Kaupthing Bank

Zehn Jahre nach Kaupthing-Schock Die riskante Jagd nach Zinsen

Stand: 17.04.2019 06:45 Uhr

Auf den Tag genau vor zehn Jahren konnten 30.000 deutsche Sparer aufatmen: Sie erhielten das Versprechen, dass sie ihr bei der Pleite gegangenen isländischen Bank Kaupthing angelegtes Geld zurück erhalten würden. Haben die heimischen Zinsjäger aus diesem Abenteuer gelernt?

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Tatsächlich scheuen noch immer viele Deutsche Anlagen auf dem Kapitalmarktmarkt wie der Teufel das Weihwasser. Sie parken ihr Erspartes lieber auf einem Festgeldkonto, weil ihnen das sicherer erscheint. Umfragen zufolge haben rund 16 Prozent der heimischen Sparer Geld auf diese Art angelegt. Damit bleibt Festgeld genauso beliebt wie Investmentfonds und beliebter als Anlagen in Aktien. Zinsen muss man für solche Anlagen allerdings mit der Lupe suchen - wenn sie nicht sogar negativ ausfallen, also Sparer den Banken sogar Geld zahlen müssen für ihre Konten.

Negativzinsen
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Rotes Prozentzeichen mit Minzsvorzeichen

Fakt ist, dass die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank die Deutschen 2018 so hart getroffen hat wie nie: fast 39 Milliarden Euro haben die heimischen Sparer durch niedrig verzinste Geldeinlagen im vergangenen Jahrt verloren – 470 Euro pro Bundesbürger, so die Berechnung der comdirect Bank. Dies erklärt sich daraus, dass der Realzins niedriger ist als die Inflation.

Höhere Zinsen von ausländischen Banken

Viele Sparer suchen deshalb ihr Heil bei ausländischen Banken. Auf Vergleichsportalen wie Weltsparen, FMH oder Zinspilot lassen sich mühelos Anlageangebote mit Zinsen von bis zu 1,5 Prozent auf Festgeldkonten finden.

In der Auswertung der zinsstärksten Festgeldangebote der Frankfurter Finanzberatung FMH erscheint die litauische Bank Siauliu Bankas auf dem ersten Platz. Sie bietet für eine Anlage von 10.000 Euro bei einem Anlagezeitraum von drei Jahren eine jährliche Verzinsung von 1,5 Prozent an. Vergleichbare Renditen von 1,45 bis 1,47 Prozent bieten Banken aus Portugal oder Kroatien an. Wirklich attraktiv erscheinen auch diese Angebote nicht, bedeuten sie doch gerade einmal den Inflationsausgleich.

Bei kürzeren Anlagehorizonten wie einem Jahr ist die Verzinsung noch niedriger und überschreitet kaum die Ein-Prozent-Marke. Und auch solche Angebote gibt es nur bei Banken aus Rumänien, Estland oder Bulgarien. Bei deutschen Geldhäusern lässt sich eine solche Verzinsung nicht erreichen.

So sicher wie in Deutschland?

Doch wie sicher sind Anlagen in diesen Ländern? In Deutschland schützt die gesetzliche Einlagensicherung Spareinlagen im Fall einer Bankpleite bis zu einer Höhe von 100.000 Euro. Viele deutsche Banken sind zusätzlich Mitglied in einem freiwilligen Einlagensicherungssystem wie dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands. In diesem Fall spricht man von erweiterter Einlagensicherung.

Andere Länder in der EU haben in den vergangenen Jahren ebenfalls gesetzliche Einlagensicherungssysteme eingerichtet. Diese sind allerdings nicht immer so sicher wie die deutsche Variante. Aus einem einfachen Grund: Die Staaten sichern Bankkunden zwar zu, bei Bankpleiten für Verluste geradezustehen. Sie verfügen im Ernstfall aber nicht über die nötigen Mittel, um diese Versprechen auch einlösen zu können.

In einigen Ländern könne man nicht hundertprozentig sicher sein, im Ernstfall tatsächlich sein Geld zurückzubekommen, trotz Einlagensicherung, betont FMH-Chef Max Herbst. Auch Niels Neuhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ist skeptisch. Komme eine Bank in Schwierigkeiten und reichten die Mittel der Einlagensicherung nicht aus, müsse sich zeigen, ob es genug politischen Willen gebe, um im Notfall mit Steuergeld einzuspringen. "Es bleibt ein Restrisiko".

Auf die Länder-Bonität achten

Um die Risiken besser einschätzen zu können, hilft ein Blick auf die Bonität des Landes in dem eine Bank ansässig ist. So verfügt etwa Kroatien über eine gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Doch wird das Land von der Agentur Moody's nur mit der Note Ba2 bewertet. Das bedeutet, dass es sich um eine spekulative Anlage handelt. Bei einer Verschlechterung der Lage sei mit Ausfällen zu rechnen. Im Klartext heißt das: Den Anlegern droht schlimmstensfalls ein Totalverlust.

Dabei ist Kroatien nur ein Beispiel von Vielen. Auch in Estland, Rumänien oder Bulgarien ist das Verlustrisiko für Festgeldsparer wegen der schlechteren Bonität dieser Länder höher als in Deutschland. Zum Ausgleich dafür bekommen Bankkunden dort mehr Zinsen.

Finanzexperten warnen

So bietet die Alpha Bank Romania für eine Festgeldanlage von 10.000 Euro über zwölf Monate einen Jahreszins von 1,25 Prozent. Zwar verfügt auch dieses Land über eine gesetzliche Einlagensicherung für Anlagen bis 100.000 Euro. Doch wird Rumänien im Fall einer Bankenpleite die Entschädigung auch tatsächlich zahlen können?

Die Ratingagentur Moody's jedenfalls warnt, dass bei einer Verschlechterung der Gesamtwirtschaft mit Problemen zu rechnen sei. Viele Finanzexperten raten deutschen Sparern davon ab, Geld in Ländern zu parken, die keine Topbonität haben.

Aus Kaupthing nichts gelernt?

Haben die deutschen Zinsjäger aus der Vergangenheit also nichts gelernt? Zur Erinnerung: Im Oktober 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, erlebten viele deutsche Sparer einen Schock: Sie kamen nicht mehr an ihr Geld, das sie bei der isländischen Bank Kaupthing Edge angelegt hatten. Die deutsche Finanzaufsicht die Konten der deutschen Kaupthing-Tochter eingefroren. Das Institut war nicht Mitglied im Einlagensicherungsfonds deutscher Banken. Es war hierzulande mit aggressiven Zinsangeboten auf Kundenfang gegangen. Erst am 17. April 2009, also vor zehn Jahren, konnten die deutschen Sparer aufatmen: Islands damalige Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir verkündete, die Kaupthing Bank besitze genügend Vermögen, um den deutschen Sparern ihr Geld, 308 Millionen Euro, auszuzahlen.

Quelle: boerse.ard.de
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