Suche nach Jan Marsalek

Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek will sich offenbar stellen

Stand: 25.06.2020 09:56 Uhr

Der per Haftbefehl gesuchte frühere Wirecard-Vorstand Jan Marsalek will sich offenbar stellen - und erhofft sich dadurch Vorteile.

Wie sein früherer Chef Markus Braun hofft auch Jan Marsalek auf Haftverschonung. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf "Kenner" des Münchner Ermittlungsverfahrens berichtet, wolle Marsalek sich Anfang der kommenden Woche der Staatsanwaltschaft München I stellen.

Sein Kalkül sei es, im Gegenzug ebenfalls gegen Kaution und weitere Auflagen von einer Untersuchungshaft verschont zu werden. Marsalek galt beim Zahlungsabwickler Wirecard als enger Vertrauter des gestürzten Markus Braun.

Zuletzt wurde vermutet, dass sich Marsalek auf den Philippinen aufhalten könnte. Die philippinische Einwanderungsbehörde suche den ehemaligen Wirecard-Vorstand, wie Justizminister Menardo Guevarra sagte.

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Marsalek war demnach am 3. März in der philippinischen Hauptstadt und reiste zwei Tage später wieder aus. "Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, dass er kürzlich zurückgekehrt ist und möglicherweise noch dort ist", sagte Guevarra. Die Philippinen haben kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland.

Rechte Hand von Braun

Marsalek galt bei Wirecard als rechte Hand des gestürzten Vorstandschefs Markus Braun und einer der Gründerväter des einstigen Startups. Er wurde aber vergangene Woche zuerst suspendiert, am Montag dann entlassen. Der Manager war jahrelang als Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft zuständig und zählte zu den Verantwortlichen für das Asien-Geschäft.

Die Philippinen spielen in dem Bilanzskandal eine zentrale Rolle. Wirecard hatte am Montag eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in den Philippinen verbucht sein sollten, sehr wahrscheinlich nicht existieren. Die philippinische Zentralbank teilte am Sonntag mit, die fehlenden Gelder seien nicht in das Finanzsystem des Landes geflossen.

Auch Singapurer Polizei ermittelt

Guevarra habe die Ermittlungsbehörde National Bureau of Investigation (NBI) angewiesen, mit dem Anti-Geldwäsche-Rat AMLC zusammenzuarbeiten, um den Fall zu untersuchen. "NBI und AMLC werden zusammenarbeiten, sofern es Hinweise auf Geldwäsche gibt", sagte er.

Unterdessen ermittelt auch die Singapurer Polizei weiterhin gegen Wirecard. Sie hat ihre seit über einem Jahr laufenden Ermittlungen gegen eine Schlüsselfigur bislang nicht abgeschlossen. Dabei geht es um den Manager Edo Kurniawan, den früheren Leiter der Buchhaltung von Wirecard in dem südostasiatischen Inselstaat. Kurniawan hatte das Unternehmen im April 2019 verlassen, nachdem ein erster von Wirecard in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht finanzielle Unregelmäßigkeiten festgestellt hatte. Die "Financial Times" hatte damals unter Berufung auf Insider ausführlich berichtet und war von dem Unternehmen der Verleumdung bezichtigt worden.

tb/lg/dpa/rtr

Quelle: boerse.ard.de
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