Wirecard-System zum Bezahlen via Smartphone | Bildquelle: REUTERS

Wirecard-Projekt Das Konto auf dem Smartphone

Stand: 04.10.2018 09:30 Uhr

Der Zahlungsdienstleister wird immer mehr zur Bank: Mit einem Smartphone-Konto greift Wirecard die klassischen Geldinstitute im Privatkunden-Geschäft an. Auch Kredite und Versicherungen übers Smartphone soll es bald geben.

Gerade erst hat Wirecard den Sprung in den Dax geschafft und die Commerzbank aus der ersten deutschen Börsenliga verdrängt. Doch damit gibt sich Vorstandschef Markus Braun noch lange nicht zufrieden. "Der Einzug in den Dax ist für uns nur ein Zwischenschritt", sagt er. Das Beste, meint Braun, komme noch. "Was wir in den nächsten 15 Jahren erschaffen, wird das, was wir in den vergangenen 15 Jahren geschafft haben, in den Schatten stellen", sagt er.

Das Wachstum soll sich in Zukunft weiter beschleunigen. "Wir können unser Geschäftsmodell in den kommenden Jahren verzehn-, verzwanzig- oder auch verdreißigfachen", sagte er im Interview mit dem "Handelsblatt".

Kooperationen mit Versicherern

So setzt Wirecard auf den zunehmenden Trend zum mobilen Bezahlen. Das Unternehmen will sein mobiles Bezahlsystem Boon zu einem Smartphone-Konto ausweiten. "Künftig sollen die Kunden via Boon Überweisungen tätigen, Kredite ausleihen und Versicherungen abschließen", kündigte der Wirecard-Chef gegenüber dem "Handelsblatt" an. Wer ein Luxus- oder Elektronikprodukt im Laden kaufe, solle es gleich versichern können, sagte Braun. Das Unternehmen spreche bereits mit großen Versicherern über Kooperationen.

Mit der 2015 geschaffenen Marke Boon ist Wirecard im Endkunden-Geschäft aktiv. Aktuell zählt das Unternehmen 35 Millionen Kunden weltweit, die die Bezahllösung nutzen. Wirecard ist keine klassische Bank, besitzt aber eine Banklizenz. Hauptgeschäft ist die Zahlungsabwicklung. Wenn ein Kunde ein Produkt kauft, überweist Wirecard das Geld an den Händler und trägt das Risiko, falls die Kreditkarte nicht gedeckt ist. Dafür kassiert das Münchner Unternehmen Provisionen.

Börsenwert soll sich auf 100 Milliarden Euro vervielfachen

Das Unternehmen hat sich inzwischen vom Startup zum größten deutschen Fintech-Konzern gewandelt. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs des Zahlungsabwicklers versiebenfacht. Alleine in diesem Jahr hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Diese Dynamik will Wirecard-Chef fortschreiben. "Wir haben das Potenzial, den Börsenwert in den kommenden Jahren auf mehr als 100 Milliarden Euro zu bringen", sagte er im "Handelsblatt".

Dass Wirecard unter den Dax-Mitgliedern mit einem Wert von 75 das höchste Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aufweist, stört Braun nicht. Diskussionen über zu hohe Bewertungen habe es schon bei Kursen von 3,00 Euro gegeben. "Wahrscheinlich wird noch auch bei 2.000 Euro darüber debattiert werden."

nb

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Wirecard größer als Commerzbank

Commerzbank baut ab

Dadurch bringt die zweitgrößte Bank Deutschlands nur noch gut 11 Milliarden Euro auf die Börsenwaage. Damit kommt sie lang nicht mehr an Wirecard heran.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. September 2018 um 13:39 Uhr.

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