Lufthansa-Maschine des Typs Airbus A319 fliegt  | Bildquelle: picture alliance/dpa

Folgen der Rezession Muss die Lufthansa stärker schrumpfen?

Stand: 08.09.2020 13:14 Uhr

Corona sorgt bei der Lufthansa wohl für noch mehr Probleme als bislang angenommen. Die Flotte muss laut einem Medienbericht stärker verkleinert werden. Und auch bei der Belegschaft drohen größere Einschnitte.

Die Aktie der Lufthansa, die mittlerweile im MDax notiert, trudelte am Morgen deutlich im Minus stabilisiert sich derzeit aber bei 1,3 Prozent Verlust, unterhalb der Marke von neun Euro. Händler kommentierten einen aktuellen Bericht des "Handelsblatt" als "relativ defensiv". Auch andere Papiere im Sektor wie die des Triebwerkherstellers MTU und des Flugzeugbauers Airbus gaben nach.

Die Branche kommt inmitten der Corona-Krise nicht zur Ruhe, im Gegenteil: Geplante Kürzungen der Kapazitäten könnten nicht ausreichen: Die Lufthansa könnte ihre Flotte nach einem Zeitungsbericht wegen der nur langsamen Erholung von der Pandemie um erheblich mehr als 100 Flugzeuge verkleinern, schreibt die Zeitung.

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"Noch keine Beschlusslage"

Die Verkleinerung der ursprünglich rund 760 Flugzeuge großen Flotte der Lufthansa-Gruppe könne "erheblich" stärker ausfallen. "Es gibt noch keine Beschlusslage, ob und wie viel Flugzeuge mehr außer Dienst gestellt werden", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Lufthansa hatte schon vor Monaten den Abbau von 100 Flugzeugen angekündigt.

Seit Anfang August heißt es, "mindestens" 100 Maschinen müssten für immer stillgelegt werden. Der für das Passagiergeschäft verantwortliche Vorstand Harry Hohmeister hatte kürzlich dem "Spiegel" gesagt, die Lage sei mittlerweile kritischer, als vor zwei Monaten gedacht. Wie das "Handelsblatt" berichtet, werde die Airline bis zum Jahresende nur 40 Prozent statt der erhofften 60 Prozent der Vorjahreskapazität anbieten können. Zu der Zahl wollte sich der Lufthansa-Sprecher nicht äußern.

4.000 Stellen in Gefahr?

In der Folge könnte die Zahl der Stellen beim Kabinenpersonal abhängig von der weiteren Entwicklung im Luftverkehr statt um 2.700 um knapp 4.000 sinken, schreibt das "Handelsblatt". Ein Lufthansa-Sprecher sagte am Dienstag, in Sachen Personalabbau gebe es keine neuen Pläne. Es bleibe bei dem genannten Personalüberhang von 22.000 Vollzeitstellen im Konzern, was aufgrund der hohen Teilzeitquote etwa 26.000 Beschäftigten entspricht.

Die Lufthansa hat mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo zwar einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen vereinbart. Weil sich der Flugverkehr aber langsamer erholt als gedacht und die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit nicht vorankommen, hält es Vorstandschef Spohr seit Anfang August für nicht mehr realistisch, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Eine halbe Milliarde pro Monat

Das Management um Vorstandschef Carsten Spohr will mit dem Aufsichtsrat Ende September über eine Strategie zur Bewältigung der schweren Krise beraten, welche die Lufthansa nur mit neun Milliarden Euro Staatshilfe und einem Einstieg Deutschlands als größtem Aktionär überstehen kann. Dem "Handelsblatt" zufolge verbrennt die Lufthansa trotz der Hilfe durch Kurzarbeitergeld derzeit immer noch rund eine halbe Milliarde Euro pro Monat. Der Vorstand arbeite zwar daran, die Finanzierung auf neue Füße zu stellen, um die Staatshilfen wie geplant bis Ende 2023 zurückzuzahlen. Sollten keine privaten Kapitalgeber bereitstehen, lägen die Hoffnungen aber erneut auf dem Staat.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. September 2020 um 11:37 Uhr.

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