Türkische Lira  | Bildquelle: REUTERS

Minus drei Prozent im Schlussquartal Türkische Wirtschaft schrumpft kräftig

Stand: 11.03.2019 17:48 Uhr

Die neuesten Zahlen des türkischen Statistikamtes haben es in sich: Im vierten Quartal ging die Wirtschaftsleistung der Türkei um drei Prozent zurück - und die Aussichten für das laufende Jahr sind nicht gerade rosig. Das sind schlechte Nachrichten für die türkische Regierung vor den Kommunalwahlen Ende März.

Die türkische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2018 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen, wie die türkische Statistikbehörde (Tüik) mitteilte.

Im Schlussquartal ließ vor allem die lange boomende Baubranche Federn: Sie schrumpfte um 8,7 Prozent, während es in der Industrie um mehr als sechs Prozent nach unten ging. Auch die privaten Haushalte hielten sich merklich zurück und signalisierten mit einem Ausgabenrückgang von rund neun Prozent eine Schwäche des Binnenkonsums.

Hohe Inflation, bestenfalls schwaches Wachstum

Laut der Statistikbehörde lag das Wachstum im vergangenen Jahr insgesamt bei 2,6 Prozent. Im Vorjahr hatte es trotz der politischen Turbulenzen nach dem Putschversuch von Juli 2016 noch 7,4 Prozent erreicht. Im Sommer war die türkische Währung inmitten einer diplomatischen Krise mit den USA stark eingebrochen. In der Folge war die Inflation in die Höhe geschnellt.

Für die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Präsident Recep Tayyip Erdogan kommen die Daten vor den Kommunalwahlen am 31. März ungelegen. Die Türken leiden seit Monaten unter der hohen Inflation von zuletzt knapp 20 Prozent. Um der Preissteigerung bei Lebensmitteln zu begegnen, hat die Regierung städtische Verkaufsstände für verbilligtes Gemüse eingerichtet.

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Und die Aussichten sind relativ bescheiden: Die Rating-Agentur Moody’s rechnet für das laufende Jahr mit einem Schrumpfen des BIP um zwei Prozent. Mit einem Plus von 0,4 Prozent ist die Schätzung des IMF zwar optimistischer, aber es droht zumindest Stillstand. Türkische Bürger haben zuletzt das Vertrauen in die Lira verloren und legen ihre Ersparnisse in Fremdwährungen an.

In der vergangenen Woche hatte die türkische Notenbank den Leitzins unverändert bei 24 Prozent gelassen. „Obwohl die Geldpolitik in der Türkei im Vergleich zu den Standards in den USA, im Vereinigten Königreich oder in der EWU kaum als unabhängig bezeichnet werden kann, scheint die Bekämpfung des weiterhin erhöhten Preisdrucks ganz oben auf der Agenda der Zentralbank und von Präsident Erdogan zu stehen“, kommentierte die DZ Bank.

ts  

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichteten am 11. März 2019 Deutschlandfunk um 10:00 Uhr in den Nachrichten und MDR aktuell um 15:39 Uhr.

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