EZB-Gebäude in Frankfurt

Leitzins und Anleihekäufe Die EZB wartet erst einmal ab

Stand: 29.10.2020 15:35 Uhr

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank ihre Zinsen unverändert belassen, will ihre geldpolitische Strategie aber im Dezember neu kalibrieren. Damit signalisiert die Notenbank die Bereitschaft für neue Hilfen.

Auf ihrer heutigen Sitzung hat die EZB noch keine neuen Maßnahmen beschlossen. Der Leitzins bleibt unverändert bei Null Prozent und auch das Anleihekaufprogramm im Volumen von 1,35 Billionen Euro wurde nicht weiter aufgestockt. Die Strafzinsen für Banken ließ die Notenbank ebenfalls unverändert.

Die Geldpolitik soll aber auf der nächsten Ratssitzung im Dezember "rekalibriert" werden. Dabei würden alle Instrumente überprüft, sagte Notenbank-Chefin Christine Lagarde, also nicht nur das Anleihekaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme). Die Stäbe der EZB arbeiteten bereits daran, wie die Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung im Dezember ihre Instrumente anpassen könne, um auf die Entwicklungen zu reagieren, sagte Lagarde.

Weitere Geldspritzen im Dezember erwartet

Volkswirte wie Ralf Umlauf von der Helaba begrüßten die heutige Entscheidung der EZB, verfüge doch die Notenbank dank der umfangreichen Anleihekäufe über genügend Spielraum, um noch bis zur nächsten Ratssitzung im Dezember weitere Entscheidungen abzuwarten und dann nachzulegen. "Die Tür dafür ist weit geöffnet", so Umlauf.

Bilanzsummenveränderung EZB und Covid-19 Fälle
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Bilanzsummenveränderung EZB und Covid-19 Fälle

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, sieht es ähnlich: "Es hatte sich unseres Erachtens über die vergangenen Wochen bereits angedeutet, dass die EZB vor dem Jahresende geldpolitisch nochmals nachlegen dürfte." Die jüngste Verschärfung der Corona-Lage hat aus seiner Sicht die Ratsmitglieder nun noch stärker zu der Einschätzung gebracht, dass weitere Schritte zur Konjunkturstützung notwendig würden.

Kreativität gefragt

Dann sei allerdings Kreativität gefragt im Eurotower, erklärte Friedrich Heinemann, Ökonom am Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Einfach nur das PEPP aufzustocken dürfte dann kaum reichen, weil Langfristzinsen und -spreads kaum noch tiefer fallen können. Es sollten daher dann auch Instrumente diskutiert werden, die bisher in der Eurozone noch keine Rolle gespielt haben wie etwa EZB-Käufe von Aktienfonds."

Im Zuge des massiven Konjunktureinbruchs im Frühjahr hatte die Notenbank umfangreiche Stützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Unter anderem stockte sie im Juni ihr großes Pandemie-Anleihenkaufprogramm PEPP um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf und verlängerte die Käufe bis mindestens Ende Juni 2021.

Dax dreht ins Plus

Viele Regierungen im Euroraum, darunter mit Deutschland und Frankreich die beiden größten Volkswirtschaften, haben aufgrund stark steigender Infektionszahlen erneut scharfe Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen.

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Daher geht die Sorge um, dass die eingesetzte konjunkturelle Erholung nach dem Absturz im zweiten Quartal nun wieder ausgebremst wird. EZB-Präsidentin Lagarde erklärte, im vierten Quartal zeichne sich eine deutliche Abschwächung der Konjunktur ab. Die derzeitige Corona-Lage habe die Investoren verunsichert, so dass viele ihre Ausgaben erst einmal zurückhielten.

Die Aussicht auf neue geldpolitische Hilfen hat die Aktienmärkte beflügelt. Der Dax drehte während der Pressekonferenz der Zentralbank ins Plus und legte zuletzt 0,6 Prozent auf 11.628 Punkte zu.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichteten am 29. Oktober 2020 NDR Info um 11:41 Uhr sowie um 15:41 Uhr und tagesschau24 um 15:40 Uhr jeweils in der Wirtschaft.

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