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Antwort auf Anfrage eines FDP-Politikers BaFin-Mitarbeiter: Fast 500 private Geschäfte mit Wirecard

Stand: 13.11.2020 13:46 Uhr

Vor dem aufgedeckten Wirecard-Skandal haben BaFin-Mitarbeiter massiv mit Aktien des Zahlungsdienstleiters gehandelt. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums machten 85 Bafin-Mitarbeiter knapp 500 private Aktiendeals mit Wirecard.

Der Finanzaufsicht BaFin sind mittlerweile 495 private Geschäfte ihrer Mitarbeiter mit Bezug zum Skandalunternehmen Wirecard von Anfang 2018 bis Ende September 2020 bekannt. Das geht aus einer Auskunft des Bundesfinanzministeriums an den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler hervor, die dpa vorliegt.

106 Deals alleine im Juni

88 Geschäfte wurden 2018 abgewickelt, 137 im Jahr 2019. Im ersten Halbjahr 2020 stiegen die Deals auf 265, davon 106 im Juni - dem Monat, in dem Wirecard Insolvenz anmeldete und viele Aktionäre ihre Papiere in Panikverkäufen abstießen. Beteiligt waren insgesamt 85 Bafin-Mitarbeiter. Für Juli und August sind bislang nur fünf private Geschäfte mit Wirecard-Bezug bekannt.

Im ersten Halbjahr 2020 entfielen 2,4 Prozent aller gemeldeten privaten Finanzgeschäfte von BaFin-Mitarbeitern auf Geschäfte mit Wirecard-Aktien oder -Aktienderivaten, hatte die Nachrichtenagentur Reuters bereits vor einigen Wochen erfahren. Sie zitierte aus Antworten des Bundesfinanzministeriums auf einen Fragenkatalog der Grünen. Im Gesamtjahr 2018 lag der Anteil bei 1,2 Prozent, 2019 bei 1,7 Prozent.

FDP-Abgeordneter: "Erschütternd!"

Der FDP-Abgeordnete Schäffler erklärte: "Es ist erschütternd, was bei der Finanzaufsicht alles ans Tageslicht kommt. Ein Ende scheint hier nicht in Sicht." Die BaFin gehe mit Verhaltensregeln für die eigenen Mitarbeiter zu lasch um.

Die BaFin prüft derzeit private Börsengeschäfte ihrer Mitarbeiter, bei denen der Kurs von Wirecard eine Rolle spielte, also zum Beispiel Kauf oder Verkauf von Aktien des Unternehmens. Im Raum steht der Verdacht, dass Mitarbeiter der Finanzaufsicht einen möglichen Informationsvorsprung zum privaten Vorteil genutzt haben könnten.

Mitarbeiter dürfen keine Aktien mehr handeln

Die in der Kritik stehende Finanzaufsicht verbietet inzwischen ihren Beschäftigten bis auf weiteres bestimmte private Aktiengeschäfte, nachdem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) eine Verschärfung der internen Regelungen angekündigt hatte. Das Verbot orientiert sich am Verhaltenskodex für das BaFin-Direktorium und der Bundesbank.

Der inzwischen insolvente frühere Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Firma saß als Dienstleister für bargeldlose Zahlungen an Ladenkassen und im Internet an der Schnittstelle zwischen Händlern und Kreditkartenfirmen. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Um die politische Aufklärung bemüht sich ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages.

Gläubigerversammlung nächsten Mittwoch

Das Amtsgericht München hat die erste Gläubigerversammlung für Mittwoch und Donnerstag kommender Woche angesetzt, wie das Gericht am Freitag mitteilte. Dort wird Insolvenzverwalter Michael Jaffé berichten, wie sich die Lage aus seiner Sicht darstellt. Nach den bisherigen Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft könnte das Wirecard-Management kreditgebende Banken und Investoren mit Hilfe falscher Bilanzzahlen um über drei Milliarden Euro geprellt haben. Nicht eingerechnet sind dabei die immensen Kursverluste der Wirecard-Aktie. Und auch der in Untersuchungshaft sitzende Ex-Vorstandschef Markus Braun wird kommende Woche einen halböffentlichen Auftritt haben: Er soll im Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen.

nb/ dpa

Quelle: boerse.ard.de
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