Mohammed bin Salman

Treffen in Wien OPEC unter Zugzwang

Stand: 05.12.2019 06:45 Uhr

Das Öl-Kartell OPEC steht unter Druck: Eine Ausweitung der Fördermengenkürzungen muss jetzt her. Sonst droht ausgerechnet zum Börsengang von Saudi-Aramco ein Ölpreissturz.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Der Öl-Krimi geht in die nächste Runde. Das OPEC-Treffen am 5. und 6. Dezember in Wien verspricht Spannung pur – und dürfte für Heizölverbraucher wie Autofahrer weitreichende Folgen haben. Schließlich hat es sich das Ölkartell zum Ziel gesetzt, die Weltmarktpreise für Erdöl mit einer knappen Förderung hoch zu halten.

Im laufenden Jahr ist ihm das auch leidlich gelungen. Der Preis für die Benchmark-Sorte Brent hat seit Jahresbeginn rund zehn Prozent zugelegt. 2018 war er noch um knapp 20 Prozent eingebrochen.

2020 droht eine Ölschwemme

Seit 1. Januar 2019 ist die aktuelle Vereinbarung zur Begrenzung der Fördermenge in Kraft. Sie sieht vor, dass die OPEC-Staaten und die mit ihr verbündeten Länder (OPEC+) die Ölproduktion um insgesamt 1,2 Millionen Barrel pro Tag senken.

OPEC Gesamtförderung
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Laut IEA fördert die OPEC immer noch zu viel

Doch das Abkommen läuft im März 2020 aus. Und schon Anfang 2020 droht eine gewaltige Ölschwemme, warnt die Internationale Energieagentur. Laut der IEA fördert die OPEC aktuell 1,7 Millionen Barrel pro Tag mehr, als in der ersten Hälfte 2020 benötigt wird.

Saudi-Arabien "not amused"

Vor diesem Hintergrund wächst am Markt die Skepsis: Eine bloße Verlängerung der aktuellen Fördermengenkürzung könnte womöglich zu wenig sein, um einen Einbruch der Ölpreise zu verhindern.

Doch wer sollte die Last einer zusätzlichen Förderkürzung tragen? Zuletzt war es vor allem Saudi-Arabien, das sein Soll übererfüllte – andere Länder förderten hingegen deutlich mehr Öl als vereinbart. So hat Russland in acht von elf Monaten das vereinbarte Produktionsziel überschritten.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Angeblich will Saudi-Arabien die OPEC+ davon überzeugen, die Ölproduktion im ersten Halbjahr 2020 um weitere 400.000 Barrel pro Tag zu reduzieren. Die Produktionskürzungen würden sich dann auf insgesamt 1,6 Millionen Barrel pro Tag belaufen.

Russische Energiekonzerne laufen Sturm

Doch Experten wie Rohstoff-Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank hegen große Zweifel, dass es Saudi-Arabien gelingen wird, die anderen Länder davon zu überzeugen. "Selbst die Zustimmung zu einer Verlängerung der bisherigen Kürzungsmaßnahmen scheint mittlerweile fraglich", betont Fritsch mit Blick auf Russland.

Der russische Energieminister Alexander Nowak erklärte jüngst, sein Land würde es vorziehen, erst im April über eine mögliche Verlängerung der Kürzungen zu entscheiden. Nowak ist selbst ein Getriebener, starker Widerstand kommt von den großen russischen Energiekonzernen wie Gazprom und Lukoil.

Der neue "Sultan of Oil"

Vladimir Putin
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Russischer Präsident und Öl-Sultan: Wladimir Putin

Doch ohne den Verbündeten Russland geht bei der OPEC gar nichts – zieht Russlands Präsident Putin nicht mit, droht ein Scheitern des Wiener Treffens. Nicht umsonst wird Putin in Expertenkreisen auch gerne als der neue "Sultan of Oil" bezeichnet.

Um einen Preissturz zu verhindern, müsste somit Saudi-Arabien in die Bresche springen. Die im Raum stehenden 400.000 Barrel pro Tag an zusätzlichen Kürzungen wird Saudi-Arabien "größtenteils allein stemmen müssen", vermutet Rohstoff-Experte Fritsch.

"Es würde mich nicht wundern, wenn die Saudis ihre Fördermenge noch weiter kürzen", betont auch John Kilduff von der New Yorker Anlageberatungsfirma Again Capital, die sich auf Rohstoffinvestments spezialisiert hat.

Rekord-Börsengang mischt mit

Saudi Aramco
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Saudi-Aramco - der weltgrößte Börsengang steht unmittelbar bevor

Dazu hätten die Saudis auch allen Grund: Zeitgleich zum OPEC-Meeting in Wien geht nämlich der Rekord-Börsengang von Saudi-Aramco in die heiße Phase. Am Donnerstag werden der endgültige Ausgabepreis für die Aktien und die Bewertung des größten Ölkonzerns der Welt offiziell bekannt gegeben.

Einbrechende Ölnotierungen würden da schlecht ins Bild passen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das OPEC-Treffen am Markt. Entsprechend hoch ist aber auch das Enttäuschungspotenzial. So sieht Citigroup-Energieexperte Eric Lee in erster Linie Abwärtsrisiken für den Ölpreis im Nachgang des OPEC-Meetings. Vor allem Russland könnte querschießen und das Abkommen gar komplett beenden.

Ölpreis
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Gute Nachrichten für Autofahrer?

Fakt ist: Alles, was unterhalb einer Ausweitung der Förderkürzungen bleibt, dürfte mit Blick auf den für das kommende Jahr erwarteten Angebotsüberschuss zu einem stärkeren Kursverfall führen.

Aus Verbrauchersicht wäre dieses Szenario freilich nicht das Schlechteste: Ein Ölpreisverfall so kurz vor den Weihnachtstagen und Winterferien – es gibt schlechtere Geschenke.

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Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2019 um 08:35 Uhr.

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