Huawei-Logo auf Gebäude vor blauem Himmel | Bildquelle: REUTERS

Spionage-Vorwurf gegen Huawei Der Kampf um Glaubwürdigkeit

Stand: 19.02.2019 09:57 Uhr

Geheimdienste weltweit warnen vor Bauteilen des chinesischen Huawei-Konzerns in Telekommunikationsnetzen. Der Grund: Huawei ermögliche der chinesischen Staatsführung Spionage. Doch der Konzern wehrt sich.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine Pressekonferenz des Huawei-Konzerns Ende Januar in Peking. Der Chef der Verbrauchersparte des Unternemens, Richard Yu, spricht über neue Smartphones und Tablets von Huawei. Doch die rund 30 Journalisten interessieren sich eigentlich für etwas ganz anderes: Sie wollen von Richard Yu wissen, was sein Unternehmen zu den immer wieder erhobenen Spionage-Vorwürfen sagt. Und Yu wird deutlich: Die These, Chinas Staats- und Parteiführung nutze Huawei-Bauteile heimlich zur Spionage, sei unsinnig und absurd. "Wir haben die höchsten Ansprüche in Sachen Cybersicherheit. Wir bei Huawei machen so etwas nicht. Niemals! Wir schützen unsere Kunden."

Peking: "Schmierenkampagne" gegen Huawei

Auch die chinesische Staats- und Parteiführung muss sich regelmäßig kritische Fragen zu Huawei gefallen lassen - und zu ihrer eigenen Rolle in der Angelegenheit. Auch sie weist die Vorwürfe strikt zurück. Es handele sich vielmehr um eine große Schmierenkampagne, um chinesischen Firmen wirtschaftlich zu schaden, angezettelt von der US-Regierung.

Geng Shuang, Sprecher der chinesischen Staats- und Parteiführung, bemerkt: "Die USA nutzen schon seit einiger Zeit ihren Einfluss aus, um gewisse chinesische Firmen zu unterdrücken und zu verunglimpfen. Wir fordern die USA eindringlich dazu auf, Huawei und andere chinesische Unternehmen objektiv und unvoreingenommen zu behandeln, statt sie unbegründet zu unterdrücken."

Das Logo von Huawei an einer weißen Hauswand, an der schemenhaft eine Frau vorbeiläuft, die auf ihr Handy blickt. | Bildquelle: AFP
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Australien, die USA und Neuseeland haben Huawei-Bauteile bereits aus ihren sensiblen Telekommunikationsnetzen ausgeschlossen.

Huawei-Debatte: Schlecht für Chinas Ruf und Wirtschaft

Der Fall Huawei ist für die chinesische Regierung doppelt unangenehm. Erstens sieht sie sich in der Angelegenheit selbst mit großem Misstrauen konfrontiert.

Denn auch wenn konkrete Beweise bisher fehlen: Geheimdienste, Politiker und Experten weltweit trauen der Führung in Peking ganz offensitlich einiges zu. Nicht nur von möglicher Spionage, sondern auch von möglicher Sabotage durch in Huawei-Bauteilen versteckte Hintertürchen ist die Rede.

Doch unangenehm ist der Fall Huawei auch aus wirtschaftlicher Sicht. Denn der Konzern mit seinen rund 180.000 Mitarbeitern ist enorm wichtig für China. Die Firma ist nach Samsung der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt, außerdem der größte Produzent von Netzwerk-Bauteilen. Das Besondere ist: Huawei ist ein privates Unternehmen, im Gegensatz zu anderen chinesischen Konzernen.

Privatunternehmen Huawei?

An den Anschuldigungen, das Unternehmen gehöre in Wirklichkeit dem Staat, sei nichts dran, sagt Douglas Fuller. Er hat vor zwei Jahren mit „Paper Tigers, Hidden Dragons“ ein Buch über Chinas aufstrebende Technologie-Firmen geschrieben. "Betrachtet man das Ganze aber im chinesischen Kontext, sieht das schon wieder ganz anders aus. Denn in China ist es sehr schwierig für Unternehmen, dem Staat einfach 'Nein!' zu sagen, wenn dieser wirklich etwas verlangt. Diese Tatsache eröffnet zumindest theroretisch die Möglichkeit, dass es Hintertürchen in Huawei-Bauteilen gibt.“

Yu weist diese Anschuldigungen von sich. So eine angebliche Aufforderung der chinesischen Behörden habe man in der dreißigjährigen Firmengeschichte nicht ein einziges Mal erhalten, betont er: "Huawei wird seine Kunden beschützen. Anfragen solcher Art werden wir in jedem Fall zurückweisen."

Huawei kämpft um Glaubwürdigkeit, Vorwürfe bleiben
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
19.02.2019 11:02 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 19. Februar 2019 tagesschau24 um 11:30 Uhr in der Wirtschaft und NDR Info im "Mittagsecho" ab 13:00 Uhr.

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