Apps von Instagram, Facebook, WhatsApp

Zuckerbergs nächster Plan Wohin geht Facebook mit Whatsapp?

Stand: 19.02.2019 06:45 Uhr

Heute vor fünf Jahren kaufte Facebook für 19 Milliarden Dollar das Unternehmen Whatsapp. Mark Zuckerberg gab damals den Gründern ein Versprechen: Whatsapp werde unabhängig bleiben. Er wird es wohl brechen.

Die Daten der Nutzer und die mit ihrer Hilfe ausgespielte Werbung sind Mark Zuckerbergs Kapital und dafür muss er so viele Nutzer wie möglich auf seiner Plattform bedienen. Wettbewerb ist für Facebook im Prinzip geschäftsschädigend. Warum die lästige Konkurrenz nicht einfach kaufen? Im Jahr 2012 hatte Facebook sich den Online-Bilderdienst Instagram für knapp eine Milliarde Dollar einverleibt. Zwei Jahre später im Jahr 2014 folgte der Messengerdienst Whatsapp für satte 19 Milliarden Dollar.

Damals schon gab es Bedenken wegen der ungeheuren Konzentration von Marktmacht. Zuckerberg versprach seinerzeit, Whatsapp werde unabhängig bleiben. Jetzt plant Facebook offenbar, seine Chat-Dienste Whatsapp, Facebook-Messenger und Instagram zusammenzulegen.

Mark Zuckerberg
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Mark Zuckerberg: Ein Mann mit Weitblick und Plänen

Man arbeite daran, mehr von unseren Messenger-Produkten Ende-zu-Ende zu verschlüsseln und denke darüber nach, es Nutzern zu erleichtern, Verwandte und Freunde über Netzwerke hinweg zu erreichen, teilte eine Facebook-Sprecherin mit. In einem langen Prozess sollen nun die Details ausgearbeitet werden.   

Das Imperium wird zentralisiert

Was genau hat Facebook vor? Nach einem Bericht der „New York Times“ (NYT) will Zuckerberg die den Diensten zugrundeliegende Infrastruktur vereinheitlichen. Für die Nutzer hat das den Vorteil, dass sie Nachrichten verschlüsselt und problemlos zwischen den drei Messengern, also plattformübergreifend, versenden können.

Sicherheit ist ein hübsches Lockmittel, vor allem aber werden die Nutzer wie gewohnt über Bequemlichkeit geködert. „Die bestmögliche Erfahrung bieten“, heißt so etwas im Social-Network-Newspeak. „Die Menschen möchten einen schnellen, einfachen verlässlichen und sicheren Messenger“, so das Facebook-Statement in dieser Angelegenheit. Laut NYT sollen die Pläne bis Ende 2019, Anfang 2020 umgesetzt werden. Noch ist aber nicht klar, wie genau Zuckerberg von der Vereinheitlichung der Dienste profitieren möchte.     

Whatsapp-Gründer Jan Koum (l.) und Brian Acton
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Whatsapp-Gründer Jan Koum (l.) und Brian Acton: "Nicht unbedingt einverstanden."

Die Whatsapp-Gründer Jan Koum und Brian Acton sind übrigens nicht mehr an Bord. Als letzter verließ Koum das Unternehmen im Mai 2018. Medienbrichten zufolge habe es Streit mit Facebook um die Datennutzung sowie die strikte Verschlüsselung bei Whatsapp gegeben. Auch Pläne, bei Whatsapp Werbung einzuführen, hätten für Konflikte gesorgt, heißt es.

Brian Acton war schon 2017 ausgeschieden. „Sie sind gute Geschäftsleute“, sagte Acton in einem ‚Forbes‘-Interview über Facebooks Führungsriege um Gründer und Chef Mark Zuckerberg. „Sie stehen nur für eine Reihe von Geschäftspraktiken, Prinzipien und Ethik, mit denen ich nicht unbedingt einverstanden bin.“

Das Netzwerk wächst und wächst

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet die aktuellen Pläne als ein „ebenso faszinierendes wie riskantes Experiment mit dem Privatleben von 2,5 Milliarden Menschen“. Je nach Betrachtung sind es sogar mehr: Nach Angaben des Unternehmens aus dem Januar 2019 nutzen mehr als 2,7 Milliarden Menschen Facebook, Instagram, Whatsapp oder den Messenger monatlich, zwei Milliarden davon jeden Tag.

Seit Jahren schon sehen wir einem gigantischen Datensauger beim Wachsen zu. Die aktuellen Geschäftszahlen des vierten Quartals 2018 unterstreichen das: Der Gewinn sprang im Vergleich zum Vorjahresquartal um 61 Prozent auf 6,88 Milliarden Dollar, der Umsatz kletterte um 30 Prozent auf knapp 17 Milliarden Dollar.

Weitere Kursinformationen zu Facebook

Auch die immer länger werdende Liste an Datenschutzskandalen hat dem Aktienkurs nur zeitweise geschadet. Solange die Gewinne sprudeln sind den Anlegern die gesellschaftlich relevanten Themen ziemlich gleichgültig. Mittlerweile sind die Papiere wieder auf Erholungskurs. Die Zusammenführung der drei Dienste dürfte sogar im Interesse der Investoren sein, denn je effektiver die Werbemaschine läuft, desto besser für das Geschäft.

Das Kartellamt macht ernst – so gut es eben geht

Trotzdem scheint der Gegenwind langsam zuzunehmen. Das Bundeskartellamt sieht eine marktbeherrschende Stellung Facebooks und will die Sammlung von Nutzerdaten in Deutschland massiv einschränken. Das Online-Netzwerk soll nach Auflagen des Kartellamts Daten seiner Dienste wie Instagram und Whatsapp oder von Websites anderer Anbieter nur noch mit dem Facebook-Konto des Nutzers verknüpfen dürfen, wenn dieser es ausdrücklich erlaubt hat.

Natürlich geht Facebook mit einer Beschwerde gegen das Bundeskartellamt vor. Bis die Entscheidung rechtskräftig werden kann, wenn überhaupt, dürften also noch einige Monate vergehen. Die Justiz, Gerichte oder Ämter brauchen für ihre Entscheidungen in oft sehr komplexen Angelegenheiten nun einmal Zeit. Ein modernes Technologie-Unternehmen dagegen kann einfach Fakten schaffen - und das meistens ziemlich zügig.

ts

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So formte Mark Zuckerberg das Facebook-Imperium

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2004 an der Harvard University, Cambridge

Anfänge in Harvard
Facebook schreibt seine Anfänge in einem Studentenwohnheim einer der erfolgreichsten Eliteschmieden in den USA - Harvard. 2003 schreibt Mark Zuckerberg sein erstes Programm, für das er sich gleich mal in die Datenbank des Wohnheims hackt. Über "Facemash" können seine Mitstudenten das Aussehen von weiblichen Kommilitonen vergleichen und bewerten. Nach kurzer Zeit wird die Website allerdings durch eine Anordnung von Harvard wieder offline gestellt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichteten am 19. Februar 2019 Inforadio um 07:13 Uhr und der BR in der Sendung "radioWelt" um 17:00 Uhr.

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