Freude an der NYSE

Hoffnung auf Regierungswechsel Dow Jones erstmals über 30.000 Punkten

Stand: 24.11.2020 19:01 Uhr

Die von Donald Trump frei gemachte Aussicht auf einen geordneten Übergang zur Präsidentschaft von Joe Biden hat die Anleger an der Wall Street derart erfreut, dass der Leitindex erstmals in seiner Geschichte die Marke von 30.000 Punkten übersprang.

Für den Weg von 20.000 auf 30.000 Punkte brauchte der Dow nur knapp vier Jahre. Und es hat keine acht Jahre gedauert, bis sich der Index verdoppelt hat: Im Mai 2013 stand zum ersten Mal die 15.000 auf der Kurstafel der New Yorker Börse an der Wall Street.

In deren unmittelbarer Nähe symbolisiert die vom Künstler Arturo Di Modica gestaltete Bronzestatue "Charging Bull" den Kapitalismus schlechthin. Der aktuelle Bullenmarkt in den USA begann 2009. Seinerzeit hatten Anleger begonnen, die Folgen der globalen Finanzkrise zu verdauen, die fast überall auf der Welt das Wirtschaftswachstum deutlich ausgebremst oder Rezessionen ausgelöst hatte.

Notenbanken schieben Kurse an

Wall Street Bulle
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Bronzebulle bei der Börse in New York

Kräftig angeschoben wurden die Aktienkurse weltweit von dem billigen Geld der Notenbanken, das die Zinsen unter Druck setzte und festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen damit in der Gunst der Anleger sinken ließ. 2019 hatte die US-Notenbank den Leitzins dreimal hintereinander gesenkt, um einen Wirtschaftsabschwung zu vermeiden.

In den USA befeuerten auch Steueranreize und Infrastruktur-Versprechen unter Präsident Donald Trump die Kurse. Anfang 2020 sorgte dann die Corona-Pandemie für ein jähes Ende des Bullenmarktes. Der Dow sackte innerhalb weniger Wochen, von Ende Februar bis Ende März, um fast 10.800 Punkte ab auf 18.590. Damit hatten sich die in gut drei Jahren angehäuften Kursgewinne innerhalb weniger Wochen in Luft aufgelöst. Auch weltweit brachen die Börsen drastisch ein.

Zahlreiche Konjunkturhilfen

Doch Regierungen und Notenbanken machten schnell klar, dass sie mit gewaltigen Konjunktur- und Hilfspakten alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um gegenzusteuern. So war das Arbeitslosengeld für Millionen US-Bürger erhöht worden und die Notenbank Fed hatte die Zinsen nach dem Übergreifen der Corona-Pandemie auf die USA im März in zwei großen Schritten auf die extrem niedrige Spanne von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt.

Zudem pumpt die Fed über milliardenschwere Anleihekaufprogramme zusätzliche Liquidität in die Finanzmärkte, um mit der Geldflut die Wirtschaft anzuschieben. Damit konnte sich der Dow in den letzten Monaten immer weiter nach oben arbeiten. Zudem wurde schnell klar, dass die Pandemie nicht das Ende der Menschheit bedeutet, trotz der zahlreichen Toten, auch und gerade in den USA. Doch die sich ebenso rasch abzeichnende Aussicht auf eine schnelle Entwicklung von Impfstoffen gegen das Corona-Virus ließ die Anleger immer wieder Mut schöpfen.

Und jetzt?

Und wie geht es jetzt weiter? Aus fundamentaler Sicht zumindest spreche zunächst viel für weiter steigende Kurse, glauben Marktexperten. "Langfristig haben Veränderungen in der Präsidentschaft kaum zu materiellen, fundamentalen Veränderungen in der Funktionsweise der US-Wirtschaft geführt - insbesondere dann, wenn der Kongress geteilt war", schrieb Colin Moore, der globale Anlagechef beim Vermögensverwalter Columbia Threadneedle. So will Biden zwar im Gegensatz zu seinem Vorgänger Trump Steuern erhöhen. Doch die Grundfesten des kapitalistischen Systems stellt nicht in Frage.

lg/dpa

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. November 2020 um 20:00 Uhr.

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