Zalando Pakete auf einem Tisch

Auf Expansionskurs Zalando legt wegen Corona zu

Stand: 23.06.2020 11:17 Uhr

Der Online-Modehändler hat in der Corona-Krise seine Position deutlich verbessert. Im Konkurrenzkampf mit traditionellen Warenhäusern hat Zalando Terrain gewonnen. Die Aktie steht kurz vor einem Rekordhoch. Allerdings belasten seit kurzem Diskriminierungs-Vorwürfe das Unternehmen.

Auch Zalando bekundete Anfang Juni nach dem Tod von George Floyd in den USA durch Polizeigewalt seine Solidarität. Und löste damit unfreiwillig eine Diskussion um Toleranz im eigenen Unternehmen aus. Ein ehemaliger Mitarbeiter bezichtigte eine Führungskraft, die für die Auswahl von Models für Foto-Shootings für die Modekollektion zuständig ist, des Rassismus. Es seien "zu viele schwarze Models" auf den Zalando Werbeseiten zu sehen, habe es häufig geheißen. Auch das Einschalten der Personalabteilung habe zunächst nicht geholfen.

Aktie zwischenzeitich belastet

Zalando bezeichnete die "Umstände", die der Mitarbeiter geschildert hatte, als inakzeptabel. Man habe eine interne Untersuchung eingeleitet und werde "angemessene Maßnahmen ergreifen". Ob dies reicht, um einen Image-Schaden von dem Unternehmen abzuwenden, werden wohl die kommenden Monate zeigen. Die Diskussion um die "Governance" bei Zalando hatte zuletzt auch die Aktie belastet. Von ihrem Rekordhoch bei knapp 65 Euro war sie binnen weniger Tage bis auf 58 Euro abgesackt.

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Das lag allerdings auch an einem weiteren Belastungsfaktor. Der schwedische Investor Kinnevik hatte ein großes Aktienpaket auf den Markt geworfen. 11,25 Millionen Aktien, 4,4 Prozent des Grundkapitals waren bei Großinvestoren platziert worden. Immerhin hat Kinnevik angekündigt, zunächst keine weiteren Verkäufe vorzunehmen.

Kundenorders steigen sprunghaft

Inzwischen klettert die Zalando-Aktie wieder in Richtung eines neuen Rekordhochs. Der Grund sind die Geschäfte, die bei Zalando brummen wie nie. War das Unternehmen noch im April, zu Beginn der Corona-Einschränkungen in Deutschland, von sinkenden Umsätzen im Jahr 2020 ausgegangen, wurde der Konzern in den folgenden Wochen von Kundenorders schier überrannt.

Bereits Anfang Mai stellte Zalando ein Umsatzwachstum zwischen zehn und 20 Prozent für das Gesamtjahr in Aussicht. Nach einem negativen operativen Ergebnis im ersten Quartal soll es nun für ein operatives Ergebnisplus von 100 bis 200 Millionen Euro im Geschäftsjahr reichen. Bereits das zweite Quartal dürfte den beschleunigten Wachstumspfad dokumentierten. 16 Prozent Umsatzplus und 104 Millionen Euro operatives Plus erwartet man in Berlin inzwischen. Die Zahlen werden am 16. Juli veröffentlicht.

Expansion bei Produkten und Partnern

Zalando kann als klarer Gewinner der Corona-Krise gelten. Das Einkaufsverhalten der Konsumenten dürfte sich nach Expertenschätzungen nachhaltig verändert haben. In der gesamten Branche stehen massive Kräfteverschiebungen an. Während "Offline"-Geschäfte wie viele Filialen des Kaufhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof vor dem Aus stehen, schnappen sich Online-Händler wie Amazon, aber auch Zalando immer größere Anteile am Markt.

ARD-Börse: Zalando – Krisengewinner und Retter in der Not?

23.06.2020 15:48 Uhr

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Dazu beigetragen hat aber auch die Expansionsstrategie von Zalando im Online-Handel. Über die Plattform werden längst neben Schuhen und Kleidung auch Kosmetik und Accessoires verkauft. Besonders Markenprodukte preist man dort an, sie sorgen für höhere Gewinnmargen als "Standardware". Und über sein Partnerprogramm bindet Zalando immer mehr stationäre Händler an seine Plattform an, die dort ihre Produkte gegen Provision verkaufen können. Das Ziel scheint klar: Einen Marktplatz mit immer mehr Artikeln und Partnern auszubauen, der nach dem Vorbild von Amazon stetig weiterwächst. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 23. Juni 2020 um 22:18 Uhr.

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