Hans-Jörg Vetter

Aufsichtsrat der Commerzbank Vetter wird neuer Chefkontrolleur

Stand: 03.08.2020 18:33 Uhr

Bekommt die Commerzbank die Führungskrise in den Griff? Am Montagnachmittag wurde ein früherer Top-Landesbanker zum neuen Aufsichtsratschef des Frankfurter Geldinstututs gewählt - gegen den Widerstand des Großaktionärs Cerberus.

Der frühere Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter, soll die Commerzbank wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Der 67-Jährige ist zum neuen Aufsichtsratschef der Commerzbank gewählt worden. Das gab das Frankfurter Geldinstitut am frühen Abend bekannt. Vetter soll den Posten in den nächsten Tagen übernehmen.

Er tritt die Nachfolge von Stefan Schmittmann an, der nach massiven Druck des Finanzinvestors Cerberus an der Ausrichtung der Commerzbank ebenso seinen Rücktritt angekündigt hat wie Vorstandschef Martin Zielke.

Cerberus: Vetter nicht die richtige Person!

Ironie der Geschichte: Der Großaktionär, der die Palastrevolution angezettelt hatte, war auch gegen Vetter. Er hatte mit aller Macht versucht, Vetters Wahl zum Aufsichtsratschef zu verhindern. "Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Hans-Jörg Vetter die richtige Person für diese Aufgabe ist und über die richtige Erfahrung hierfür verfügt", schrieb Cerberus am Sonntag in einem Brief an die Commerzbank-Aufsichtsräte. Es gebe mindestens zwei bessere Kandidaten, deren Namen der Großaktionär allerdings nicht nannte.

Vetter stand von 2009 bis 2016 an der Spitze der LBBW. Er brachte die Landesbank wieder in die Spur, nachdem sie in der Finanzkrise 2008 wegen hochriskanter Kreditgeschäfte ins Schlingern geraten war und mit Geldspritzen und Garantien ihrer öffentlichen Eigner gerettet werden musste. Davor sanierte er die Bankgesellschaft Berlin, die sich mit Immobiliengeschäften verhoben hatte. Cerberus kritisiert unter anderem, dass Vetter bislang kein börsennotiertes Institut geleitet hat.

Bund setzt sich durch

Offenbar hat sich der Bund als größter Aktionär der Commerzbank durchgesetzt. Die Suche nach einem Nachfolger für Schmittmann lag in der Hand von Jutta Dönges. Die Chefin der Finanzagentur des Bundes ist eine von zwei Aufsichtsräten, die der Staat in das Kontrollgremium der Commerzbank entsandt hat.

Mit einem Anteil von gut fünf Prozent ist der Finanzinvestor Cerberus zweitgrößter Commerzbank-Aktionär. Größter Anteilseigner ist der Bund, der nach der Rettung des Instituts in der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt noch 15,6 Prozent an der Commerzbank hält.

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Neuer Vorstandschef gesucht

Oberste Aufgabe des neuen Aufsichtsratschefs Vetter und seiner Kollegen wird die Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Zielke sein, der spätestens Ende des Jahres die Commerzbank verlässt. Vetter muss erst gerichtlich bestellt werden, bevor er in das Kontrollgremium einziehen kann. Dies werde "in den nächsten Tagen erwartet", erklärte die Commerzbank. In der kurzen Zwischenzeit leitet Betriebsratschef Uwe Tschäge als stellvertretender Aufsichtsratschef das Gremium.

Anleger reagierten erleichtert auf das Ende des Führungsvakuums. Die Commerzbank-Aktie legte um 2,4 Prozent auf 4,45 Euro zu - ist aber immer noch weit von früheren Kursen entfernt. Seit dem Cerberus-Einstieg im Sommer 2017 ist die Commerzbank-Aktie rund 60 Prozent eingebrochen.

Jahresgewinn in Gefahr

Im ersten Quartal rutschte das Geldhaus wegen der Corona-Krise in die roten Zahlen. Das Ziel eines Gewinns im laufenden Jahr sei "sehr ambitioniert", erklärte die Bank im Mai. Nun zeichnen sich auch noch Belastungen aus der Wirecard-Pleite ab, einen 200 Millionen Euro schweren Kredit an den Zahlungsanbieter muss das Geldhaus wohl abschreiben. Analysten erwarten sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr einen Verlust. Der geplante Verkauf der polnischen M-Bank scheiterte unlängst und wurde vertagt.

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Corona brockt Commerzbank Millionenverluste ein

Vor der heutigen Online-Hauptversammlung serviert die Commerzbank ihren Aktionären schwache Zahlen: Im ersten Quartal ist das Frankfurter Geldinstitut in die roten Zahlen gerutscht. Wegen der Furcht vor Kreditausfällen wurde die Risikovorsorge vervierfacht.

Angesichts der schlechten Kursentwicklung hatte Cerberus im Juni eine öffentliche Kampagne gegen die Commerzbank-Führung gestartet. Mit seiner Kritik an den wenig ambitionierten Plänen für den Konzernumbau sprach er vielen Investoren und wohl auch dem Bund aus dem Herzen. Die Revolte führte zum Doppel-Rücktritt von Aufsichtsrats- und Vorstandschef.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. August 2020 um 19:40 Uhr.

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