Fiat Chrysler, Renault

FCA & Renault Anleger enttäuscht, Aktien sacken ab

Stand: 06.06.2019 09:30 Uhr

Fiat Chrysler zieht sein Fusionsangebot an Renault zurück, die Politik in Frankreich habe dazwischengefunkt. Jetzt äußern sich auch französische Regierungskreise, die das natürlich ganz anders sehen. Die Anleger reagieren jedenfalls enttäuscht.

Fiat Chrysler verloren in Mailand zum Auftakt fast vier Prozent. Für Renault ging es in Paris um rund sieben Prozent auf 52,22 Euro abwärts. Damit bewegen sich die Papiere der Franzosen wieder nahe des tiefsten Niveaus seit Herbst 2014, nachdem die Hoffnung auf eine Fusion mit Fiat Chrysler sie zuletzt noch über die Marke von 58 Euro getrieben hatte. Insgesamt fallen die Kursverluste bislang aber nicht ganz so dramatisch aus, wie es vorbörslich den Anschein hatte.

Weitere Kursinformationen zu Nissan

Weitere Kursinformationen zu Renault

Weitere Kursinformationen zu Fiat Chrysler

"Irgendwas ist schiefgegangen"

In einer ersten Reaktion äußerte sich das Analysehaus RBC zum geplatzten Deal: Die Fachleute belassen die Einstufung für Renault auf "Top Pick" mit einem Kursziel von 76 Euro. Die Renault-Aktie dürfte nun nachgeben, aber nicht in dem Maß, wie sie zuvor im Zuge der Meldung zur möglichen Fusion gestiegen sei, schrieb Analyst Tom Narayan. In den vergangenen Tagen sei das Wertpotenzial der Renault-Aktie deutlich geworden. Der Experte betonte die positive Dynamik einer Fusion der beiden Autohersteller und hält einen Zusammenschluss nach wie vor für nicht vollständig ausgeschlossen. Es sei aber offenbar schwierig, den französischen Staat für einen solchen Deal zu gewinnen.

Auch andere Kollegen spekulieren über die Beweggründe für Fiats Rückzug. Der Deal habe nach der Lösung aller Probleme für Fiat in Europa geklungen, schrieb Max Warburton von Bernstein Research, und seit Bekanntwerden der Fusionspläne vor knapp zwei Wochen habe es sowohl aus Turin als auch aus Paris zustimmende Äußerungen gegeben. Aber irgendetwas sei offenbar schief gegangen - sei es, dass die französische Regierung ihre Meinung geändert habe, oder sich der Renault-Partner Nissan plötzlich quer gestellt habe. Womöglich sei sogar beides der Grund.

"Take it or leave it"

Vergangene Nacht hatte FCA sein Angebot "mit sofortiger Wirkung" überraschend zurückgezogen, nachdem zuvor Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert hatte, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen. Jetzt gab es auch eine Stellungnahme aus französischen Regierungskreisen. Dort sieht man die Schuld bei dem italienisch-amerikanischen Autobauer. Es habe keinen guten Grund gegeben, das Angebot so überstürzt zurückzuziehen.

Bereits seit Beginn der Gespräche habe FCA massiven zeitlichen Druck ausgeübt und versucht, die Verhandlungen nach dem Ansatz "take it or leave it" ("nimm es oder lass es bleiben") zu führen. Die französische Seite habe klargemacht, dass sie sich nicht derart unter Druck setzen lasse, so die Kreise.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juni 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: