Satya Nadella | Bildquelle: picture alliance / newscom

Fünf Jahre Microsoft-Chef In Nadellas neuer Welt

Stand: 04.02.2019 16:31 Uhr

Microsoft-Chef Satya Nadella hat seit seiner Amtsübernahme vor fünf Jahren eine ganz klare Zukunftsstrategie: Microsoft soll als Plattformunternehmen etabliert werden. Die Strategie geht bislang auf. Und wo steht Deutschland?

Während viele alte Größen der IT-Industrie entweder längst vergessen oder auf dem absteigenden Ast sind, hat es Microsoft bis heute geschafft, an der Spitze zu bleiben. Noch immer zählt der Konzern nach Börsenwert zu den wertvollsten Unternehmen der Welt und kämpft derzeit mit Amazon um den Spitzenplatz. Zu verdanken hat Microsoft den Erfolg nicht zuletzt dem Chef Satya Nadella, der den Konzern seit 2014 leitet. Den Posten übernahm er seinerzeit vom Microsoft-Mitbegründer Steve Ballmer. Eine neue Generation ist am Ruder.      

Nadella kam zu dem Schluss, dass beispielsweise das Geschäft mit Bürosoftware und Betriebssystemen wie Windows vermutlich nicht bis in die ferne Zukunft trägt und begann mit der Umstrukturierung des Software-Giganten. Neben dem Cloud-Geschäft, bei dem Microsoft zu den Marktführern gehört, gibt es einen weiteren Megatrend: Die sogenannte Plattformökonomie.

Was sind digitale Plattformen?

Marktplattformen vermitteln zwischen Angebot und Nachfrage und funktionieren deshalb wie virtuelle Marktplätze. Die einen brauchen etwas, die anderen bieten es an: Kunden und Anbieter finden zusammen, die Plattform bestimmt die Regeln, sammelt die Kundendaten zwecks Optimierung des Netzwerkes und vermittelt gegen eine Gebühr. Je größer ein Netzwerk ist, desto attraktiver und bequemer ist es für die Kunden – und desto größer wird die Marktmacht des einzelnen Anbieters. Kritiker behaupten deshalb, es gäbe eine Tendenz zur Bildung von Monopolen, die Wahrscheinlichkeit eines „The Winner takes it all“ steige. Wie erfolgreich sind die Konkurrenzprodukte von Google, Amazon oder Facebook? Wer kennt neben Airbnb noch weitere erfolgreiche Vermittler von Unterkünften? „Die wachsenden Erfolge einiger großer digitaler Plattformen, ihr Zugriff auf große Datenmengen und veränderte Wertschöpfungsketten werfen die Frage auf, ob das Wettbewerbsrecht der digitalen Ökonomie gerecht werden kann“, lesen wir auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums zum Thema Netzpolitik. Wir sind gespannt auf die Antworten.

Microsofts Plattform-DNA

Die größten und erfolgreichsten Unternehmen der Plattform-Ökonomie stammen aus den USA. Amazon, Google, Apple oder Facebook sind berühmte Beispiele, die jeder kennt. Aus China kennen wir Alibaba oder Tencent. Auch der Fahrdienstvermittler Uber oder die Unterkunftvermittlung Airbnb gehören dazu - und Microsoft. Im Jahr 2016 übernahm Microsoft das Karrierenetzwerk Linkedin für 26 Milliarden Dollar, der größte Zukauf in der Geschichte des Unternehmens.

Im vergangenen Jahr schlug Microsoft erneut in diesem Bereich zu und kaufte die Softwareentwickler-Plattform Github für 7,5 Milliarden Dollar. Es war der größte Zukauf seit der Linkedin-Übernahme. Github ist eine technische Art von Plattform, bei der Entwicklerteams ihren Software-Code veröffentlichen und an gemeinsamen Projekten arbeiten. Github arbeitet mit einer quelloffenen Open-Source-Software. Nach eigenen Angaben verwenden mehr als 1,8 Millionen Unternehmen und Organisationen weltweit Github, darunter auch Schwergewichte wie Google, SAP, IBM und Facebook.

Airbnb-Chef Brian Chesky
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Airbnb-Chef Brian Chesky

In einem Interview, dass der Microsofts Chief Technology Officer Kevin Scott mit "Fortune" führte, sagte der ehemalige Linkedin Mitarbeiter: Wir haben die DNA eines Plattform-Unternehmens.       

"Bedeutung wird steigen"

Und was passiert in Deutschland? "Auch im industriellen Bereich gewinnen Plattformen zunehmend an Bedeutung", heißt es in einer aktuellen Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellt hat.  Vor allem im Bereich "Industrie 4.0" und dem "Internet der Dinge" spielen Plattformen eine Rolle.   

Fast alle Unternehmen rechnen laut einer Befragung des IW „mit einer zunehmenden oder zumindest gleichbleibenden Bedeutung von Plattformen bei der Unterstützung der Kundenbindung, von Kooperationen der Prozess- und Produktentwicklung sowie bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen. "Plattformen sind eine zentrale Infrastruktur für digitale Ökonomien und ihre Bedeutung für die Unternehmen sowie die gesamte Volkswirtschaft wird steigen", lautet das Fazit der Studie.

Das Optimieren von Prozessen

Microsoft Factory
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Microsoft Factory: Das "Internet der Dinge"

Das haben einige Unternehmen natürlich erkannt: Zusammen mit der Software AG gründeten der Werkzeugmaschinenmacher DMG Mori, der Lackieranlagenbauer Dürr und der Optikspezialist Zeiss im Jahr 2017 eine Plattform namens Adamos. Dort können Maschinenbauer unter eigener Marke ihren Kunden Applikationen etwa für Wartungsdienste oder Zubehörverkauf anbieten, ohne alles selbst entwickeln zu müssen oder sich von externen Softwareanbietern abhängig zu machen.

Siemens setzt für das sogenannte Internet der Dinge“ (IoT) auf das eigene "Mindsphere"-Betriebssystem. "Mindsphere" sammelt Daten aus Maschinen und anderen Geräten, wertet die Informationen aus und entwickelt daraus für die Unternehmen, die daran angeschlossen sind, Vorschläge zur Beschleunigung der Produktion oder zur Optimierung von Prozessen.

ts

Quelle: boerse.ard.de
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