

In der vergangenen Woche hatte die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen ein Rekordtief von minus 0,275 Prozent erreicht.

alt Olaf Scholz

Was sind Bundesanleihen?

Die Finanzagentur des Bundes legt im Auftrag des Finanzministeriums Staatsanleihen auf. Über sie nimmt der Bund am Kapitalmarkt Geld auf. Bundesanleihen sind somit nichts anderes als Schuldverschreibungen des deutschen Staates.

Gut ein Viertel der ausstehenden Staats- und Unternehmensanleihen mit einem Marktwert von 14 Billionen Dollar weisen inzwischen Negativ-Renditen auf. Sämtliche vom deutschen Staat ausgegebene Anleihen rentieren im Minusbereich. Das heißt: Die Anleger leihen dem Schuldner Geld und zahlen ihm dafür noch eine Art Gebühr.

Der ganz normale Zins-Wahnsinn

Wer macht so etwas? Im Augenblick sind es vor allem Pensionsfonds und Lebensversicherungen, die die Papiere mit Minusrenditen kaufen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, "sichere" Anleihen zu halten.

Zudem mischen Spekulanten an den Rentenmärken mit. Sie setzen auf Kursgewinne. Sie halten die Anleihen nicht bis zur Fälligkeit, sondern verkaufen die Papiere bei entsprechenden Kurssteigerungen. Gerade bei langen Laufzeiten kann das lukrativ sein: Die 100-jährige österreichische "Methusalem-Anleihe" brachte seit Jahresanfang ein Kursplus von 70 Prozent.

Sparer verlieren Milliarden

Die großen Verlierer der verrückten neuen Zinswelt sind die Sparer. In Europa verlieren sie laut den Berechnungen der Deutschen Bank 160 Milliarden Euro pro Jahr. "Die Minuszinsen der EZB wirken wie eine Steuer auf Ersparnisse", sagte David Folkerts-Landau, Chefökonom der Deutschen Bank, gegenüber der "Welt".

Laut Folkerts-Landau haben Private Haushalte in der Euro-Zone rund 13 Billionen Euro auf Giro- oder Geldmarktkonten geparkt. Die aufgenommenen Kredite belaufen sich demgegenüber auf 7,5 Billionen Euro. Unter dem Strich bleibt ein Nettogeldvermögen von 5,5 Billionen, das mit der EZB-Steuer belegt ist. Unterstellt man einen normalen Zins in Höhe der nominalen Wachstumsrate von drei Prozent, ergibt sich eine Umverteilung von 160 Milliarden Euro, heißt es in der "Welt".

nb

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Die Gewinner und Verlierer der Negativzinsen

Sparschwein

Sparer
Die Negativzinsen der Bundesanleihen drücken auch den Zins auf Spareinlagen. Laut der FMH-Finanzberatung bekommen Anleger etwa für eine Festgeldanlage von 10.000 Euro über zehn Jahre nur noch Zinsen zwischen 0,1 und 1,25 Prozent. Damit bleibt dem kleinen Anleger im festverzinslichen Bereich nichts mehr, wo er sein Geld – nach Abzug der Inflation – gewinnbringend anlegen könnte.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 21. August 2019 um 15:40 Uhr.

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