Antrag Riester

Institut für Altersvorsorge Ist die Riester-Rente noch zu retten?

Stand: 09.05.2019 15:51 Uhr

Zu kompliziert, renditeschwach und teuer. Die Riester-Rente hat 17 Jahre nach ihrer Einführung keinen guten Ruf. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat ein Konzept zur "Reparatur" von Riester vorgelegt.

Entwicklung der Zahl der Riesterverträge
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Entwicklung der Zahl der Riesterverträge bis Dezember 2018

Die Statistik in Sachen Riester spricht eine deutliche Sprache: Die Bundesbürger sind "Riester-müde". Im Jahr 2018 ging die Zahl der bestehenden Riester-Verträge erstmals seit der Einführung der staatlich geförderten Riester-Rente zurück (siehe Grafik).

Nur Wohn-Riester läuft noch

Entwicklung der Zahl der Riesterverträge
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Entwicklung der Zahl der Riesterverträge, 2002 - 2018 (Q2)

Vor allem Versicherungsverträge, aber auch Banksparpläne auf Riester-Basis werden rückabgewickelt. Lediglich "Wohn-Riester" hatte in den vergangenen Jahren noch nennenswerte Zuwächse zu verzeichnen, aber auch hier hat die Zahl der Neuverträge deutlich nachgelassen (siehe Grafik 2). Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales geht zudem davon aus, dass rund ein Fünftel dieser Verträge schlicht nicht mehr bedient werden.

Weiterhin erreicht Riester nur einen Teil der deutschen Bevölkerung, die bislang angesparten Beträge reichen selbst bei den fleißigen Riestersparern, die seit 2002 in die Verträge einzahlen, kaum aus, um die viel beschworene Rentenlücke zu schließen.

Keine Reform vor 2020 in Sicht

Die Bundesregierung hat zwar die Rentenkommission damit beauftragt, Vorschläge zur Reformierung der Riester-Rente zu erarbeiten. Das Expertengremium soll allerdings erst im März 2020 seinen Bericht vorlegen, bis Verbesserungen am bestehenden System greifen, kann es damit noch Jahre dauern.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat nun Vorschläge zu einer "Revitalisierung" der Riester-Rente vorgelegt, die auch die Politik und Experten eifrig diskutieren können.

Obligatorisch oder "Opt-out"

Im Zentrum der Empfehlungen des Instituts steht die Frage, ob Riester derzeit nicht schon deshalb in Misserfolg ist, weil zu wenige Bundesbürger diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge überhaupt nutzen. Bei 16,5 Millionen Verträge sind 2019 weite Teile der Bevölkerung komplett außen vor, die Rentenlücke kann so nicht flächendeckend geschlossen werden. Das wäre nur erreichbar, wenn "Riestern" obligatorisch wäre. Zumindest eine "Opt-out-Regel" wäre zwingend, so die Experten, dabei müssten die Bürger aktiv dem Riester-Sparen widersprechen.

Ranking der Anbieter und Produkte

Auch die mangelnde Transparenz über Produkte und Anbieter kreiden die DIA-Fachleute dem Riester-Sparen an. Ein entsprechendes Ranking, in dem Kosten, Renditen oder Risiken von Bank-Sparplänen, Versicherungslösungen, Fondsangeboten oder Wohn-Riester aktuell und übersichtlich enthalten sind, könnte hier Abhilfe schaffen und das Vertrauen der Verbraucher ins Riester-Sparen erhöhen.

Flexible Kapitalgarantie

Heutige Riester-Produkte sind alle mit einer Beitragsgarantie ausgestattet, der Vorsorgesparer muss bei Rentenantritt also mindestens auf die eingezahlten Beiträge zugreifen können. Diese Sicherheit kostet aber Geld und Rendite, denn die Sparanteile, die in den Aktienmarkt fließen können, sind damit begrenzt. Der Vorschlag des DIA lautet entsprechend, eine individuelle Beitragsgarantie einzuführen. Wer lange in einen Riestervertrag spart oder bewusst ein höheres Risiko eingehen will, wäre damit fast immer besser bedient.

Zulagen nur für Geringverdiener

Das System der staatlichen Zulagen bei Riester stellen die Forscher grundsätzlich infrage. Nur die Hälfte der Sparer bekommt derzeit die volle Zulage, ein Fünftel weniger als die Hälfte. Dazu kommen häufige Rückforderungen von bereits gezahlten Zulagen, etwa wenn ein Kind die Ausbildung beendet und keine Kinderzulage mehr erhält. Ein bürokratischer Riesenaufwand, so das Argument. Daher sollten nur Geringverdiener überhaupt noch eine staatliche Zulage erhalten.

Wohnförderkonto: aufwändig und ungerecht

Viel Bürokratie und wenig Vertrauen stiftet aus Sicht der Forscher auch das "Wohnförderkonto" beim noch recht beliebten Wohn-Riestern. Bei einer Entnahme der Ersparnisse zu Wohnzwecken wird ein "fiktives" Förderkonto angelegt, die entnommenen Mittel werden pauschal mit zwei Prozent jährlich verzinst und belasten dann nach Rentenantritt die Kasse des Riester-Sparers. Ungerecht und viel zu aufwändig, lautet hier das Urteil.

Rentenerwartungen auch für Riester

Um Transparenz und Information geht es schließlich auch bei einer weiteren Forderung der Experten: So solle es regelmäßige Meldungen über alle Säulen des Rentensystems für die Sparer geben. Nicht nur die erwartete gesetzliche Rente, sondern auch die aktuellen Rentenansprüche aus Riester-Verträgen sollten diese enthalten. Wer als Vorsorgesparer jederzeit weiß, welche Altersbezüge ihn erwarten, der dürfte deutlich motivierter sein, mehr für sein Alter vorzusorgen, auch per Riester.

AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 13. April 2019 um 12:00 Uhr.

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