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Online-Hauptversammlung Daimler sieht ersten Silberstreif

Stand: 08.07.2020 18:10 Uhr

Daimler geht nach dem Absatzeinbruch im ersten Halbjahr zuversichtlicher in den Rest des Jahres. Dennoch kündigt Konzernchef Ola Källenius eine Verschärfung des Sparkurses an.

Weil die bisherigen Pläne die derzeitige Rezession noch nicht beinhalteten, sei eine Verschärfung des Sparkurses unverzichtbar, erklärte Källenius auf der Online-Hauptversammlung in Stuttgart.

Der Vorstand habe ein Programm zur Verbesserung der Kostenstruktur verabschiedet, das alle Bereiche des Unternehmens umfasse, ergänzte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Man sei derzeit in konstruktiven Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern. Details nannten die Manager nicht.

Finanzchef Harald Wilhelm sagte, Daimler müsse sich mehr fokussieren. Dazu gehöre der angekündigte Verkauf des Smart-Werkes im französischen Hambach. Die Kosten sollten in diesem Jahr gegenüber 2019 deutlich sinken. Für Investitionen sei eine Obergrenze festgelegt worden. Die Gewinnschwelle dadurch früher zu erreichen, sei oberstes Ziel.

1,5 Milliarden Euro sollen eingespart werden

Ola Källenius
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Ola Källenius

Im November hatte der neue Daimler-Chef Pläne vorgestellt, nach denen von 2020 bis 2022 mehr als anderthalb Milliarden Euro eingespart werden sollten. Die Personalkosten sollten durch den Wegfall von mehr als 10.000 der weltweit 300.000 Stellen um 1,4 Milliarden Euro sinken. Seither hat die Covid-19-Pandemie die Lage in der Autoindustrie dramatisch verschlechtert. Nach Prognose des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wird der weltweite Pkw-Absatz in diesem Jahr um 17 Prozent auf knapp 66 Millionen einbrechen.

Källenius hatte schon mehrfach angedeutet, dass die im vergangenen Herbst vorgelegten Sparpläne wohl nicht ausreichen dürften. Für das zweite Quartal rechnet der Konzern neben deutlichen Umsatzrückgängen auch mit roten Zahlen im operativen Geschäft.

"Daimler kann mehr"

Im ersten Quartal war der Autobauer daran noch knapp vorbeigeschrammt. "Ich denke, wir sind uns einig: Die jüngsten Ergebnisse - auch schon vor Corona - werden diesem stolzen Unternehmen nicht gerecht", sagte Källenius. "Daimler kann mehr. Und wir sind entschlossen zu liefern."

Im ersten Halbjahr sei der Absatz der Pkw-Marke Mercedes-Benz um knapp 19 Prozent auf 870.000 Fahrzeuge gesunken. Die Pandemie und das insgesamt schon schwächere Marktumfeld habe bei Lkw in den ersten sechs Monaten zu einem Absatzminus von 38 Prozent auf rund 150.000 Fahrzeugen geführt. Daimler bekräftigte, im zweiten Quartal werde es einen bereinigten operativen Verlust und auch ein Mittelabfluss im Industriegeschäft geben.

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Etwas Boden gut gemacht

Dennoch hat das Unternehmen inzwischen wieder etwas Boden gutgemacht. Im Juni lagen die Pkw-Auslieferungen an die Endkunden laut Källenius wieder leicht über dem Vorjahresniveau. Im wichtigsten Einzelmarkt China habe Mercedes-Benz beim Absatz das bisher beste zweite Quartal erzielt.

"Wir sind vorsichtig optimistisch, dass andere Märkte an diese Entwicklung Schritt für Schritt anknüpfen", sagte Källenius. In China hatte die Corona-Pandemie das Wirtschaftsleben zuerst lahmgelegt, bevor sie auf Europa und Nordamerika übergriff. China fuhr die Wirtschaft als erstes wieder hoch, in Europa und Nordamerika ging es später wieder los.

"Nahezu alle unsere Händler weltweit haben wieder geöffnet", sagte Källenius. Seit Jahresbeginn seien knapp 870.000 Autos der Marke Mercedes-Benz abgesetzt worden. Für das Gesamtjahr gab Källenius allerdings weiterhin keine präzisen Prognosen ab. Absatz, Umsatz und das Ergebnis des Konzerns dürften unter Vorjahr liegen, bekräftigte der Daimler-Chef. "Zur Wahrheit gehört auch: Der Weg zum Vorkrisenniveau ist noch lang."

Börse 15.45 Uhr: Autobauer in der Krise

08.07.2020 19:17 Uhr

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Telekom-Chef Höttges in den Aufsichtsrat gewählt

Timotheus Höttges, Deutsche Telekom
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Timotheus Höttges

Telekom-Chef Timotheus Höttges ist mit 80 Prozent der abgegebenen Stimmen neu in den Aufsichtsrat des Autobauers Daimler gewählt worden. Das entsprach 53 Prozent des Grundkapitals, von dem wiederum rund 53 Prozent auf der Hauptversammlung präsent waren, wie Aufsichtsratschef Manfred Bischoff mitteilte. Einige Aktionäre und Stimmrechtsberater hatten moniert, dass Höttges zu viele Spitzenämter bekleide.

Einen Denkzettel verpassten die Aktionäre auch dem Aufsichtsrat des Dax-Konzerns, für dessen Entlastung es mit 88,45 Prozent Ja-Stimmen bei 11,55 Prozent Ablehnungen eine relativ geringe Zustimmung gab. Der Vorstand hingegen wurde mit 96,6 Prozent entlastet. Aktionäre kritisierten die Arbeit des Aufsichtsrats vor allem wegen des Diesel-Abgasskandals bei der Pkw-Sparte Mercedes-Benz.

Morgan Stanley empfiehlt Daimler zum Kauf

An der Börse sorgten die Aussagen auf der HV zunächst für Kursgewinne. Im weiteren Verlauf drehte die Daimler-Aktie dann aber ins Minus und schloss zum Xetra-Schluss 1,18 Prozent leichter bei 37,19 Euro. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat die Einstufung für Daimler derweil auf "Overweight" mit einem Kursziel von 48 Euro belassen. Innerhalb des europäischen Transportsektors dürften Unternehmen aus der Bahnindustrie und Anbieter rein elektrisch betriebener Straßenfahrzeuge in den kommenden zehn Jahren die größten Wachstumschancen haben, schrieb Analyst Ben Uglow.

lg/rm/dpa/rtr

alt Ola Källenius

Warum Daimler die Wut der Aktionäre droht

Den Daimler-Managern dürfte auf der heutigen Hauptversammlung ein rauer virtueller Wind entgegenwehen. Mangelnde Strategie und mangelndes Kostenbewusstsein werfen die Anleger dem Unternehmen vor. Was muss das Management künftig besser machen?

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 in der Wirtschaft am 08. Juli 2020 um 15:30 Uhr.

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