Tesla Model Y

Elon Musk in Berlin Tesla offen für Fusionen

Stand: 02.12.2020 18:38 Uhr

Tesla-Chef Elon Musk zeigt sich offen für Zusammenschlüsse mit Konkurrenten. Doch welcher der alteingesessenen deutschen Autobauer könnte es mit einem Unternehmen aufnehmen, das mehr wert ist als sie alle zusammen?

Bei seinem Besuch in Berlin, wo er am Abend mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet wurde, zeigte sich Tesla-Chef Elon Musk bestens gelaunt - und offen für eine Partnerschaft seiner E-Auto-Firma mit einem anderen Hersteller.

Tesla-Chef Elon Musk
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Tesla-Chef Elon Musk - der Milliardär gehört zu den reichten Menschen der Welt

"Sollte jemand denken, dass es eine gute Idee ist, mit Tesla zu fusionieren, werden wir sicherlich dieses Gespräch führen", sagte Musk. Dass Tesla selbst aktiv werde und eine feindliche Übernahme starten könnte, schloss Musk aus.

In einer anderen Liga

Dabei mangelt es Tesla nicht am nötigen Kleingeld, um selbst einen Autogiganten wie Volkswagen schlucken zu können. Denn beim Börsenwert spielen die Kalifornier längst in einer anderen Liga.

So wird Tesla derzeit mit 450 Milliarden Euro bewertet, mehr als die deutschen Autobauer zusammen. Das gibt Musk viel Spielraum, um Tesla-Aktien als Akquisitionswährung zu nutzen. So ist VW aktuell rund 78 Milliarden Euro wert, Daimler gut 60 Milliarden Euro und BMW fast 45 Milliarden Euro.

Der Irrtum von Daimler

Wie radikal sich die Machtverhältnisse geändert haben, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. 2009, also vor gerade einmal elf Jahren, war Tesla ein unbekanntes Start-Up, und Musk stand mit seiner Idee eines Elektroautos kurz vor der Pleite. Aus der Patsche half ihm damals ausgerechnet Daimler.

Die Schwaben investierten 50 Millionen Euro und bekamen dafür 9,1 Prozent an Tesla. Für Daimler damals eine geradezu lächerliche Summe. Doch der Einstieg ermöglichte den Deutschen Einblicke in das Treiben der Amerikaner.

Wirklich überzeugt von der Zukunft der E-Autos waren sie nicht. Denn mit dem Börsengang von Tesla 2014 stiegen sie wieder aus. Was für ein Irrtum: Heute wäre der damalige Anteil fast so viel wert, wie der gesamte Daimler-Konzern auf die Waage bringt. Trotzdem erklärte der langjährige Daimler-Chef Dieter Zetsche noch im letzten Jahr, er bereue den damaligen Ausstieg bei Tesla nicht. Es habe sich lediglich um eine Finanzbeteiligung gehandelt, eine komplette Übernahme hätte keinen Sinn ergeben.

Fragile Börsenbewertung

Nun agiert Musk aus einer Perspektive der Stärke heraus. Deshalb hat er keine Mühe, sich offen für Fusionen zu zeigen; weiß er doch, dass derzeit keiner der traditionellen Autohersteller das nötige Geld besitzt, um einen Konkurrenten wie Tesla übernehmen zu können.

Allerdings ist Musk Realist genug um zu wissen, wie fragil die hohe Börsenbewertung seines Unternehmens ist. In einer von der Agentur Bloomberg veröffentlichten internen E-Mail rief der Tesla-Chef seine Mitarbeiter zu Sparsamkeit auf - auch mit Blick auf den Aktienkurs.

Musk verwies unter anderem darauf, dass Tesla derzeit noch seinen Gewinn durch den Verkauf von CO2-Emissionsrechten aufbessere, während das eigentliche Kerngeschäft wenig Geld verdiene.

"Zerquetscht wie ein Soufflé"

"Die Anleger geben uns einen Vorschuss auf künftige Profitabilität. Aber wenn sie beschließen sollten, dass es nicht dazu kommt, wird unsere Aktie sofort zerquetscht - wie ein Soufflé von einem Vorschlaghammer", zitiert Bloomberg aus Musks Mail. Um die Tesla-Fahrzeuge günstiger zu machen, "müssen wir smarter bei den Ausgaben werden", betonte er. Musk hatte einen Tesla zum Preis von 25.000 Dollar in drei Jahren in Aussicht gestellt.

Mit der Fertigstellung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin werde er mehr Zeit in Deutschland verbringen, sagte Musk. Die Firma will in dem Werk vom kommenden Sommer an bis zu 500.000 Elektroautos pro Jahr bauen. Zudem stellte Musk jüngst in Aussicht, dass Teil der Fabrik mit der Zeit auch die weltgrößte Batteriefertigung sein werde.

Zur Entscheidung, das europäische Tesla-Werk bei Berlin anzusiedeln, habe unter anderem relativ erschwinglicher Wohnraum beigetragen, sagte Musk. Das Werk soll rund 12.000 Beschäftigte haben.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Dezember 2020 um 09:39 Uhr.

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