Händler an der Frankfurter Börse

DAX bricht ein Lockdown-Angst an der Börse

Stand: 28.10.2020 18:59 Uhr

An der Börse hat die Angst vor einem zweiten Lockdown die Kurse auf breiter Front einbrechen lassen. Der Dax beschleunigte im Laufe des Tages seine Talfahrt und brach um bis zu fünf Prozent ein. Erinnerungen an das Frühjahr werden wach.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Auf dem heutigen Corona-Krisengipfel von Bund und Ländern wurden einschneidende Maßnahmen beschlossen. Das hatten die Anleger schon befürchtet und nahmen zur Wochenmitte Reißaus. Der Dax stürzte am ende 4,17 Prozent ab auf 11.560 Punkte. In der Spitze lag das Minus sogar bei über 5,0 Prozent, dem tiefsten Stand seit Ende Mai.

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Damit belaufen sich die Kursverluste seit dem Hoch Anfang September bei 13.460 Zählern auf über 14 Prozent. Allein seit Wochenbeginn hat der deutsche Leitindex mehr als 1.000 Punkte eingebüßt.

Lockdown wird eingepreist

Der Markt habe damit begonnen, weitere Lockdowns - ob teilweise oder komplett - in die Kurse einzuarbeiten, so Analyst Milan Cutkovic vom Broker Axi.

"Die Börsen sind zum zweiten Mal in diesem Jahr mit Covid-19 infiziert", glaubt Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Nur wenige wollten in das fallende Messer greifen, betont Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst CMC Markets.

Zumal sich auch aus technischer Perspektive die weiteren Dax-Perspektiven mit dem aktuellen Kurseinbruch deutlich eingetrübt haben. Mit dem Rutsch unter die wichtige 200-Tage-Linie (aktuell bei 12.116 Punkten) befinden sich die deutschen Standardwerte in schwerem Fahrwasser.

Sichere Häfen verzweifelt gesucht

Angesichts der schweren Verluste am Aktienmarkt fliehen Anleger in "sichere Häfen". Doch Gold gehört offenbar nicht mehr dazu. Der Goldpreis gab sogar deutlich nach auf rund 1.880 Dollar je Feinunze.

Deutliche Kursgewinne verzeichnet dagegen der Bitcoin, der Preis für die weltweit bekannteste Kryptowährung stieg an der Börse Bitstamp zwischenzeitlich auf über 13.600 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren. Allerdings konnte die bekannteste Krypto-Währung das hohe Niveau nicht halten und file wieder zurück.

"Die jungen Generationen, die auch durch die Pandemie weltweit millionenfach an die Börse strömten, scheinen den Bitcoin gegenüber dem Gold zu bevorzugen", unterstreicht CMC-Markets-Experte Stanzl.

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Viele Erinnerungen und große Unsicherheiten

Alles in allem weckt der aktuelle Börseneinbruch starke Erinnerungen an das Frühjahr 2020. Wiederholt sich das Szenario vom März? Folgt auf den dramatischen Börsen-Crash nun erneut eine ebenso dramatische Erholung? Sind das jetzt also Kauf-Kurse? Diese Fragen bewegen die Anleger zur Wochenmitte.

Kein ernst zu nehmender Experte ist derzeit gewillt, darauf eine klare Antwort zu geben. Noch wissen wir nicht, ob die Maßnahmen die Politik greifen werden.

Und noch wissen wir nicht, wie die Notenbanken auf die verschärfte Situation reagieren werden. Morgen tagt die Europäische Zentralbank, nächste Woche ist die US-Notenbank Fed am Zug. Das sind viele Unsicherheiten, zu viele, damit sich die Märkte zum jetzigen Zeitpunkt nachhaltig erholen könnten.

Neuer Aufschwung nur eine Frage der Zeit?

Spätestens aber wenn die Notenbanken neue Hilfen in Aussicht stellen, nach der Präsidentschaftswahl in den USA ein gigantisches Konjunkturpaket verabschiedet wird und vielleicht auch hierzulande neue Konjunkturstimuli beschlossen werden, sollten sich auch die Märkte wieder erholen.

Dann würde an den Börsen nämlich eine neue Angst umgehen: Die Angst, den zweiten Corona-Aufschwung an den Aktienmärkten zu verpassen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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