Tencent Music Entertainment QQ

Tencent Music Chinas Antwort auf Spotify

Stand: 12.12.2018 06:41 Uhr

Tencent Music dominiert mit mehr als 800 Millionen aktiven Nutzern monatlich den Music-Streaming-Markt in China. Über seine vier Apps erreicht der Konzern über doppelt so viele Nutzer wie Spotify, Apple Music und Pandora zusammen. Wer steckt hinter Tencent Music?

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Nun ist es soweit: Der chinesische Musik-Streamingdienst Tencent Music wagt tatsächlich den lang erwarteten Schritt an die New Yorker Börse Nyse. Insidern zufolge kommen die Papiere zu 13 Dollar pro Stück. Damit bewegt man sich am unteren Ende der zuvor anvisierten Preisspanne zwischen 13 und 15 Dollar. Auf dieser Basis wird sich der Erlös des Börsengangs auf rund 1,1 Milliarden Dollar belaufen und die Gesamtbewertung der Tencent Music Entertainment Group auf 21,3 Milliarden Dollar.

Tencent Music ist das digitale Musik-Geschäft der Tencent Holding, die einen Anteil von 58 Prozent hält und Chinas zweitgrößter Internetkonzern hinter Alibaba ist. Von der Nähe zu Tencent und der dahinterstehenden gigantischen Nutzerbasis will Tencent Music natürlich profitieren. Tencent Holding ist an der Börse derzeit rund 370 Milliarden Dollar wert. Zum Vergleich: Facebook bringt es auf rund 407 Milliarden. Tencent Music entstand im Jahr 2016 aus der China Music Corp und Tencents eigenem Streaming-Geschäft. Das Unternehmen hat mehr als 870 Millionen monatliche aktive Nutzer.

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Wie es in den SEC-Unterlagen zum Börsengang heißt, würden die Nutzer mehr als 70 Minuten täglich auf der Plattform verbringen. Lediglich 3,6 Prozent hätten ein Bezahl-Abo abgeschlossen. Das chinesische Research- und Beratungsunternehmen iResearch prognostiziert auf dem chinesischen Musik-Entertainment-Markt famose Wachstumsraten von knapp 37 Prozent jährlich bis zum Jahr 2023.     

Spotify beim Gewinn abgehängt

Der Musikdienst betreibt die Streaming-Apps QQ Music, Kugou und Kuwo sowie den Karaoke-Dienst WeSing. Was tun die Nutzer dort? Sie hören nicht nur Musik oder sehen sich Musikvideos an, Tencent Music gleicht eher einem vielgestaltigen sozialen Netzwerk. Dort werden Inhalte geteilt, empfohlen und kommentiert, über den Karaoke-Dienst WeSing wird sogar selbst gesungen. Und auf einer virtuellen Bühne können Nutzer auch ihr eigenes Talent ins Schaufenster stellen.

Tencent Music operiert längst in der Gewinnzone: In den ersten neun Monaten 2018 konnten die Chinesen den Gewinn auf 394 Millionen Dollar verglichen mit dem Vorjahr mehr als verdreifachen. Der Rivale Spotify, der jüngst zehnten Geburtstag feiern durfte und im April dieses Jahres an die Börse gegangen war, häufte dagegen im selben Zeitraum einen Verlust von 520 Millionen Dollar an.

Die App für alles  

Pony Ma Huateng
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Pony Ma Huateng, CEO Tencent

Chef und Gründer von Tencent ist der 47-jährige Ma Huateng, genannt Pony Ma. Mit einem Vermögen von derzeit rund 35 Milliarden Dollar ist er laut „Forbes“ der zweitreichste Mann Chinas. Auf der globalen Reichenliste belegt er Rang 17. Pony Ma gründete Tencent nach seinem Informatikstudium zusammen mit einem Studienfreund im Jahr 1998.

Sein größter Coup war die Erfindung der Social-Media-App WeChat mit mehr als einer Milliarde Accounts. Anders als beim Chatdienst WhatsApp kann man mit der chinesischen Variante, die eher einer Universalplattform ähnelt, praktisch sein halbes Leben gestalten. Shoppen, Taxis bestellen, Onlinespiele spielen – und vor allem via WeChat Pay Rechnungen über das Mobiltelefon bezahlen und Kredite aufnehmen. Alibaba bietet mit Alipay ein ähnliches, höchst erfolgreiches Modell an.

Wer braucht denn Datenschutz?

Beide Unternehmen haben Scoring-Systeme entwickelt, um die Bonität der Nutzer zu ermitteln. Für den chinesischen Staat sind die Internetkonzerne wegen der gesammelten Datenmassen natürlich von größtem Interesse. Und die Bereitschaft mit den Behörden zusammenzuarbeiten, ist bei den chinesischen Konzernen vorhanden. Hinzu kommt, dass es in China kein sehr ausgeprägtes Problembewusstsein beim Thema Datenschutz gibt.  

Scoring made in China

Die chinesische Notenbank, die People’s Bank of China (PBoC), genehmigte in diesem Jahr die privatrechtliche Errichtung einer Plattform für Kreditinformationen unter dem Namen „Baihang Credit Scoring“. Sie soll persönliche Kreditinformationsdienstleistungen für Online-Kreditgeber anbieten, und dabei die staatlich betriebene Kreditplattform ergänzen. Sie verfügt nur über die Daten von 300 Millionen Chinesen, etwa 800 Millionen kommen aber als Kreditnehmer in Frage. Acht Internetunternehmen, darunter Tencent und Alibaba werden jeweils acht Prozent der Anteile halten. Größter Teilhaber wird mit 36 Prozent allerdings die „National Internet Finance Association of China“ sein.

Für die Einführung eines sozialen Punktesystems, die Chinas Regierung bis zum Jahr 2020 plant, sind das gute Voraussetzungen. Das chinesische sogenannte „Sozialkreditsystem“ solle möglichst alles erfassen: Zahlungsmoral, Strafregister, Einkaufsgewohnheiten, Partei-Treue und soziales Verhalten, wie tagesschau.de berichtet. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dabei auf die Daten, die Tencent, Alibaba und andere Internetkonzerne mit ihren zahlreichen Diensten abschöpfen, zurückgegriffen wird.

Chinesischer Musik-Streamingdienst Tencent Music geht an die New Yorker Börse
Georg Schwarte, ARD New York
12.12.2018 19:08 Uhr

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Quelle: boerse.ard.de
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