Disney will Netflix die Vorherrschaft auf dem Streaming-Markt streitig machen. | Bildquelle: REUTERS

Wegen Disney+ Gewinneinbruch bei Disney

Stand: 07.08.2019 08:43 Uhr

An der Börse und an der Kinokasse eilt Walt Disney von Rekord zu Rekord - ein gutes Vorzeichen für den neuen Streamingdienst Disney+. Doch der kommt den US-Konzern teurer zu stehen als gedacht.

Von Mark Ehren, boerse.ARD.de

Der Konzern mit der Maus will ab November mit seinem Online-Dienst Disney+ in direkter Konkurrenz zu Netflix & Co. treten. Die Vorbereitungen kosten Disney allerdings mehr als erwartet. Entsprechend fiel der Nettogewinn aus dem fortgeführten Geschäft im dritten Geschäftsquartal um mehr als die Hälfte auf 1,4 Milliarden Dollar, wie der Konzern am Dienstagabend nach US-Börsenschluss bekanntgab.

Der Umsatz stieg um ein Drittel auf 20,2 Milliarden Dollar, doch auch die Erlöse blieben hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die Disney-Aktie fiel daraufhin im nachbörslichen US-Handel um 3,8 Prozent. 

Rekordeinspielergebnis

Die enttäuschenden Quartalszahlen sind ein erster Kratzer in einer ansonsten bislang makellosen Jahresbilanz. In der vergangenen Woche lagen die weltweiten Kinoeinnahmen aller Disney-Filme im laufenden Jahr bereits bei 7,67 Milliarden Dollar. Damit wurde die bisherige Rekordmarke von 7,61 Milliarden Dollar geknackt - wohlgemerkt aus dem Gesamtjahr 2016.

Avengers-Film Endgame
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Doch das laufende Jahr hat noch fast fünf komplette Monate - und Nachschub für die Kinofans ist in Sicht. So gelten "Maleficent - Mächte der Finsternis", "Eiskönigin 2″ und der neunte Teil von "Star Wars" als potenzielle Kassenschlager. Einige Experten rechnen nun damit, dass die Marke von zehn Milliarden Dollar Gesamt-Einspielergebnis locker übertroffen werden kann.

Starke Pipeline

Avatar
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Und auch für die Jahre danach ist reichlich frische Filmware in Sicht. So will man die geplanten Fortsetzungen des lange Zeit erfolgreichsten Kinofilms aller Zeiten "Avatar" und von "Star Wars" abwechselnd im Dezember der Jahre 2021 bis 2027 auf den Markt bringen.

Beide Filmreihen sind Teil des Disney-Portfolios, nachdem Konzernchef Bob Iger die Star Wars-Mutter Lucasfilm 2012 und den Avatar-Filmkonzern 21st Century Fox Anfang dieses Jahres gekauft hatte. Zusammen mit dem 2006 übernommenen Computer-Trickfilmpionier Pixar und der 2009 erworbenen Comic-Schmiede Marvel verfügt Disney über zahlreiche kreative Köpfe, die bewiesen haben, dass bei Disney Kunst und Kommerz perfekt zusammenpassen.

Und auch sonst gelingt bei dem Konzern ziemlich viel. Denn nach der besonders lukrativen Kinoauswertung folgt klassischerweise die Veröffentlichung auf Blu-ray und DVD. Erst viel später werden die Inhalte im klassischen Fernsehen gezeigt.

Offensive im Streaming-Markt

Disney +
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Disney +

Doch auch hier geht Disney mit der Zeit. Noch in diesem Jahr soll der Streaming-Dienst Disney+ auf Sendung gehen, ein direkter Angriff auf den Konkurrenten Netflix. Der Kanal ist das dritte Engagement von Disney im Streaming-Markt. Bisher ist der Konzern mit dem Streaming-Dienst Hulu und dem Sport-Pendant ESPN+ aktiv.

Wie ernst Disney der Eintritt in den stark wachsenden Markt ist, zeigt der Kampfpreis von 6,99 Dollar pro Monat auf dem Heimatmarkt. Damit liegt Disney+ zwei Dollar im Monat unterhalb von Netflix, der im Zuge des Starts von Disney+ auch noch alle bisher gezeigten Disney-Inhalte verlieren wird.

"Parks, Experiences and Products"

Gewinnen dürfte Disney angesichts der zahlreichen erfolgreichen Filme auch an anderer Stelle. Insbesondere der wichtigste Geschäftsbereich "Parks, Experiences and Products" dürfte profitieren, mit dem Disney im ersten Halbjahr 43 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftete.

Durch die neuen attraktiven Inhalte dürften die Besucherzahlen in Parks wie "Disneyland" weiter wachsen. Schon wird über weiter steigende Eintrittspreise berichtet. Auch das extrem lukrative Merchandising-Geschäft wird in Zukunft wohl noch besser laufen, genauso wie das Kreuzfahrtgeschäft "Disney Cruises".

Cash-Maschine Disney

Das alles wird wohl den Aktienkurs stützen, der im laufenden Jahr nach einer zuvor jahrelangen Seitwärtsbewegung nach oben geschossen ist. Denn durch den aktuellen und vermutlich auch künftigen Geldregen dürften die Gewinne und Cashflows steigen.

Weitere Kursinformationen zu Walt Disney

Disney erwirtschaftet fast schon traditionell viel mehr Cash, als es für Investitionen ausgibt. Daher dürfte in den kommenden Jahren noch mehr Geld an die Aktionäre zurückfließen als bisher - weniger über besonders üppige Dividenden als durch kursstützende Aktienrückkäufe.

Es kann also durchaus sein, dass neben den Inhalten auch die Aktie von Walt Disney zu den Kassenschlagern gehören wird.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 07. August 2019 um 08:12 Uhr.

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