Tom Tailor

Übernahmeangebot für Modekette Tom Tailor soll chinesisch werden

Stand: 19.02.2019 09:27 Uhr

Der chinesische Mischkonzern Fosun will die Modekette komplett übernehmen. Bei Tom Tailor liefen die Geschäfte zuletzt nicht gut, besonders die Tochter Bonita sorgte für schwache Ergebnisse.

Fosun hatte am Montagabend erklärt, Tom Tailor komplett übernehmen zu wollen. Der Großaktionär, der kurz zuvor seine Beteiligung von 29 auf 35 Prozent ausgebaut hatte, bietet 2,26 Euro je Aktie, was einer Bewertung von rund 96 Millionen Euro für das Hamburger Unternehmen entspricht. Die Übernahmeunterlagen müssen noch von der Finanzaufsicht BaFin geprüft werden.

"Vertrauensbeweis in eingeschlagenen Kurs"

Tom Tailor kämpfte zuletzt mit einer Reihe von Problemen und steckte vor allem wegen der Marke Bonita tief in den roten Zahlen. Fosun ist seit 2014 an Tom Tailor beteiligt. Mit dem Geld, das die Übernahme und die vorgeschaltete Erhöhung der Beteiligung einspielt, will man nun vor allem Bonita weiter voranbringen. Laut Vorstandschef Heiko Schäfer bedeutet die Übernahme einen "wichtigen Schritt auf diesem Weg". Dass Fosun diese anstrebt, betrachtet das Unternehmen als "Vertrauensbeweis in unseren eingeschlagenen Kurs".

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Sollten alle Aktionäre ihre Anteile im Rahmen der Übernahmeofferte anbieten, müsste Fosun weitere etwas mehr als 60 Millionen Euro zahlen. Für Anleger bedeutet die Übernahme einen kleinen Aufschlag von fünf Prozent auf den Kurs der Aktie Ende vergangener Woche. Für den vorgeschalteten Ausbau der Beteiligung auf 35 Prozent mussten die Chinesen knapp neun Millionen Euro aufwenden. Diese Kapitalerhöhung soll bis zum 22. Februar abgeschlossen werden.

Bonita belastet

Tom Tailor hatte zunächst im vergangenen September und danach noch einmal im Dezember vor einer schwachen Geschäftsentwicklung gewarnt. Abschreibungen und höhere Rückstellungen für drohende Verluste aus Bonita-Stores führten dazu, dass das operative Ergebnis (Ebitda) und das Jahresergebnis des Konzerns belastet werden. Zudem verringert die schlechtere Entwicklung von Bonita im vierten Quartal das operative Ergebnis zusätzlich.

Das vergangene Jahr 2017 hatte Tom Tailor noch mit Rekordergebnissen abgeschlossen. Nach Steuern hatte der Konzern 17,1 Millionen Euro verdient. Im Jahr zuvor allerdings war auch schon ein Verlust von 73 Millionen Euro aufgetürmt worden.

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Schwierige Branche

Tom Tailor teilt die schwache Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre mit dem Branchenkonkurrenten Gerry Weber. Der musste Ende Januar sogar Insolvenz anmelden, Gespräche mit kreditgebenden Banken waren zuvor gescheitert.

Mit Fosun an der Seite könnte Tom Tailor dieses Schicksal erspart bleiben. Das Unternehmenskonglomerat aus China ist in der Regel an langfristigen Engagements interessiert. In Deutschland hatte der Konzern im Jahr 2015 etwa die Privatbank Hauck & Aufhäuser übernommen.

AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2019 um 12:41 Uhr in der Wirtschaft.

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