Dollarnoten vor einer US-Fahne | Bildquelle: dpa

Bilanz der US-Banken Goldene Zeiten für Amerikas Banker

Stand: 13.04.2018 14:45 Uhr

Während die hiesigen Banken noch immer unter schwächelnden Zahlen leiden, stehen die Geldhäuser in den USA vor dem besten Quartal seit der Finanzkrise. Wie ist das möglich?

Von Lothar Gries, boerse.ard.de

Die größte US-Bank JPMorgan Chase dürfte heute einen Anstieg ihres Gewinns pro Aktie um fast 40 Prozent auf mindestens 2,28 Dollar verkünden. Für die gesamte Branche erwarten Experten dank der US-Steuerreform einen Anstieg der Eigenkapitalrendite auf 14,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hat zuletzt eine negative Eigenkapitalrendite von 1,2 Prozent erwirtschaftet.

Und glaubt man den jüngsten Aussagen von Jamie Dimon, dem JPMorgan-Chef und einem der schillerndsten Vertreter des amerikanischen Bankengewerbes, steht die Branche vor weiter steigenden Renditen. Selbst 17 Prozent Gewinn auf das eingesetzte Kapital dürften in seinem Haus schon bald möglich sein - so viel wie in den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise.

Von Altlasten befreit

Wie das möglich ist? Die US-Banken haben nach der Finanzkrise ihre Risiken radikal reduziert - auch dank der kräftigen Hilfe des Staates, der zeitweise bei den Konzernen eingestiegen war, um sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Von Altlasten befreit, profitieren die Banken nun von einem Mix aus gestiegenen Zinsen, hochvolatilen Märkten sowie gesunkenen Steuern dank der von Präsident Trump durchgesetzten Reform. Befeuert werden die Geschäfte zudem von einer gut laufenden Wirtschaft, die den Banken besonders bei Fusionen und Übernahmen kräftig gestiegene Einnahmen und Provisionen beschert.

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Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co.

Im Fokus steht dabei JPMorgan-Chef Dimon. Ihm ist es gelungen, den Wert der größten amerikanischen Bank seit Ausbruch der Finanzkrise zu vervierfachen. Entsprechend prächtig hat sich auch das eigene Vermögen des inzwischen 62-jährigen Bankmanagers entwickelt. Mit einem Gehalt von 81.000 Dollar pro Tag gehört Dimon zu den Top-Verdienern unter den Bank-Bossen.

Spitzenverdiener Jamie Dimon

Nach Informationen des "Wall Street Journals" verdiente der JPMorgan-Chef im letzten Jahr 29,5 Millionen Dollar und damit 364 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Das bedeutet, dass Dimon an nur einem einzigen Arbeitstag soviel verdient wie ein durchschnittlicher Angestellter des Geldhauses im ganzen Jahr. Zugleich ist Dimon, dessen Gehalt um gut fünf Prozent zulegte, auch der Topverdiener unter den Vorstandschefs der sechs größten Banken in den USA.

Allerdings ist Dimons Vergütung selbst für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlich hoch. Selbst der zuletzt wegen seines Gehalts in die Kritik geratene Citigroup-Chef Michael Corbat musste sich im vergangenen Jahr mit 23 Millionen Dollar begnügen - von den in Europa gezahlten Gehältern ganz zu schweigen. So erhielt der kürzlich ausgeschiedene Chef der Deutschen Bank, John Cryan, 2017 ein Fixgehalt von 3,4 Millionen Euro. Wegen des erneuten Jahresverlusts verzichtete er jedoch auf seinen Bonus. Allerdings hat er Medienberichten zufolge Anspruch auf rund neun Millionen Euro an Abfindung und Altersversorgung.

Doch zurück zu Dimon. Als bemerkenswert gilt, dass sich der Manager inzwischen seit über zwölf Jahren an der Spitze von JPMorgan hält - eine an der Wall Street ungewöhnlich lange Zeit. Zuletzt hat es etwa John Stumpf von Wells Fargo erwischt, den ein Skandal um fingierte Konten den Job gekostet hat.

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Kein Abgang in Sicht

Institute wie die Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley haben ihre Führung bereits vor geraumer Zeit ausgewechselt. Dimons letzter Rivale aus Europa, Brady Dougan, musste seinen Posten an der Spitze der Credit Suisse bereits 2015 räumen. Die Deutsche Bank hat seit Beginn der Woche bereits den dritten Chef in sechs Jahren. Übrig aus der alten Garde ist nur Lloyd Blankfein von Goldman Sachs, der im Juni auch schon seit zwölf Jahren die Geschicke der Investmentbank leitet. Allerdings scheinen seine Tage auf dem Chefsessel gezählt. Insider wollen wissen, dass er Anfang kommenden Jahres von David Salomon abgelöst wird.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein
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Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Dimon dagegen denkt noch nicht ans Aufhören. Trotz seiner noch nicht besiegten Erkrankung - er leidet nach eigenen Angaben an Kehlkopfkrebs - ließ er im Januar seinen Vertrag noch einmal bis 2023 verlängern.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. April 2018 um 17:10 Uhr.

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