Flieger der Fluggesellschaft Ryanair | Bildquelle: dpa

Harter Preiskampf Ryanairs Gewinn schrumpft weiter

Stand: 29.07.2019 09:17 Uhr

Der Brexit-Wirrwarr und ein harter Preiskampf in Deutschland haben Europas größtem Billigflieger Ryanair im ersten Geschäftsquartal einen Gewinneinbruch eingebrockt. Und Besserung ist derzeit wohl nicht in Sicht.

In den Monaten April bis Juni verdiente das irische Unternehmen 243 Millionen Euro und damit 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zwar legten die Zahl der Passagiere und der Umsatz um jeweils elf Prozent zu. Dies gelang aber nur, weil Ryanair die Ticketpreise im Schnitt um sechs Prozent senkte. Zusatzerlöse etwa für Sitzplätze nach Wunsch fingen den Rückgang auf.

Michael O'Leary
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Michael O'Leary

Allerdings zehrten gestiegene Kosten für Treibstoff, Flughafengebühren und Personal am Gewinn. Insbesondere das ständig weiter wachsende Angebot an Billigflügen in Deutschland macht es für die Anbieter immer schwieriger, den Gewinn zu steigern. Zu schaffen macht dem Easyjet-Rivalen auch das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 MAX, dessen Auslieferung sich voraussichtlich deutlich verzögert. Dazu kommt die Unsicherheit über den künftigen EU-Austritt Großbritanniens, wegen der sich die dortigen Kunden mit Reisebuchungen zurückhalten.

Der Gewinn schrumpft und schrumpft  

Dass sich die Investoren mittlerweile Sorgen um das Geschäftsmodell von Ryanair machen, zeigt ein Blick auf den Aktienkurs. Im August 2017 hatten die Titel auf ihrem Rekordhoch von mehr als 19 Euro notiert. Aktuell kann man sie sich schon für rund zehn Euro ins Depot legen.  

Weitere Kursinformationen zu Ryanair

Und der aktuelle Ausblick verspricht nichts Gutes: Die Erwartungen an den Passagierzuwachs strich Ryanair-Chef Michael O'Leary nun noch etwas stärker zusammen. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März 2020 rechnet er jetzt noch mit mehr als 152 Millionen Fluggästen, etwa eine Million weniger als zuletzt.

Im laufenden Jahr peilt Ryanair nach Angaben vom Mai nur noch einen Gewinn von 750 bis 950 Millionen Euro an. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen einen Gewinn von rund einer Milliarde Euro verbucht, im Jahr davor waren es noch 1,45 Milliarden Euro.

alt Ryanair-Maschine am Flughafen Hahn

Auf dem Weg zur Ryanair 2.0

Vor 20 Jahren landete erstmals ein Flugzeug der irischen Fluggesellschaft Ryanair auf dem ehemaligen Militärflugplatz Frankfurt-Hahn. Es war der Beginn einer neuen Ära – nicht nur im deutschen Luftverkehr. Jetzt will Ryanair eine weitere Stufe zünden und ein „Amazon der Reisebranche“ werden.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Das Umfeld bleibt schwierig

Das US-Analysehaus Bernstein Research hat sich in einer ersten Analyse mit den Quartalszahlen befasst und belässt die Einstufung für Ryanair auf "Market Perform" mit einem Kursziel von 10,00 Euro. Der irische Billigflieger habe beim Reingewinn positiv überrascht und an seinen Zielen festgehalten, was die Aktien stützen sollte, schrieb Analyst Daniel Roeska. In Europa allerdings sei das Preisumfeld bei Kurzstrecken-Ferienflügen immer noch schwierig.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juli 2019 um 11:49 Uhr.

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