Eine Auszubildende in einem Betrieb für Werbetechnik in Berlin, der auch Kurzarbeit für seine Mitarbeiter angemeldet hat. | Bildquelle: dpa

Studie von Arbeitsmarktforschern Kaum Einkommensverluste durch Corona

Stand: 10.12.2020 11:24 Uhr

Wie groß sind die Einbußen für Beschäftigte im Jahr der Corona-Pandemie? Staatliche Transfers haben die negativen Folgen in Deutschland stark abgedämpft, heißt es in einer neuen Studie von Arbeitsmarkt-Forschern.

Das deutsche Sozialsystem hat die von Corona ausgelösten Einkommensverluste der Deutschen erheblich gedämpft. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des ifo-Instituts. Weil noch keine Daten zu den Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Einkommensverteilung vorliegen, hat das IAB in Zusammenarbeit mit dem ifo-Institut eine Simulationsstudie durchgeführt, um eine erste Schätzung zu erhalten.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Pandemie und die zu ihrer Eindämmung eingesetzten Maßnahmen treffen den Arbeitsmarkt erheblich. Die Bruttoeinkommen dürften sich in diesem Jahr für alle Einkommensgruppen spürbar verringern. Es seien sowohl gut bezahlte Arbeitsplätze, etwa im Verarbeitenden Gewerbe, als auch niedriger entlohnte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor von der Krise betroffen, schreiben die Autoren der Studie.

Stoßdämpfer Kurzarbeit

Betrachte man jedoch die verfügbaren Haushaltseinkommen, so verringere sich der durchschnittliche Einkommensverlust der Erwerbstätigen deutlich auf nur noch 1,1 Prozent. "Die Verluste beim Erwerbseinkommen werden also durch das Steuer- und Transfersystem erheblich abgemildert", so die Autoren.

"Die Kurzarbeit funktioniert wie geplant, wie ein Stoßdämpfer am Auto", sagt Andreas Peichl vom ifo-Institut. Ein großer Teil der krisenbedingten Einkommensverluste werde über die Arbeitslosenversicherung ausgeglichen, erklärt Kerstin Bruckmeier vom IAB. Dämpfend wirkten zudem der Kinderbonus, die Erhöhung des Einkommenssteuer-Freibetrags für Alleinerziehende, der Notfall-Kindergeldzuschlag und ein erleichterter Zugang zu Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende.

Positive Effekte für die Einkommensschwachen

Beziehe man die Sondermaßnahmen für einkommensschwache Haushalte mit ein und betrachte die Gesamtbevölkerung, also einschließlich der Haushalte ohne Erwerbstätige, also der Rentner, so reduziere sich der Gesamteffekt der Pandemie auf das verfügbare Haushaltseinkommen auf nur noch 0,1 Prozent.

"Für die einkommensschwächsten 20 Prozent sehen wir sogar positive Effekte", so die Autoren. Zu verdanken sei dies dem Kinderbonus. Der werde anders als das Kindergeld nicht auf bedarfsgeprüfte Leistungen angerechnet, sondern mit dem aus dem Kinderfreibetrag resultierenden Einkommensteuervorteil verrechnet.

Zudem sind in den unteren Einkommensgruppen deutlich weniger Menschen erwerbstätig, so dass hier häufiger gar keine Verluste beim Einkommen entstehen. "Bei den mittleren Einkommensgruppen liegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie praktisch bei null", heißt es in der Studie. In den oberen Einkommensklassen gebe es dagegen einen Rückgang.

Neuerlicher Pandemieanstieg ändert nichts wesentlich

Die Studie bezieht zwar nur die Entwicklungen bis September mit ein, "gleichwohl dürften sich die Verteilungsergebnisse, auch aufgrund der November- und Dezemberhilfen, nicht wesentlich ändern", heißt es von den Forschern.

Wie sich die Krise in den kommenden Jahren auf die Einkommensverteilung auswirken könnte, hänge entscheidend von den staatlichen Hilfsleistungen für die Bevölkerung ab.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete BR24 am 10. Dezember 2020 um 16:40 Uhr.

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