Ein Flughafenmitarbeiter steht vor einem Flugzeug der Lufthansa. | Bildquelle: dpa

Folgen der Corona-Krise Lufthansa baut 29.000 Stellen ab

Stand: 06.12.2020 17:07 Uhr

Die vom Staat gerettete Fluggesellschaft hat in den letzten Monaten den Sparkurs verschärft und den Stellenabbau beschleunigt. Bis zum Jahresende wird gut jede fünfte Stelle gestrichen sein, bestätigte die Airline am Wochenende.

Zwar spürt die Lufthansa wieder eine steigende Reiselust der Deutschen zum Jahreswechsel. Die Nachfrage nach Flügen über Weihnachten und Silvester habe angezogen, sagte eine Sprecherin. Buchungen für die Kanareninseln Teneriffa und Fuerteventura hätten sich verdreifacht. Die Nachfrage nach Flugtickets nach Kapstadt in Südafrika und Cancún in Mexiko habe sich gar vervierfacht.

10.000 Stellenstreichungen auch im nächsten Jahr

Trotzdem bleiben wegen des Lockdowns in vielen Ländern zahlreiche Jets am Boden. Das stark reduzierte Flugangebot zwingt die Lufthansa zum Sparen. Im nächsten Jahr sollen in Deutschland weitere 10.000 Stellen abgebaut werden, hieß es am Wochenende.

Bis zum Jahresende werden 29.000 Jobs weggefallen sein, bestätigte eine Unternehmenssprecherin am Sonntag einen Bericht der "Bild am Sonntag". Übrig bleiben demnach noch 109.000 Mitarbeiter. Die meisten Stellen, nämlich mehr als 20.000 werden im Ausland gestrichen. Zudem hat die Airline kürzlich das Europageschäft der Catering-Tochter LSG mit 7.500 Mitarbeitern verkauft.

Jobabbau beschleunigt sich

Carsten Spohr
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Carsten Spohr, Vorstand Deutsche Lufthansa, HV 2020

Ende September zählte die Airline noch gut 124.500 Mitarbeiter. Seither sind massiv weitere Jobs abgebaut worden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte im November erklärt, dass im gesamten Konzern 27.000 Vollzeitstellen überflüssig seien, weil die Airline durch die Krise dauerhaft schrumpfen werde.

Wie andere Fluggesellschaften auch ist der Lufthansa-Konzern in der Corona-Krise wirtschaftlich abgestürzt. Nach neun Monaten hat das vom Staat gerettete Unternehmen im laufenden Jahr bereits einen Verlust von 5,6 Milliarden Euro angehäuft. Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht.

Tarifbeschäftigte verzichten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Die Lufthansa hat zu viel Personal an Bord für eine langfristig verringerte Nachfrage. Die Stellenzahl soll auf knapp 100.000 sinken, bevorzugt über Teilzeit und freiwillige Abgänge, aber auch über betriebsbedingte Kündigungen. Zudem müssen Beschäftigte Sparbeiträge leisten und etwa auf Teile ihres Einkommens verzichten. Am Freitag stimmten die Mitglieder der Gewerkschaft ver.di angeblich dem Krisenpaket mit der Lufthansa mehrheitlich zu. Gut 71 Prozent hätten für die Annahme der Vereinbarung votiert, wie aus einer Information der zuständigen ver.di-Tarifkommission hervorgeht, in die die Nachrichtenagentur Reuters Einsicht hatte.

Anfang November hatte sich die Gewerkschaft mit der Airline auf Personalkosteneinsparungen für rund 24.000 Tarifbeschäftigte am Boden geeinigt. Durch den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und auf Lohnerhöhungen bis Ende 2021 leisten die Beschäftigten einen Sparbeitrag von mehr als 200 Millionen Euro zur Bewältigung der Krise. Im Gegenzug verpflichtete sich die Lufthansa, für 2021 auf Kündigungen zu verzichten, so dass niemand vor April 2022 entlassen werden kann.

Konflikt mit Condor

Condor
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Condor

Nun droht auch noch Ärger mit Condor. Die Lufthansa hat zum Sommer ein langjähriges Abkommen über Zubringerdienste zu Condor-Langstreckenflügen gekündigt. Das bestätigten beide Seiten am Freitag. Nahtlose Gesamtreisen mit durchgechecktem Gepäck und nur einem Ticket wären damit für die Umsteiger unter den Condor-Gästen nicht mehr möglich, hieß es. Condor könnte dann eine Strecke wie beispielsweise Hamburg-Frankfurt-Jamaika nicht mehr wie bislang anbieten, weil sie die notwendigen Zubringerflüge nicht zu pauschalen Bedingungen bei der Lufthansa zubuchen könnte. Das könnte auch das Veranstaltergeschäft mit Pauschalreisen beeinflussen.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Dezember 2020 um 18:00 Uhr.

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