TeamViewer

Deutsche Software-Firma Teamviewer geht an die Börse

Stand: 25.09.2019 18:33 Uhr

In diesem Jahr hat sich bislang kaum ein neues Unternehmen an die Börse gewagt. Das ändert sich nun. Heute stürmte die schwäbische Software-Firma Teamviewer aufs Parkett, hatte allerdings in einem schwachen Gesamtmarkt ein schwieriges Debüt.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Den meisten Menschen hierzulande dürfte der Name Teamviewer völlig unbekannt sein. Dabei hat das Unternehmen schon vielen Computernutzern geholfen, deren Rechner abgestürzt war. Die Software von Teamviewer hilft den Service-Hotline-Mitarbeitern, das Problem per Fernschalte zu beheben.

Beliebte Software zur Fernwartung von Computern

Dank der Fernsteuerungs-Software "made in Göppingen" lassen sich Vor-Ort-Besuche von Technikern vermeiden und mehrere Geräte in der Industrie 4.0 miteinander vernetzen. Kosten und Personal werden eingespart. Wichtigster Markt sind die USA. Mehr als die Hälfte aller US-Unternehmen der Forbes 500-Liste verwenden oder verwendeten die Software von Teamviewer, behaupten die Schwaben stolz. Sie wurde nach Firmen-Angaben bereits auf mehr als zwei Milliarden Geräten weltweit installiert.

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Die zunehmend beliebte Software treibt das Geschäft der Göppinger Software-Schmiede kräftig an. 2018 kletterte der Umsatz um ein Viertel auf 230 Millionen Euro. Für dieses Jahr wird laut dem Börsenprospekt ein Wachstum von bis zu 39 Prozent auf 320 Millionen Euro erwartet.

Profitabel im ersten Halbjahr

TeamViewer-Pilot
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TeamViewer-Pilot

Der britische Finanzinvestor Permira hat das 2014 für 870 Millionen Euro übernommene Unternehmen auf Profitabilität getrimmt. Im ersten Halbjahr 2019 schaffte Teamviewer den Sprung in die schwarzen Zahlen und erwirtschaftete einen Gewinn von 46 Millionen Euro.

Aktien rutschen unter Ausgabekurs

Nun macht Permira Kasse. Die Briten geben bis zu 84 Millionen Aktien aus - für 26,25 Euro. Damit liegt das Emissionsvolumen bei stolzen 2,2 Milliarden Euro.

Der erste Börsenkurs lag exakt auf dem Ausgabepreis. Zunächst zog die Aktie leicht an, ehe sie in einem schwachen Gesamtmarkt zeitweise bis auf 24,80 Euro sank. Mit 25,30 Euro schloss das Papier letztlich klar unter seinem Ausgabepreis. Die Aktien des Softwareanbieters würden von vielen Anlegern als relativ teuer eingeschätzt, sagte ein Händler.

ARD-Börse: Teamviewer ist an der Börse

26.09.2019 07:47 Uhr

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Es ist das größte IPO dieses Jahres in Europa - und der größte Börsengang eines deutschen Hightech-Unternehmens seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, als Infineon mit viel PS und Glamour aufs Frankfurter Parkett strömte. Selbst das IPO von Rocket Internet 2014 war um 0,6 Milliarden Euro kleiner.

Das schwäbische Einhorn

Zum Ausgabepreis wird Teamviewer nun mit 5,25 Milliarden Euro bewertet. Damit ist die Göppinger Software-Firma ein Einhorn. Das sind junge Unternehmen, die vor ihrem Börsengang mindestens eine Milliarde Euro mehr wert sind. Zu den bekanntesten Einhörnern zählen Uber und Airbnb.

TeamViewer
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TeamViewer-App

Zwar seien die Teamviewer-Aktien nicht gerade ein Schnäppchen, meinen die Analysten. Schließlich würde das Unternehmen mit dem 13-fachen des Umsatzes und dem 23-fachen Ebitda bewertet. Zudem ist das Hightech-Unternehmen hoch verschuldet mit mehr als 754 Millionen Euro. Von den Erlösen des Börsengangs fließt nichts an die Firma, sondern ausschließlich an den Hauptaktionär Permira.

Kandidat für den MDax?

Andererseits habe Teamviewer "eine aussichtsreiche Zukunft in den Segmenten, in denen es tätig ist", lobt Analyst Mirko Maier von der Landesbank Baden-Württemberg. Insofern sei die hohe Bewertung gerechtfertigt. Maier hält Teamviewer gar für einen möglichen MDax-Aspiranten.

Tatsächlich könnten die Schwaben für Furore an der Börse sorgen. Studien zufolge entwickeln sich die Aktien von Firmen, die mit Gewinnen an die Börse gehen, besser als die, die rote Zahlen schreiben. So notieren die profitablen Börsenneulinge Knorr-Bremse und Siemens Healthineers über dem Ausgabekurs.

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Die Teamviewer-Konkurrenten aus den USA sind bereits an die Börse gegangen. Dazu zählen Zoom Video, Okta und Slack.

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Hoffen auf Ende der IPO-Flaute

IPO-Experten erhoffen sich vom größten Börsengang des Jahres in Deutschland neuen Schub. Bisher wagte sich 2019 erst eine Handvoll Firmen aufs Parkett, darunter Traton, die Lkw-Tochter von VW. Die "Brummi"-Aktie erwies sich bislang als Flop. Sie dümpelt zehn Prozent unter ihrem Ausgabeniveau.

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Die größten deutschen Börsengänge

T-Online Börsengang 17.04.2000

T-Online
Vom Börsenzettel inzwischen verschwunden ist T-Online. Die Internet-Tochter der Deutschen Telekom wurde im Jahr 2000 an die Börse gebracht - zu einem Volumen von rund drei Milliarden Euro. Mit der virtuellen Werbefigur Robert T-Online wurden zahlreiche Kleinanleger angelockt, doch die Internet-Aktien gerieten schnell in den Crash des Neuen Markts.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. September 2019 um 12:41 Uhr.

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