Wohnmobile des Herstellers Knaus Tabbert | Bildquelle: REUTERS

Börsengang des Wohnmobilherstellers Knaus Tabbert setzt auf Camping-Boom

Stand: 23.09.2020 07:55 Uhr

Heute geht der Wohnwagen- und Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert an die Börse. Der Zeitpunkt scheint gut gewählt, denn Camping ist längst ein Trendthema - nicht erst seit Corona. Besonders Familien wissen die Flexibilität mit dem Wohnmobil zu schätzen. Der Ausgabepreis dürfte aber eher enttäuschend für das Unternehmen sein.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Die heimische Campingbranche zählt zu den Profiteuren der Corona-Krise - darüber sind sich Experten einig. Schließlich verhagelte die Pandemie Millionen Menschen die Urlaubspläne, Reisen ins Ausland waren nur unter erschwerten Bedingungen möglich, der weltweite Tourismus ist ins Trudeln geraten.

Hotelanlagen am Strand
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Hotelanlagen am Strand: Festsitzen im Urlaubsbunker

Drohende Quarantäne, Maskenpflicht, Abstandsregeln an den Stränden, ein mulmiges Gefühl beim Fliegen: Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt? Im Wohnmobil ist man weitgehend sein eigener Herr, Reisende können die Kontakte auf das Nötigste begrenzen und sie sind bei der Wahl der Ziele vollkommen flexibel. Man bleibt, wo es einem gefällt und sitzt nicht in einem austauschbaren Urlaubsbunker irgendwo im Süden fest.

Sonderkonjunktur dank Corona

"Camping ist seit Jahren schon eine Wachstumsbranche", erklärt Wolfgang Donie, Tourismus-Experte bei der NordLB, im Gespräch mit boerse.ARD.de. Wegen Corona komme es derzeit zudem zu einer Sonderkonjunktur. "Viele Leute probieren in diesem Jahr Camping aus, die es sonst nicht ausprobiert hätten. Für einige wird es eine einmalige Erfahrung bleiben, andere werden dabei bleiben und für zusätzliches Wachstum sorgen", unterstreicht Donie. "Der positive Trend dürfte sich deshalb auch im kommenden Jahr fortsetzen, zumal Corona, nach allem was wir heute wissen, ja nicht verschwunden sein wird."

Wohnmobile
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Wohnmobile: Extraschub dank Corona

Corona habe der Branche einen Extra-Schub gegeben, meint auch der Geschäftsführer des Caravaning Verbandes CIVD, Daniel Onggowinarso: "Caravaning ist in diesen Zeiten eine der sichersten Urlaubsformen, da man mit einem Freizeitfahrzeug individuell und nur mit Personen des eigenen Haushaltes verreist und durch eigene Schlaf-, Wohn-, Koch- und Sanitärmöglichkeiten weitestgehend autark ist."

Rekordzahlen bei den Zulassungen

Das zeigen auch die jüngsten Zulassungszahlen für Wohnmobile, die der Verband publiziert hat: Im August kletterten sie für Reisemobile um 63,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugelassen wurden 7.542 Fahrzeuge. Im Juli gab es laut CIVD sogar ein Plus von insgesamt 85,6 Prozent bei den Freizeitfahrzeugen. "Die Caravaningbranche steuert auf ein Rekordjahr zu", teilt der Verband mit.

Knaus-Tabbert
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Weitgehend autark mit dem Wohnmobil

Nach Berechnungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) setzte die Branche im vergangenen Jahr in Deutschland 14,8 Milliarden Euro um, 17,6 Prozent mehr als 2016. "Camping ist längst kein Rentnerhobby mehr, sondern gerade auch für Familien oder Aktivurlauber interessant, da es eine hohe Flexibilität und Nähe zur Natur bietet", meint Donie. 

Trendthema Camping

Genau auf diesen Trend setzt der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert: "Der Zeitpunkt für den Börsengang ist vor dem Hintergrund der Sonderkonjunktur gut gewählt. Camping ist ein Thema, mit dem sich aktuell viele Anleger beschäftigen", lautet die Einschätzung des NordLB-Experten.

Knaus Tabbert
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Knaus Tabbert möchte in Produktionsanlagen investieren

Auch Knaus Tabbert möchte die Anleger mit einer Wachstumsgeschichte überzeugen: Im Jahr 2019 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 780,4 Millionen Euro. Das Ebitda erreichte 64,3 Millionen Euro. Von 2017 bis 2019 wuchs der Umsatz nach Unternehmensangaben pro Jahr im Schnitt um fast 15 Prozent. Das Betriebsergebnis legte durchschnittlich um etwa neun Prozent zu. "Wir haben in den letzten Jahren an unserer Kapazitätsgrenze produziert, und alle Zeichen stehen auf weiteres Wachstum", sagt Knaus-Tabbert-Chef Wolfgang Speck.

Abstriche beim Börsengang

Der Börse scheinen die Pläne allerdings zu ambitioniert. Mangels Nachfrage musste der Wohnmobilhersteller seinen ursprünglichen Plan aufgeben, insgesamt 4,945 Millionen Aktien zu platzieren. Nun sollen maximal vier Millionen Aktien verkauft werden, teilte Knaus Tabbert am Dienstag mit. Der Gesamterlös schrumpft damit von erhofften 366 Millionen auf maximal 232 Millionen Euro.

Die meisten angebotenen Anteile stammen aus dem Bestand der niederländischen Private-Equity-Gesellschaft HTP Investments. Die Eigentümer Wim de Pundert und Klaas Meertens halten rund 97 Prozent am Unternehmen. HTP hatte den Wohnwagenhersteller vor elf Jahren vor der Pleite gerettet will jetzt sozusagen einen Teil der Ernte für das Engagement einfahren.

Gleichzeitig werden auch Aktien aus einer Kapitalerhöhung angeboten, die ungefähr 20 Millionen Euro einbringen soll. Nur diese Erlöse werden dem Unternehmen für Investitionen zur Verfügung stehen. Sie sollen für den Ausbau der Produktion aufgewendet werden.

Der Ausgabepreis wurde auf 58 Euro und damit am unteren Ende der Spanne (58 bis 74 Euro) festgelegt, wie das Unternehmen am frühen Mittwochmorgen mitteilte.

alt Knaus Tabbert

Knaus Tabbert tritt bei Börsendebüt auf der Stelle

Die Aktien des Börsenneulings Knaus Tabbert sind exakt auf dem Ausgabepreis in den Handel gestartet und verlieren im Tagesverlauf weiter an Boden. Dabei hatten die Eigentümer die Zahl der zum Kauf angebotenen Papiere bereits reduziert.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. September 2020 um 10:00 Uhr.

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