Die taiwanesische Schauspielerin Dee Hsu an einem Tiffany's-Stand

China beflügelt Nachfrage Neue Kundschaft für Tiffany

Stand: 28.08.2018 06:45 Uhr

Einst träumte Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" von Juwelen des Luxuskonzerns. Heute sind es zunehmend Chinesen, die den Schmuck kaufen. Doch der Handelsstreit könnte einen Dämpfer geben.

Von Notker Blechner, boerse.ard.de

Die Szene mit Audrey Hepburn alias Holly Golightly aus dem Filmklassiker "Frühstück bei Tiffany" machte den New Yorker Edeljuwelier weltberühmt: Im Morgengrauen fährt Hepburn mit dem Taxi an der Fifth Avenue entlang und steigt bei Tiffany aus, wo sie im schwarzen Givenchy-Kleid und mit aufgesetzter Sonnenbrille den Schmuck im Schaufenster bewundert. Aus einer kleinen Papiertüte kramt sie ein Croissant sowie einen Kaffee heraus und genießt das Frühstück im Stehen vor der noblen Adresse von New York.

Audrey Hepburn 1961 in "Breakfast at Tiffany's"
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Audrey Hepburn 1961 als Holly Golightly in "Breakfast at Tiffany's"

Frühstück bei Tiffany nun im Blue Box Café

Heute braucht niemand mehr vor dem Tiffany-Store zu frühstücken. Seit Ende letzten Jahres hat das Unternehmen ein eigenes Café: das "Blue Box Café" im vierten Stock. Viele New Yorker und Touristen, die schon immer davon geträumt haben, bei Tiffany zu frühstücken, können für 29 Dollar Kaffee, Croissants, Obst, Lachs-Bagel, Trüffeleier, Avocado-Toast und Waffeln bestellen. Der Andrang ist groß. Das Café hat nur 40 Sitzplätze.

Mit dem gastronomischen Angebot will der New Yorker Edeljuwelier mehr Kundschaft in seinen Flagship-Store bringen. Denn der Store macht gut zehn Prozent der Verkäufe von Tiffany & Co. aus. Im Weihnachtsgeschäft 2016 litt er unter den Sicherheitsvorkehrungen rund um den nahegelegenen Trump Tower, dem zweiten Zuhause von US-Präsident Donald Trump.

Flagship Store soll moderner werden

Künftig soll der 1940 eröffnete Flagship-Store neue jüngere Zielgruppen anlocken. Dafür wird er ab dem Frühjahr 2019 aufwändig für geschätzte 250 Millionen Dollar renoviert. Zeitweise wird das Geschäft von Tiffany in das Nachbargebäude, den Niketown Store, verlagert.

Noch macht Tiffany fast die Hälfte seines Umsatzes im amerikanischen Heimatmarkt. Doch der Anteil der asiatischen Kunden wird immer größer. Im ersten Quartal trieben vor allem die Chinesen die Nachfrage. Die Verkäufe in Asien zogen um 28 Prozent an. Weltweit stieg der Umsatz um 15 Prozent auf eine Milliarde Dollar.

Tiffany Blue Box Café
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Tiffany Blue Box Café

Chinesen beflügeln die Nachfrage

Die Lust der Chinesen auf Luxus steigt wieder. Nachdem sie sich 2015 und 2016 zurückgehalten hatten, kauften sie im vergangenen Jahr wieder 12 Prozent mehr Luxusgüter ein, hat die Beratungsfirma Bain & Co herausgefunden. Mittlerweile kommt nach Schätzung von Bain & Co ein Drittel der Luxusgüter-Nachfragen von chinesischen Kunden.

Besonders die Millennials, die zwischen 1981 und 1996 geboren wurden, und die Generation Z, die bis 2010 zur Welt kam, werden als Zielgruppe für die Luxusbranche immer wichtiger. Laut dem Luxus-Nachrichtendienst Luxury Daily sind bereits 48 Prozent der chinesischen Luxusgüter-Käufer unter 30 Jahre alt. Bis 2025 dürften die Generation Z und die Millennials weltweit die Hälfte des Umsatzes in der Branche ausmachen.

Kooperation mit Alibaba

Die jungen chinesischen Kunden kaufen zunehmend übers Internet edlen Schmuck und wertvolle Uhren. Deshalb ist Tiffany mit dem führenden chinesischen Online-Händler eine Partnerschaft eingegangen. Auf dem Luxus-Pavillon der Alibaba-Plattform bietet der New Yorker Edeljuwelier seit kurzem eine exklusive China-Kollektion an.

Der Verkauf im Reich der Mitte gewinnt zunehmend an Bedeutung angesichts des schwelenden Handelsstreits zwischen China und den USA. Noch sind zwar US-Luxusprodukte nicht von höheren Importzöllen betroffen. Aber die Zahl der chinesischen Touristen, die zum Shopping nach New York kommen, ist zuletzt spürbar zurückgegangen.

Tiffany's
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Tiffany's-Schachtel mit Schleife

Analysten warnen vor sinkender Kaufkraft der Chinesen

Experten befürchten, dass allerdings auch in China bald die Lust auf Tiffany-Produkte abflauen könnte - wegen der schwächeren Währung Renminbi. Im Sog des chinesisch-amerikanischen Handelsstreits und der Lira-Krise hat die Währung im Reich der Mitte seit Jahresbeginn gut fünf Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Mehrere Analysten haben deshalb den Daumen gesenkt. Oppenheimer senkte seine Bewertung für die Aktie von "Outperform" auf "Market Perform". Und die Bank of America Merrill Lynch strich kürzlich Tiffany aus ihrer Top-Buy-Liste.

Die Aktien des New Yorker Edeljuweliers stiegen auf Ein-Jahres-Sicht um gut 50 Prozent und erreichten mit 141,64 Dollar ein Rekordhoch. Besonders die Zahlen zum ersten Quartal sorgten für einen kräftigen Kursschub. Auch andere Luxus-Aktien wie LVMH, Kering und Hermès waren begehrt.

Quelle: boerse.ard.de
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