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Sinkende Gewinne Das Paketproblem der Deutschen Post

Stand: 01.04.2019 06:46 Uhr

Trotz des Online-Shopping-Booms verdient die Deutsche Post immer weniger im Brief- und Paketgeschäft. Ein neuer Manager und eine Mega-Portoerhöhung sollen nun die Krisensparte wieder auf die Erfolgsspur führen.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Der Geburtstagsbrief an die Oma, das Bewerbungsschreiben an den Wunscharbeitgeber und die Weihnachtspost an die lieben Verwandten könnten bald deutlich teurer werden. Die Post hofft auf eine Portoerhöhung auf 85 bis 90 Cent ab diesem Sommer. Bisher sind es nur 70 Cent.

Portoerhöhung auf 90 Cent?

70 Cent-Briefmarke
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70 Cent-Briefmarke der Deutschen Post

Eigentlich sollte das Porto schon zum heutigen 1. April auf 80 Cent angehoben werden. Doch die Netzagentur verweigerte das und wollte nur eine Erhöhung des Portos um 4,8 Cent gewähren. Dann aber schaltete sich die Bundesregierung ein: Das Bundeswirtschaftsministerium kündigte eine Änderung der Post-Entgeltregulierungsverordnung an. Der Spielraum für Preisanhebungen könnte dadurch steigen.

Was für die immer seltener werdenden Briefschreiber ärgerlich ist, dürfte die Post freuen. Eine kräftige Portoerhöhung würde ihr mehr Geld in die klammen Kassen spülen.

PeP mit roten Zahlen im vierten Quartal

Denn das Brief- und Paketgeschäft ist zum großen Sorgenkind des Konzerns geworden. im vierten Quartal rutschte die Sparte Post e-commerce Parcel, kurz PeP, tief in die roten Zahlen. 2018 sackte das operative Ergebnis auf 683 Millionen Euro ab.

Der gelbe Riese transportiert immer weniger Briefe. Die Menge sank im vergangenen Jahr um gut vier Prozent. Gleichzeitig stiegen aber die Personalkosten.

Die letzte Meile ist das Problem

Der Paketboom konnte die Briefflaute nicht kompensieren. Zwar lieferte die Post die Rekordmenge von 1,5 Milliarden Paketen aus - 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch die Kosten wuchsen schneller als die Erlöse. "Unsere Branche hat ein grundsätzliches Problem, weil die Zustellung zu gering bezahlt wird", klagt Post-Chef Frank Appel. Faktisch seien die letzten 50 Meter bis zur Haustür der teuerste Teil der Dienstleistung.

Weitere Kursinformationen zu Deutsche Post

Wegen der Probleme im Brief- und Paketgeschäft gab die Post 2018 eine Gewinnwarnung ab, der langjährige Chef der Sparte, Jürgen Gerdes musste gehen. Post-Chef Appel zog die Notbremse und beschloss ein hartes Sanierungsprogramm,  So sollen Beamte vorzeitig in Rente geschickt werden.

2019 soll es wieder mehr Gewinn geben

Der Umbau der Sparte werde einige Monate dauern, bis sich die Fortschritte in der Bilanz niederschlagen, kündigte Appel Anfang März an. Schon in diesem Jahr dürften erste Erfolge sichtbar sein. "2019 werden wir einen großen Schritt nach vorne machen und im deutschen Brief- und Paketgeschäft besser aufgestellt sein. In diesem Jahr will die Post das operative Ergebnis auf 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro verbessern. 2018 war es um über 15 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro eingebrochen.

Deutsche Post: Geschäftszahlen und Jahresbericht 2018

01.04.2019 11:47 Uhr

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Top-Sanierer soll das Paketgeschäft wieder fit machen

Deutsche Post DHL-Vorstandsmitglied Tobias Meyer
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Deutsche Post DHL-Vorstandsmitglied Tobias Meyer

Das Geschäft wieder flott machen soll Tobias Meyer. Der 43-jährige Ex-McKinsey-Manager leitet ab dem 1. April die Sparte. Der Wirtschaftsingenieur kennt die Baustellen sehr genau, da er bereits an den Vorbereitung um Umsetzung des Sanierungsprogramms beteiligt war. 2015 brachte er bereits das schwächelnde Speditionsgeschäft wieder auf Kurs. Meyer gilt als Mann für schwierige Fälle. Er "weiß, wie wichtig gute operative Performance bei der Zustellung von Briefen und Paketen ist", lobt ihn Post-Chef Appel.

Meyer könnte den Aktienkurs wieder Schub geben. Dieser ist auf Ein-Jahres-Sicht um 17 Prozent gefallen. Die Mehrheit der Analysten sieht den gelben Riesen auf gutem Wege, 13 von 21 Analysten raten zum Kauf der Aktie. Joel Sprungin von der Privatbank Berenberg meint, dass das Brief- und Paketgeschäft der Post deutlich niedriger bewertet sei als das anderer vergleichbarer Konzerne.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 "Wirtschaft und Börse" am 07. März 2019 um 12:38 Uhr.

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