Spirituosen

Boomender Spirituosenmarkt Ein Hoch auf Hochprozentiges

Stand: 17.01.2020 06:30 Uhr

Alkohol bleibt auch in Zeiten eines gewachsenen Gesundheitsbewusstseins im Trend. Dabei freuen sich besonders Gin und Whisky wachsender Beliebtheit - sehr zur Freude der Spirituosenhersteller.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Dass Gin nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den Ländern des europäischen Festlands auf dem besten Weg ist, eine der beliebtesten Spirituosen zu werden, zeigt ein Blick auf das Angebot von Amazon, dem weltgrößten Onlinehändler.

Der bietet seit vergangenem Herbst auch eine eigene Gin-Marke an. Damit dürfte das Unternehmen von Jeff Bezos genau den Zeitgeist treffen, denn Gin und Gin Tonic sind derzeit echte Modegetränke an Deutschlands Bartresen. Inzwischen gibt es das Wacholdergetränk nicht nur aus England, sondern aus aller Herren Länder, selbst aus Deutschland und Spanien.

Boomender Gin-Absatz

Weltweit wird der Gin-Umsatz für das abgelaufene Jahr auf 12,4 Milliarden Euro geschätzt. Prognosen zufolge dürften es im Jahr 2023 bereits etwa 14,7 Milliarden Euro sein.

Und nicht nur Gin ist beliebt, der gesamte Spirituosenmarkt boomt: Weltweit legt der Umsatz kräftig zu. Schätzungen zufolge sollen die Kunden allein für Whisky in vier Jahren 100 Milliarden Dollar ausgeben, nach 55 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Auch Tequila ist ein Hype

Doch auch Wodka, Rum und Tequila erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. So sorgte bereits 2017 Hollywood-Star George Clooney für Aufmerksamkeit, als bekannt wurde, dass er seine Tequila-Marke "Casamigos" an den weltgrößten Spirituosenhersteller Diageo verkauft hat. Die für Johnnie Walker-Whisky, Smirnoff-Wodka und Guinness-Bier bekannte Firma blätterte dafür eine Milliarde Dollar auf den Tisch.

150 Whisky-Brennereien in Deutschland

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Ein Klassiker aus Japan: Bill Murray wirbt im Film "Lost in Translation" für Suntory Whisky

Dabei kommt Whisky längst nicht mehr nur aus Schottland oder den Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Branchenverbandes BSI haben sich hierzulande rund 150 Brennereien der Herstellung von Whisky verschrieben. Nach Schätzungen, die vom BSI in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt erstellt wurden, entfielen im Jahr 2017 rund zehn Prozent des deutschen Spirituosenmarktes auf das Segment Whisky. Das entspreche einer Menge von mehr als 70 Millionen Flaschen à 0,7 Liter.

Die Produzenten müssen allerdings zahlreiche Auflagen erfüllen. In der Europäischen Union muss der Getreidebrand drei Jahre lang im Holzfass reifen, bevor er Whisky heißen darf. Schnelles Geld lässt sich damit also nicht machen – langfristig kann man aber einen guten Ertrag erzielen.

Diageo und Pernod Ricard dominieren

Ein Boom, an dem die weltweit führenden Hersteller Diageo aus Großbritannien und Pernod Ricard aus Frankreich kräftig mitverdienen wollen. Branchenführer Diageo setzte im vergangenen Jahr umgerechnet 15 Milliarden Euro um und erzielte damit einen Gewinn von 4,7 Milliarden Euro.

Auch die Nummer zwei der Branche, Pernod Ricard, hat sich längst vom Anis- zu einem weltweit agierenden Spirituosenanbieter mit über 30 Marken entwickelt. Im Geschäftsjahr 2019 erzielte das Pariser Unternehmen einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro und einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro.

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Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Hersteller von Absolut Vodka, Havana Club Rum und Jameson Whiskey mit einem weiteren Umsatzanstieg von fünf bis sieben Prozent. Im Fokus stehen dabei die beiden Länder mit einer aufstrebenden Mittelschicht: Indien und China. In diesen Ländern sind die Einnahmen bereits im vergangenen Jahr um jeweils 20 Prozent gestiegen.

Volatiles Geschäft

Den Aktionären von Diageo bescherte der Boom bis Mitte vergangenen Jahres steigende Vermögenswerte. Seitdem ist die Aktie zwar etwas gefallen, ist aber immer noch fast doppelt so teuer wie noch vor fünf Jahren. Einen ähnlich steilen Verlauf nahm auch die Pernod Ricard-Aktie: Sie konnte ihren Wert seit Oktober 2014 beinahe verdoppeln. Zudem können sich die Aktionäre über eine stetig steigende Dividende von zuletzt 3,12 Euro freuen.

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Die weltweite Nummer drei der Branche, Bacardi, ist bis heute ein Familienunternehmen. Der Rumspezialist mit einem geschätzten Jahresumsatz von gut sieben Milliarden Dollar hält die Rechte an rund 200 Marken, darunter dem Gin Bombay Sapphire, dem Wodka Grey Goose oder dem Wermut Martini.

Dass die großen Hersteller so breit aufgestellt sind, hat mit der Volatilität der Branche zu tun. Das bedeutet: die Geschmäcker ändern sich derart schnell, dass auch Fachleute oft nicht wissen, welche Brände demnächst im Trend liegen. Aufgrund dessen investieren die Marktführer in verschiedenste Produkte, um möglichst jeden Geschmack und jede Mode ihrer Kunden bedienen zu können.

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Das sind die wichtigsten Promille-Firmen

Diageo Whisky-Marken

Diageo
Unangefochtener Marktführer des weltweiten Spirituosenmarkts ist der britische Konzern Diageo, Besitzer von Johnnie-Walker-Whisky, Smirnoff-Wodka oder Guinness-Bier sowie des George Clooney-Tequilas Casamigos. Der Aktienkurs hat sich in fünf Jahren verdoppelt. Das Unternehmen erzielte 2019 einen Jahresumsatz von umgerechnet 15 Milliarden Euro.

Quelle: boerse.ard.de
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