Der Streamingdienst Netflix legt in der Corona-Krise Rekordzahlen vor. | Bildquelle: AFP

Aktie gerät unter Druck Kundenansturm auf Netflix flaut ab

Stand: 17.07.2020 12:33 Uhr

Trotz noch immer rasanten Wachstums und eines kraftvollen Gewinnsprungs überzeugen die frischen Zahlen des Streamingdienstes Netflix die Investoren nicht. Auch der Ausblick fällt schwächer aus als erhofft. Die Anleger reagieren scharf und schnell.

Die Netflix-Aktie knickt nach Zahlen im Frankfurter Handel um mehr als acht Prozent ein. Vor Börsenstart an der Wall Street liegen die Titel des Streamingdienstes knapp sieben Prozent im Minus. Die Investoren werden es verschmerzen können, denn in den vergangenen sechs Monaten hatten Netflix mehr als 50 Prozent zugelegt. Sicher nutzen einige auch die Gelegenheit, um sich einen Teil der Gewinne zu sichern.

Mit solchen Zahlen würden andere Unternehmen die Anleger begeistern: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um starke 25 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte um weit mehr als das Doppelte auf 720 Millionen Dollar (632 Millionen Euro). Ende Juni brachte es Netflix weltweit insgesamt auf knapp 193 Millionen bezahlte Mitgliedschaften.

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"Überzogene Erwartungen"

Im zweiten Quartal kamen unter dem Strich 10,1 Millionen Bezahlabos dazu, wie der Streaming-Marktführer mitteilte. Damit übertraf Netflix zwar seine eigene Prognose, dennoch kamen die Zahlen an der Wall Street schlecht an, da die Erwartungen deutlich höher lagen.

Unter den Anlegern hätten sich inzwischen "überzogene Erwartungen entwickelt", schrieb Marktexperte Jochen Stanzl von CMC Markets. Eigentlich sei damit gerechnet worden, dass der 'Stay at Home'-Trend weiter anhalte und Netflix international kräftig Neugeschäft bescheren würde. Doch vor allem international habe Netflix enttäuscht, "und das zu einem Zeitpunkt, wo mit Disney und anderen Anbietern auf dem heimischen Markt eine stärkere Konkurrenz entsteht".

Fokus auf dem Kundenwachstum

In einer schnellen Reaktion senkte die Schweizer Bank Credit Suisse ihre Bewertung von "Outperform" auf "Neutral". Analyst Douglas Mitchelson kommentierte, die Corona-Krise habe weltweit zu einem enormen Umstieg der Nutzer auf Streaming-Angebote geführt, von dem das Unternehmen im ersten Halbjahr profitiert habe. Das bedeute aber auch, dass sich das Wachstum der Kundenzahlen im zweiten Halbjahr 2020 wieder abschwächen dürfte.

Netflix-Gründer Reed Hastings
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Netflix-Gründer Reed Hastings

Sein Kollege Alex Giaimo vom Analysehaus Jefferies empfiehlt weiter zum Kauf. Bei dem Online-Videodienst habe der Nettokundenzuwachs die bereits sehr optimistischen Markterwartungen verfehlt, schrieb er. Momentan liege der Fokus auf dem Kundenwachstum. Der starke Kursrückgang im nachbörslichen Handel überrasche ihn nicht, da die Aktien seit Jahresbeginn bereits deutlich zugelegt hätten.

Beim der Prognose des Kundenwachstums für das dritte Quartal lag auch das größte Enttäuschungspotenzial. Netflix erwartet 2.5 Millionen neues Abonennten. Das ist weit entfernt von den 5,27 Millionen Neukunden, die von den Analysten prognostiziert werden. Im Ergebnis heißt das, dass der Corona-Boost nachlässt.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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