Deutsche Autobauer

Neue Studie Autobau in Deutschland auf niedrigstem Stand seit 22 Jahren

Stand: 15.12.2019 13:43 Uhr

Der Umbruch zur E-Mobilität, neue Zollschranken sowie immer aggressiver auftretende Autohasser haben dem führenden Wirtschaftszweig Deutschlands heftig zugesetzt. Und noch ist keine Trendwende in Sicht.

Laut einer Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen sind 2019 in Deutschland so wenig Autos gebaut worden wie seit 22 Jahren nicht mehr. Die Produktion dürfte aufs Jahr hochgerechnet auf 4,67 Millionen Fahrzeuge sinken.

Folglich ging auch der Anteil an der Weltproduktion auf 5,9 Prozent zurück, 1997 waren es noch 11,8 Prozent, also doppelt so viele. Das bedeutet, dass nur noch jedes 17. Auto in Deutschland gebaut wird. Die Studie lag der Deutschen Presse-Agentur vor, zuvor hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet.

Deutschland verliert an Bedeutung

Ein Grund für den Rückgang ist laut Studienautor Ferdinand Dudenhöffer die Rezession der weltweiten Autoindustrie infolge der von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskriege.

So sank die globale Produktion 2019 hochgerechnet um fünf Prozent oder 4,1 Millionen Neuwagen auf 78,8 Millionen. "Mit dem Rückgang der Autoproduktion in Deutschland verliert der Standort Deutschland für die Welt-Autoindustrie weiter an Bedeutung", urteilte Dudenhöffer.

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"Das geplante Tesla-Werk in Brandenburg helfe zwar den Abwärtstrend abzumildern, könne aber keine Trendumkehr einleiten. Der Handelskrieg zwischen den weltgrößten Volkswirtschaften USA und China treffe die deutschen Exporte und damit die deutsche Autoproduktion, so Dudenhöffer.

Engeren Austausch mit China gefordert

Für 2020 rechnet der Experte mit einem weiteren Rückgang auf 4,5 Millionen in Deutschland gebauten Autos. Erst 2021 könne mit wieder leicht steigenden Produktionszahlen in Deutschland gerechnet werden. "Deutschland verliert damit im weltweiten Autogeschäft an Bedeutung - ganz im Gegenteil zu den deutschen Autobauern", schrieb Dudenhöffer.

Er plädierte für einen engeren Austausch mit China, das für die deutschen Autobauer bereits jetzt der wichtigste Markt ist. Das Land sei nun der wichtigste Standort der Autoproduktion. "China ist der Mittelpunkt der Autowelt, und die alten Autonationen wie Deutschland werden unbedeutender."

Auch VDA erwartet weiter schwieriges Jahr

VW Verkauf in China
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China: Kunden sehen sich zum Verkauf angebotene VW-Fahrzeuge an.

Für den Rückgang der Autokonjunktur in China macht Dudenhöfer den US-Präsidenten und dessen Strafzölle verantwortlich. Tatsächlich ging die Talfahrt zuletzt weiter. Im Oktober sank der Absatz bereits zum 16. Mal in den vergangenen 17 Monaten, wie der Branchenverband PCA (China Passenger Car Association) mitteilte. Insgesamt wurden im Oktober 1,87 Millionen Fahrzeuge verkauft und damit sechs Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Derweil rechnet der Verband der deutschen Autohersteller VDA für 2020 mit einem weiteren schwierigen Jahr für die heimischen Hersteller. Auf den wichtigen Exportmärkten China und USA wie auch in Europa rechnet der VDA mit einer längeren Durststrecke. Im weltgrößten Pkw-Markt in China werde die Nachfrage auch im kommenden Jahr schrumpfen, wenn auch nicht mehr so stark wie zuletzt, prognostizierte der VDA. In Europa werde der Absatz wegen der schärferen Klimaschutz-Vorschriften um zwei Prozent sinken. "Konjunkturell haben wir Gegenwind", sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes.

lg/dpa

Quelle: boerse.ard.de
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