Hotelzimmer | Bildquelle: picture alliance/dpa

ZEW-Studie Buchungsportale - "intransparent und unfair"?

Stand: 29.01.2019 09:00 Uhr

Welche Hotels auf Portalen wie Expedia gebucht werden, hängt oft entscheidend davon ab, wie weit oben diese auf der Rangliste sind. Allerdings ist Positionierung nicht immer im Interesse der Kunden.

Die Methoden großer Hotelbuchungsportale stoßen auf Kritik bei Verbraucherschützern und Hoteliers. Der Grund: Bei den Suchergebnissen erhalten Hotels oft schlechtere Ergebnisse, wenn sie auf der eigenen Website günstigere Preise anbieten.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Nicht jede Positionierung und Empfehlung bei großen Buchungsportalen wie Booking.com und Expedia ist daher im Interesse der Nutzer", heißt es in der Studie. Demnach ist jedes vierte Angebot auf der hoteleigenen Webseite günstiger als bei einem Buchungsportal.

Die Wissenschaftler werteten Suchergebnisse auf Booking.com und Expedia sowie der Metasuchseite Kayak für 250 Städte in verschiedenen Ländern im Zeitraum zwischen Juli 2016 und Januar 2017 aus. Sie verglichen die Preise der Zimmerangebote von mehr als 18.000 Hotels.

Website von booking.com
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Buchungsportale "intransparent und rechtlich fragwürdig"

Die Hotelbranche fühlt sich durch die Studie in ihrer Kritik bestätigt. Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes IHA, Markus Luthe, bemängelte, die Ranglisten der Buchungsportale seien "intransparent und rechtlich zumindest fragwürdig."

Nach Luthes Einschätzung deuten die Ergebnisse der ZEW-Studie darauf hin, dass die Portale das Ranking so optimierten, dass sie einen maximalen Gewinn erzielten, nicht aber dem Verbraucher das für ihn eigentlich beste Suchergebnis anzeigten. "Der Gast sollte eindeutig darauf hingewiesen werden, wenn die Hotel-Platzierung anderen Kriterien als der Sterneklassifizierung, den Gästebewertungen, dem Zimmerpreis oder der Entfernung zu einem gewünschten Ziel unterworfen ist", forderte Luthe.

Hoteleigene Angebote oft günstiger

Kritik kommt auch von Verbraucherschützern: "Letztlich werden Hoteliers damit gezwungen, das günstigste Angebot auf die Seiten der Buchungsportale zu stellen", so Felix Methmann, Tourismusexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. "Dadurch gibt es keinen fairen Wettbewerb und das ist nicht gut für Verbraucher. Nur bei entsprechendem Wettbewerb kommen für Kunden günstige Preise zustande."

Die Positionen auf den Ranglisten beeinflussen maßgeblich, welche Hotels auf Internetportalen gebucht werden - und welche nicht. "Es wäre wünschenswert, wenn Buchungsportale die Verbraucher besser darüber informieren würden, wie sie ihre als 'Empfohlen' oder 'Unsere Top-Tipps' bezeichneten Ranglisten berechnen", forderte ZEW-Wissenschaftler und Ko-Autor der Studie, Reinhold Kesler. Verbraucher könnten dadurch besser entscheiden, inwieweit sie den Empfehlungen tatsächlich folgen würden.

Marktanteil der Buchungsportale wächst

Expedia erklärte auf Anfrage, Hotels, die auf den Websites am besten abschnitten, seien diejenigen, die die Erwartungen der Kunden erfüllten, zum Beispiel bezüglich positiver Bewertungen und der Preise. Solche Hotels würden am ehesten gebucht und gelangten dadurch in der Sortierreihenfolge weiter nach oben. Zudem könnten Kunden mit den Einstellungen die Suchergebnisse nach ihren Wünschen sortieren, zum Beispiel nach Preis, Anzahl der Sterne oder geprüften Bewertungen.

Ähnlich äußerte sich Booking.com: Die Rankings basierten auf einem automatisierten Algorithmus, der aus Kundenfeedback aufgebaut sei. Unterkünfte, die immer wieder gebucht würden, zeigten, dass sie von Kunden gut angenommen würden. "Kunden neigen gerne dazu, keine Unterkünfte mit erhöhten Preisen zu buchen".

Nach Daten des Deutschen Hotelverbandes ist der Marktanteil der Buchungsportale in den vergangenen Jahr gewachsen. So wurde 2016 jede vierte Hotelübernachtung in Deutschland über Onlineportale reserviert. Dabei dominierten Booking.com, die HRS Group und Expedia.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 29. Januar 2019 um 09:07 Uhr.

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