Helm mit Logo von Thyssenkrupp | Bildquelle: dpa

Insiderberichten zufolge Thyssenkrupp bläst wohl Aufspaltung ab

Stand: 10.05.2019 14:00 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Der Industriekonzern Thyssenkrupp sagt seine geplante Aufspaltung in zwei Teile ab. Auch die geplante Stahl-Fusion mit Tata ist vom Tisch - sehr zur Freude der Aktionäre. Doch die geänderte Strategie kostet auch Arbeitsplätze.

Nun also doch: Die Konzernaufspaltung von Thyssenkrupp sowie die Fusion der Stahlsparte mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel Europe kommen nicht. Stattdessen erwägt Konzernchef Guido Kerkhoff eine Verschlankung der Holding-Struktur. Dazu soll die Aufzugssparte an die Börse gebracht werden, teilte der Dax-Konzern am Freitagvormittag mit.

Der geplanten Restrukturierung des Konzerns sollen in den nächsten drei Jahren rund 6.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen, zwei Drittel davon in Deutschland. Da es sich um "tiefgreifende Einschnitte" handele, könnten betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Stellenstreichungen auch in der Stahlsparte

Auch die Stahlsparte steht vor einer Umstrukturierung. Die Lage der Branche sei aktuell schlecht, sagte Kerkhoff. Im Zuge des geplanten Zusammenschlusses mit dem europäischen Stahlgeschäft von Tata Steel hatte der Konzern bereits den Abbau von 2.000 Stellen angekündigt, die auch in dem neuen Restrukturierungsplan enthalten seien, so Kerkhoff.

Grund für den Strategieschwenk ist die Erwartung, dass die EU-Kommission das Joint Venture mit Tata Steel Europe nicht genehmigen wird. Die Absage der Transaktion hatte sich bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet, nachdem die EU-Wettbewerbshüter Ende April ihre Prüffrist für die Stahlfusion noch einmal um sieben Arbeitstage verlängert hatten. Damit mehrten sich die Anzeichen für eine Blockade.

Börse 12.00 Uhr: Neue Pläne für Thyssenkrupp begeistern

10.05.2019 18:20 Uhr

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Tatsächlich hat die erneute Befragung die Bedenken der Kommission nicht ausräumen können, obwohl die Partner weitere signifikante Zugeständnisse angeboten hatten, heißt es in der Mitteilung von Thyssenkrupp. Weitere Zusagen oder Nachbesserungen würden aus Sicht der beiden Unternehmen die angestrebten Synergieeffekte in einem Umfang beeinträchtigen, dass ein Joint Venture nicht mehr wirtschaftlich wäre. "Folglich gehen Thyssenkrupp und Tata davon aus, dass die Europäische Kommission das Joint Venture nicht genehmigen wird", so die Konzerne in einer Mitteilung.

Kein Interesse an Zukäufen

Die Brüsseler Behörde befürchtete zuletzt vor allem bei Stahlzulieferungen an die Automobilindustrie Beeinträchtigungen des Wettbewerbs. Auch bei metallbeschichtetem Verpackungsstahl, der etwa bei Konservendosen genutzt werde, gab es Bedenken.

Weitere Kursinformationen zu Thyssenkrupp

Doch das Interesse an Zukäufen von Unternehmensteilen eines fusionierten Stahlkonzerns hielt sich in Grenzen. Der österreichische Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine hat kürzlich abgewunken. Es gebe kein Interesse an Zukäufen im Stahlbereich, sagte der scheidende Konzernchef Wolfgang Eder Ende April.

B5 Börse vom 6.5.: Zweifel an geplanter Stahlfusion

10.05.2019 18:20 Uhr

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Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp
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Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp

Wegen der drastisch gesunkenen Nachfrage nach Stahl, vor allem aus der Autoindustrie, galt ein Verkauf von Unternehmensteilen zuletzt als schwierig. Auch die Arbeitnehmervertreter von Tata Steel Europe übten scharfe Kritik an dem Fusionsvorhaben. Die gegenüber der EU-Kommission gemachten Zusagen für eine Freigabe der Pläne verstärkten die Besorgnis, dass es sich nicht um eine Partnerschaft unter Gleichen handele, teilte der Europäische Betriebsrat mit.

Jahresprognose kassiert

Das abgesagte Joint Venture hat neben dem Stellenabbau auch gravierende finanzielle Auswirkungen. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs wird die Stahlsparte wieder in den Konzern eingegliedert.

Das wird die Bilanz belasten. Im laufenden Geschäftsjahrs 2018/19 erwartet der Konzern nun - inklusive des Stahlbereichs - ein bereinigtes Ebit von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro. Der Free Cash Flow vor M&A wird negativ im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet.

Verlust erwartet

Beim Jahresüberschuss erwartet der Konzern einen Verlust. Die angepasste Konzernprognose wird Thyssenkrupp mit dem Bericht zum zweiten Quartal am 14. Mai 2019 veröffentlichen.

An der Börse kommen die Nachrichten über das Scheitern früheren Aufspaltungspläne gut an. Die Aktie schießt zeitweise über 18 Prozent in die Höhe und ist damit der mit Abstand größte Gewinner im Dax.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Mai 2019 um 11:00 Uhr in der Wirtschaft.

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