Ein US-Dollar-Schein und ein Yen-Schein sind bedeckt von Mini-Landesflaggen von China und den USA. | Bildquelle: REUTERS

Verkauf von US-Anleihen Chinas zahnlose Drohgebärde

Stand: 19.06.2019 13:59 Uhr

Chinesen und Japaner sind die größten Geldgeber der Vereinigten Staaten. Doch seit Monaten trennt sich besonders China von US-Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Kann Peking damit Druck auf Donald Trump ausüben, um ihn zu einem Kompromiss im Zollstreit zu zwingen?

Tatsächlich hat China in den vergangenen zwölf Monaten amerikanische Staatsanleihen, Treasury Bonds genannt, im Wert von 69 Milliarden Dollar verkauft. Allein im März trennte sich die Volksrepublik von Bonds im Wert von 20,45 Milliarden Dollar, wie aus Daten des US-Handelsministeriums hervorgeht. Auch im April ging der Ausverkauf weiter. Im Schnitt der vergangenen zwölf Monate ist der Bestand um monatlich 7,5 Milliarden Dollar gesunken.

Hat China damit den USA im laufenden Handelskonflikt gedroht und mit seinen Bond-Beständen eine wirksame Waffe in der Hand? Ersteres wahrscheinlich schon, Letzteres eher nicht. Auch wenn sich die Verkäufe in den vergangenen Monaten beschleunigt haben, hält sich das Volumen doch in Grenzen, angesichts des gigantischen Bestands Chinas an amerikanischen Staatsanleihen im Wert von zuletzt 1,1 Billionen Dollar. Damit ist die Volksrepublik der größte Gläubiger der USA. Sollte der Verkauf der Bonds im Rhythmus der vergangenen zwölf Monate weitergehen, würde es zwölf Jahre dauern, um den Bestand auf Null zu reduzieren.

Japan bald größter Gläubiger

Angesichts dieser Dimensionen ist die Möglichkeit Chinas, den Anleiheverkauf als Drohung gegenüber den USA einzusetzen, bescheiden. Dies gilt umso mehr, als das Volumen von amerikanischen Schuldtiteln, die vom Ausland gehalten werden, sich auf 6,43 Billionen Dollar summiert.

Hinzu kommt: Die Chinesen haben keine Mühe, Käufer für die US-Bonds zu finden. So ist Japan mit einem Bestand an US-Anleihen im Wert von 1,06 Billionen Dollar im Begriff, China als größten Gläubiger abzulösen. Insgesamt befinden sich amerikanische Staatsanleihen über 16 Billionen Dollar im Umlauf.

Verkäufe bleiben ohne Wirkung

Die hohen Bestände der Chinesen sind eine Folge der Exportüberschüsse des Landes. Die Volksrepublik legt diese zu einem großen Teil in Dollar an, der Leitwährung der Weltwirtschaft. Wichtigstes Instrument dabei sind die als sicher geltenden US-Staatsanleihen, auch wenn sie nur geringe Renditen abwerfen.

Es kann also nicht überraschen, dass die Anleiheverkäufe Chinas für Aufsehen sorgen. Auf die Kurse der US-Staatsanleihen sind die Verkäufe bisher aber ohne Folgen geblieben. Im Gegenteil. Wegen der von der amerikanischen Notenbank in Aussicht gestellten Senkung des Leitzinses ist der Wert der Staatsanleihen sogar gestiegen. Entsprechend geschrumpft sind die Renditen.

Damit sind die Auswirkungen der Verkäufe auf die Kapitalkosten in Amerika komplett verpufft. Für die Unternehmen oder die Hausbesitzer hat der Rückgang der chinesischen US-Bestände bislang keinerlei Auswirkungen. Und glaubt man den Experten, wird das auch so bleiben.

Warum den wichtigsten Kunden schwächen?

Denn China könne kein Interesse daran haben, seinen größten Kunden zu schwächen oder gar in eine Rezession zu stürzen. Denn leidet die US-Wirtschaft, bekommt das auch China als größter Exporteur zu spüren. Ebenso würde sich im Fall eines beschleunigten Ausstiegs der Wert der US-Anleihen weiter verringern, womit sich China wiederum selbst schaden würde, weil die Einnahmen durch die Verkäufe kleiner ausfallen würden.

Verlöre zudem der Dollar an Wert, würden amerikanische Exporte auf dem Weltmarkt günstiger. Im dem Fall wäre Peking gezwungen, seine eigene Währung Renminbi zu verteidigen, um eigene Waren nicht zu verteuern. Trumps Motto: "America first" - weniger importieren, mehr exportieren - würde eine solche Lage in die Hände spielen.

Weitere Kursinformationen zu US-Dollar in Renminbi Yuan

Wollte China also die Vereinigten Staaten schwächen, könnte es zu viel einfacheren Mitteln greifen - allen voran einer Abwertung des Renminbi. Doch letztlich zeigt der Zollstreit auch, wie eng die einzelnen Volkswirtschaften miteinander verbunden sind. Weniger Wachstum in China oder den USA träfe sehr rasch auch Europa und die ganze Welt.

lg

Quelle: boerse.ard.de
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