Wasserstoff

Konkurrenz durch Elektroautos Haben Wasserstoffautos eine Chance?

Stand: 13.12.2019 06:45 Uhr

Vor fünf Jahren startete Toyota den Verkauf des ersten Brennstoffzellenautos, das auch in nennenswerten Stückzahlen produziert wird. Doch inzwischen dominieren ganz klar Elektroautos die Schlagzeilen. Sind Wasserstoff-Autos damit ein Auslaufmodell?

Am 15. Dezember 2014 brachte der japanische Autokonzern Toyota mit dem Mirai sein erstes Serien-Brennstoffzellenauto auf den Markt. Im September 2019 rollte der 10.000ste Mirai vom Band.

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Eigentlich spricht viel für wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge (kurz: FCEV – Fuel Cell Electric Vehicle). Autofahrer können die Fahrzeuge in wenigen Minuten betanken -  und damit vergleichbar schnell wie gewöhnliche Autos mit Verbrennungsmotoren. Einmal gefüllt, stehen den Autofahrer bei den meisten Modellen Reichweiten von rund 500 bis 700 Kilometern zu Verfügung.

Kaum Tankstellen

Allerdings muss man erst einmal eine Wasserstoff-Tankstelle finden. Derzeit stehen gerade einmal gut 100 Wasserstoff-Tankstellen zur Verfügung - rund 70 sind derzeit außer Betrieb oder in Planung. Angesichts der geringen Nachfrage nach Wasserstoff und von Baukosten, die schnell einmal die Schwelle von einer Million Euro überschreiten könnten, ist das wenig überraschend.

Viele Ladesäulen

Deutlich besser sieht es bei der Zahl der öffentlichen Ladesäulen für batterieelektrische Autos (BEV) aus. Nach Zahlen des Energieverbandes BDEW gibt es aktuell 23.840 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Und viele weitere sind geplant. Dazu findet am Freitag ein Spitzentreffen von Bundesregierung und Energiebranche zum Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos statt.

Allerdings dauert das Laden von Elektroautos derzeit noch deutlich länger. Doch Besserung ist in Sicht. Es werden zunehmend Schnelladestationen gebaut, an denen E-Autofahrer mit einer Ladeleistung von bis zu 350 Kilowatt in einer Viertelstunde Strom für mehrere hundert Kilometer Reichweite "tanken" können.

Was bei der Diskussion über die Vor- und Nachteile von Wasserstoff- und Elektroautos gerne vergessen wird: Auch bei Wasserstoffautos handelt es sich um Autos mit einem Elektromotor. Klassische Elektroautos beziehen ihre Energie aus dem Batteriespeicher. Bei Wasserstoff wird der Strom erst im Fahrzeug durch eine chemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle produziert. Danach wird der Strom in den Elektromotor eingespeist. Daher brauchen Wasserstoffautos auch keine teuren und schweren Batterien - höchstens kleine Stromspeicher, um Lastspitzen abzufedern.

Wasserstoffautos sind ineffizient

Doch es ist sehr energieaufwändig und nicht besonders effizient, Wasserstoff herzustellen, zu Wasserstofftankstellen zu liefern und in der Brennstoffzelle zu verbrauchen.

Professor Maximilian Fichtner, Experte für elektrochemische Energiespeicherung der Universität Ulm, beziffert den Wirkungsgrad eines Brennstoffzellenfahrzeugs nur auf 15 Prozent, wenn man die Herstellung von Wasserstoff, den Transport und den Verbrauch in den Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen mitrechnet. Das bedeutet, dass nur 15 Prozent der ursprünglichen Energiemenge auch in Vortrieb umgesetzt wird. Laut Fichtner liegt der Wirkungsgrad bei batterieelektrischen Autos bei 70 Prozent. Das bedeutet, man benötigt fast die fünffache Energiemenge zum Betrieb von Brennstoffzellenautos.

Deutlich aufwändiger ist es allerdings, batterieelektrische Autos zu produzieren. Denn für die Akkus werden zum Teil teure Rohstoffe benötigt - allen voran Lithium und Kobalt.

Wie knapp sind Kobalt und Lithium wirklich?

Einige Beobachter glauben, dass die Knappheit dieser Rohstoffe wesentliche Produktionssteigerungen von Elektroautos in Zukunft verhindern könnte. Allein der Volkswagen-Konzern hat angekündigt, 60 Milliarden Euro in Elektromobilität und Digitalisierung investieren und bis 2029 rund 26 Millionen Elektroautos verkaufen zu wollen.

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Doch Entwarnung gibt es von der amerikanischen Geologiebehörde U.S. Geological Survey (USGS). Nach ihren Schätzungen dürften die weltweiten Reserven von Kobalt und Lithium rund 150 beziehungsweise 50 Jahre reichen - bei einer gleichbleibenden Förderung. Doch die Behörde schätzt die weltweiten Ressourcen, die im Laufe der Zeit noch erschlossen werden könnten, sogar auf das vier- beziehungsweise 17-Fache der Reserven.

Toyota fällt um

Diese eher günstigen Aussichten scheinen auch Toyota beeindruckt zu haben. So hat der bisher größte Verfechter der Brennstoffzellentechnologie eine eigene Plattform für elektrische Fahrzeuge ab dem kommenden Jahr angekündigt.

Mal sehen, ob der Spätstarter mit seinen Modell an den Marktführer Tesla herankommen wird. Denn der bietet jetzt schon das Model S mit einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern an und hat einen Roadster mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern angekündigt.

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Es scheint, als habe der Markt bereits sein Urteil über Wasserstoffautos gefällt.

ME

1/5

Diese Wasserstoffautos kann man schon fahren

Toyota Mirai

Toyota Mirai
Der Toyota Mirai ist der weltweite Bestseller unten den Brennstoffzellenfahrzeugen. Innerhalb von fünf Jahren wurden gut 10.000 Fahrzeuge produziert. Der Mirai verfügt über einen Elektromotor mit 155 PS und eine Reichweite von 500 Kilometern. Der Listenpreis liegt in Deutschland bei 78.600 Euro.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2019 um 06:49 Uhr.

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