Der neue Opel Corsa im Test

Autobauer Rüsselsheim Opel setzt auf neuen Corsa

Stand: 04.06.2019 11:54 Uhr

Knapp zwei Jahre nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern stellen die Rüsselsheimer heute den neuen Opel Corsa vor. Vom Erfolg des Kleinwagens hängt die Zukunft der deutschen Marke ab.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Beim neuen Opel Corsa darf nichts schief gehen. Oder um es mit den Worten von PSA-Chef und Charles-Darwin-Fan Carlos Tavares zu sagen: "Entweder wir passen uns an. Oder wir sterben." Tavares gilt als harter, aber erfolgreicher Sanierer. Unter seiner Patronage muss sich die deutsche Marke Opel neu aufstellen, ihre Profitabilität anpassen an das höhere Niveau der Franzosen. Der Kleinwagen Corsa spielt dabei eine zentrale Rolle.

Ein Hesse mit französischen Eltern

Seit 1982 am Markt und seither über 13 Millionen mal verkauft, erscheint jetzt die sechste Generation. Knapp zwei Jahre nach der Übernahme durch den PSA-Konzern (Peugeot, Citroën, DS) stellt Opel heute am Stammwerk in Rüsselsheim den neuen Corsa vor. Es ist das erste Modell der deutschen Marke auf der neuen Kompakt-Plattform aus Frankreich.

Opel Corsa e
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Der vollelektrische Opel Corsa e soll 2020 zu den Händlern rollen

Französische Gene hin oder her: Vor allem beim Fahrwerk sollte der Corsa so wenig französisch werden wie möglich. Eine auf deutschen Autobahnen antrainierte Dynamik war das erklärte Ziel der Opel-Techniker – auch um sich vom technisch verwandten Peugeot 208 abzusetzen.

"Germanness" als Verkaufsargument

Der neue Opel Corsa ist zudem ein ganz bewusst gesetzter Kontrapunkt zum SUV-Trend. Die Komfortbedürfnisse einer älter werdenden Kundschaft wie etwa eine hohe Sitzposition stehen hier nicht im Vordergrund. Das neue Modell ist fünf Zentimeter flacher als sein Vorgänger. Zudem sitzt man drei Zentimeter tiefer hinterm Lenkrad.

PSA-Chef Carlos Tavares
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Räumt auf bei Opel: PSA-Chef Carlos Tavares

Unterm Strich versuchen die Rüsselsheimer so, an die alten, eher sportlichen Tugenden der Marke Corsa anzuknüpfen und sich so zu profilieren. Eine Strategie, bei der Opel auf die volle Unterstützung von Tavares hoffen kann. Der PSA-Konzernchef schätzt an den Opel-Autos ihre "Germanness" – diesen "typisch deutschen" Stil, der sich auch in der großen Welt gut verkaufen lässt.

Opel unter PSA wieder eine Erfolgsgeschichte

Tatsächlich fanden Autos der Marke Opel zuletzt wieder verstärkt Abnehmer. 2018 erwirtschaftete Opel einen Umsatz von 18,3 Milliarden Euro und schrieb erstmals seit 20 Jahren wieder schwarze Zahlen. Das operative Jahresergebnis betrug 859 Millionen Euro – das beste Ergebnis in der 157-jährigen Geschichte des Unternehmens.

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Ein Erfolg, den sich auch Opel-Chef Michael Lohscheller auf seine Fahnen schreiben kann. Unter dem Druck von PSA-Chef Tavares legte der deutsche Manager Ende 2017 einen radikalen Restrukturierungsplan namens "Pace" vor. In der Folge senkte Opel seine Produktionskosten um 367 Millionen Euro. Der Anteil der Lohnsumme am Umsatz fiel von 15,2 auf 12,6 Prozent - das Ergebnis von Lohnverzicht und Stellenabbau über ein Abfindungsprogramm sowie Altersteilzeit.

Das teutonische Anhängsel von Peugeot?

Peugeot Opel
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In Sachen Effizienz hat Peugeot Opel noch einiges voraus

Von der Effizienz der französischen Schwestermarken sind die Opelaner freilich noch weit entfernt: Bei Peugeot lag der entsprechende Anteil zuletzt bei nur 9,7 Prozent. Schafft es Opel allerdings diese Kennziffer plangemäß bis 2021 auf 10,0 Prozent zu drücken, dürfte das die Rolle der Opel-Manager innerhalb der PSA-Gruppe stärken.

Davon dürften auch die Opel-Techniker profitieren, deren Unabhängigkeit Lohscheller stets verteidigt hat: "Unser Engineering ist und bleibt Kern von Opel." Alle künftigen Opel-Modelle sollen in Rüsselsheim entwickelt werden. Opel will so mit aller Macht verhindern, künftig nur noch das teutonische Anhängsel von Peugeot und Citroën zu werden.

Am Corsa wird Opel gemessen

Doch dass dieser Wunsch der Rüsselsheimer in Erfüllung geht, ist keineswegs ausgemacht. Für Opel gilt nämlich: Ohne Profitabilität keine Zukunft. Das hat PSA-Chef Tavares in seiner unnachahmlich direkten Art mehrfach deutlich gemacht.

Der neue Corsa ist jetzt ein wichtiger Prüfstein, wie die neuen Opel-Modelle auf PSA-Basis beim Kunden ankommen. Wird der neue Corsa mit seinen "deutschen Tugenden" zum Erfolg, kann Opel auch innerhalb des PSA-Konzerns selbstbewusster und selbstständiger auftreten. Mit dem Corsa steht und fällt Opel.

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Das ist der neue Opel Corsa

Opel Corsa

Französische Gene
Beim neuen Corsa werkelt ein 1,2 Liter großer Turbo-Dreizylinder unterm Blech, je nach Version mit mageren 75 bis munteren 130 PS. Auch ein 1,5 Turbodiesel mit 100 PS ist verfügbar. Der Corsa trägt damit ganz klar die Gene des Peugeot 208 in sich. Die Erlkönig-Abdeckung will Opel erst in ein paar Tagen lüften.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Juni 2019 um 11:42 Uhr.

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