Zahlungsdienstleister Wirecard | Bildquelle: AFP

Verbot von Leerverkäufen BaFin stoppt Wirecard-Spekulanten

Stand: 18.02.2019 07:00 Uhr

Die Finanzaufsicht BaFin hat nach den jüngsten Kursturbulenzen bei Wirecard ein Verbot von neuen Leerverkäufen in Aktien des Zahlungsabwicklers ausgerufen. Auch ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den FT-Journalisten. Die Aktie reagiert mit einem satten Aufschlag.

Im Handel notierten die Wirecard-Aktien zwölf Prozent im Plus. Dieser überraschende Schritt sei äußert positiv für die arg gebeutelten Aktien, sagte ein Händler. Vor Beginn der jüngsten Talfahrt infolge der 'FT'-Artikel hatten die Aktien noch fast 170 Euro gekostet. Zuletzt pendelten sie um die 100 Euro.

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Ab sofort ist es untersagt, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien von Wirecard einzugehen oder bestehende Netto-Leerverkaufspositionen zu erhöhen, teilt die BaFin heute mit. Das Verbot, mittels Leerverkäufe auf fallende Aktienkurse zu setzen, gelte bis zum 18. April.

Markus Braun
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Markus Braun, CEO Wirecard

Die BaFin befürchtet durch die jüngsten Kursausschläge bei Wirecard in Folge von Medienberichten über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten bei dem Zahlungsabwickler "eine ernstzunehmende Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland"."In der derzeitigen Situation besteht das Risiko, dass die Verunsicherung des Marktes zunimmt und sich zu einer generellen Marktverunsicherung ausweitet", betonte die BaFin.

Ermittlungen eingeleitet

Zudem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren gegen einen Journalisten der „Financial Times“ eingeleitet hat. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Uns liegt eine konkrete Strafanzeige eines Anlegers vor.“  Die Münchner Strafverfolger ermitteln gegen den Journalisten "wegen Vergehens nach dem Wertpapierhandelsgesetz.“

Der Staatsanwaltschaft liegt zudem die brisante Aussage eines sogenannten Leerverkäufers vor. Der Zeuge soll zugegeben haben, er sei vorab darüber informiert worden, wann die „Financial Times“ über Wirecard berichten würde.

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle bei Wirecard sind Berichte der "Financial Times" ("FT") über mögliche Bilanzmanipulationen in der Wirecard-Niederlassung in Singapur. Der Finanzkonzern weist die Vorwürfe als haltlos zurück und kündigte rechtliche Schritte gegen die Zeitung an. In der Vergangenheit gab es wiederholt Vorwürfe gegen Wirecard, denen Aktienkurseinbrüche und Ermittlungen wegen Marktmanipulation folgten.

Wirecard mit Sitz in dem Münchner Vorort Aschheim wickelt für Firmenkunden in aller Welt Online-Zahlungen zwischen Verbrauchern, Händlern und Banken ab und kassiert dafür Gebühren. Der Konzern profitiert wie nur wenige andere von der weltweiten Verlagerung der Zahlungsströme ins Internet.

ts/dpa/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2019 um 10:00 Uhr.

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