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Vermögensbildung Frauen - die besseren Anleger?

Stand: 06.03.2020 06:45 Uhr

Frauen müssten eigentlich mehr als Männer für ihre Altersvorsorge tun, da sie länger leben und oft deutlich weniger Rente bekommen. Doch noch immer ist Geldanlage vor allem Männersache.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Wenn's um die Auswahl der neuen Waschmaschine oder der Wohnzimmercouch geht, treffen meist Frauen die Entscheidung. Nur bei Geldfragen nicht. Gerade Frauen verlassen sich in finanziellen Angelegenheiten auf ihren Mann oder Freund, klagt Natascha Wegelin. Die 34-Jährige ist Finanzbloggerin und gibt im Internet als "Madame Moneypenny" Anlegerinnen Ratschläge zur Altersvorsorge und Aktien-Tipps.

Frauenblogs klären auf

Natascha Wegelin, "Madame Moneypenny"
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Natascha Wegelin, "Madame Moneypenny"

Auf ihrem Blog zeigt sie Schritt für Schritt, wie der Weg in die finanzielle Unabhängigkeit gelingen kann. Ihre Online-Seminare sind gut besucht, ihre Facebook-Gruppe für Frauen zählt mittlerweile über 13.000 Mitglieder. Wenn Madame Moneypenny auf Anlegermessen oder in Kneipen auftritt, kommen hunderte Fans.

Wegelin ist nicht die einzige, die Frauen das Thema Geldanlage näher zu bringen versucht. Auch die Journalistin Margarethe Honisch vermittelt über ihren Frauen-Finanzblog "Fortunalista" weiblichen Anlegern, wie sie ein Vermögen aufbauen. Und auf dem Online-Portal "HerMoney" gibt es Finanztipps unabhängiger Expertinnen wie zum Beispiel der ehemaligen Fondsmanagerin Anne Connelly.

Anlegermessen bieten Extra-Seminare nur für Frauen. So fand jüngst auf dem Börsentag Frankfurt ein Frauen-Finanz-Forum unter dem Titel "Rendite ist weiblich" statt.

Die weibliche Scheu vor Aktien

Ob Frauenfinanzforen oder Blogs – sie alle versuchen den Frauen die Scheu vor der Börse zu nehmen. Denn noch immer wagt sich das weibliche Geschlecht kaum an Aktien. Nur zwölf Prozent der Frauen, die sparen, besitzen Aktien, hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband herausgefunden. Bei Männern dagegen ist der Anteil doppelt so hoch, nämlich 24 Prozent. Also fast jeder vierte Mann hat Aktien. Zu ähnlichen Zahlen kommt die ING-Diba in einer Studie.

Ein Grund dafür ist mangelndes Finanzwissen und fehlendes Selbstbewusstsein. Laut einer Studie der Großbank UBS gehen 81 Prozent der Frauen davon aus, dass sich ihr Partner besser mit Finanzen auskennt. Zwei Drittel der Frauen geben zu, kaum Finanzwissen zu haben, hat das Portal "Weltsparen.de" ermittelt. Rund 60 Prozent von ihnen überlassen deshalb dem Mann die Finanzentscheidungen.

Das könnte auch historische Gründe haben. Frauen dürfen in Deutschland erst seit 1962 ein eigenes Bankkonto eröffnen, ohne ihren Gatten um Erlaubnis zu bitten. "Meine Oma durfte noch kein eigenes Konto haben", erinnert sich Natascha Wegelin.

"Ein Mann ist keine Altersvorsorge!"

Dabei ist die Altersvorsorge für Frauen noch wichtiger als für Männer. Das weibliche Geschlecht wird nämlich im Schnitt älter und verdient weniger. Dementsprechend fallen auch die Renten bei Frauen mickriger aus. Ihnen droht eher Altersarmut. "Ein Mann ist keine Altersvorsorge", titelt Geldexpertin Helma Sick in ihrem Buch.

Tatsächlich scheinen Frauen in Finanzdingen weniger risikofreudig zu sein. So legen sie lieber Geld in Fonds als in Aktien an. Laut einer Depotanalyse der ING-Diba von Mitte 2018 sind Fonds bei Frauen populärer als bei Männern. Mit der Vielzahl der im Fonds enthaltenen Aktien können sie das Risiko besser streuen. Kein Wunder, dass für mehr als die Hälfte der Frauen (54 Prozent) wichtiger ist, das Kapital zu erhalten als es zu mehren. Von den Männern wollen das nur 43 Prozent, heißt es in einer Umfrage von JPMorgan Asset Management.

Mehr Rendite als bei Männern

Sind Frauen an der Börse investiert, schlagen sie sich in der Regel meist einen Tick besser als männliche Anleger. In den ersten elf Monaten 2019 erzielten Kundinnen der ING-Diba eine durchschnittliche Rendite von 24,1 Prozent, während die männlichen Kunden nur auf 23,5 Prozent kamen. 2017 hatten allerdings die Männer die Nase vorn.

"Frauen sind die besseren Anleger", ist Finanzprofessor Theodoro Cocca, Professor für Wealth und Asset Management an der Uni Linz, überzeugt. Vor allem Männer überschätzen sich. "Sie kaufen mehr Growth- als Value-Aktien." Und sie reagieren mehr auf kurzfristige News. Frauen hingegen denken langfristiger, handeln konservativer - und verkaufen schneller. Männer wollen oft die Verluste nicht eingestehen und halten Verlustbringer zu lange. Gute Aktien verkaufen sie zu früh. Zudem handeln Männer Aktien häufiger als Frauen. Das Hin und Her macht aber die Taschen leer.

Vielleicht aber sind die Geschlechterunterschiede gar nicht psychologischer Natur. Umfragen zufolge würden Frauen mehr ins Risiko gehen, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Ist also alles nur eine Frage des Geldes?

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Januar 2020 um 18:40 Uhr.

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