Ein Schwein steht in einem fast komplett geräumten Stall in China | Bildquelle: AP

Schweinepest in China Fleisch wird auch in Deutschland teurer

Stand: 24.05.2019 10:31 Uhr

In China müssen wegen der Schweinepest Hunderttausende Tiere getötet werden. Die Volksrepublik kauft deshalb tonnenweise Fleisch aus dem Ausland. Die Folgen sind auch in Deutschland zu spüren.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine kleine Markthalle im Stadtzentrum von Shanghai: Neben Obst, Gemüse, frischen Schalentieren und Fisch gibt es hier auch einen Verkaufsstand für Fleisch. Händler Liu Wei hat fast ausschließlich Schweinefleisch in seiner Kühltheke liegen. "Ohne Schweinefleisch können Chinesen nicht überleben", sagt er. "Für uns ist das eine Delikatesse."

Schweinefleisch ist im bevölkerungsreichsten Land der Welt nicht einfach nur ein Lebensmittel, sondern offizielles Grundnahrungsmittel. Entsprechend emotional reagieren Verbraucher in China, wenn der Preis für Schweinefleisch steigt. Und genau das passiert gerade. Der Preis sei ziemlich gestiegen seit dem chinesischen Neujahrsfest im Februar, sagt ein Kunde. Schweinefleisch koste inzwischen fast ein Drittel mehr.

Liu Wei arbeitet hinter der Theke | Bildquelle: Steffen Wurzel
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"Ohne Schweinefleisch können Chinesen nicht überleben", sagt Fleischhändler Liu Wei in Shanghai.

Für Menschen ungefährlich, für Tiere tödlich

Die Schweinepest brach Mitte vergangenen Jahres in China aus. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich, für Tiere aber tödlich. Vor allem ist sie hoch ansteckend. Entsprechend versuchten die Behörden alles, um die Ausbreitung möglichst zu verhindern: Populationen und Tiertransporte werden scharf kontrolliert, betroffene Betriebe wurden abgeriegelt und zahlreiche Tiere vorsorglich getötet.

Doch all diese Maßnahmen haben offensichtlich nicht gefruchtet. In den vergangenen Monaten ist exakt das eingetreten, was Chinas Staatsführung zu verhindern versuchte: Die Tierseuche hat sich fast über das gesamte Land ausgebreitet.

Nach Angaben der FAO, der Ernährungsorgansation der Vereinten Nationen, wurden in 31 der 33 Landesteilen Chinas infizierte Tiere entdeckt.

"Natürlich wirkt sich die Schweinepest auf den Preis aus", erklärt Händler Liu Wei in Shanghai. "Landesweit mussten viele Züchter ihre Betriebe schließen. Nur die großen Mastbetriebe haben überlebt. Es gibt also weniger Schweine und das treibt den Preis nach oben."

Schweine in einem Stall in China | Bildquelle: AP
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Schweine in einem fast leeren Stall in der chinesischen Provinz Hebei. Hundertausende Tiere mussten wegen der Schweinepest gekeult werden.

Eine "nationale Krise"

Der chinesische Viehzüchterverband schlägt Alarm. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg sprach der Chef des Verbands, Li Xirong, bei einem Branchentreffen in der Stadt Wuhan von einer "nationalen Krise".

Diese wirkt sich allerdings auch international aus, auch auf Europa. Steffen Reiter, Geschäftsführer der German Meat GmbH, einem Exportverband der deutschen Fleischindustrie: "Internationale Analysten gehen davon aus, dass die Schweinefleischproduktion in diesem Jahr in China um 20 bis 30 Prozent zurück gehen dürfte. Dadurch entsteht weltweit ein erheblicher Nachfragesog auf dem Weltmarkt für Schweinefleisch, der auch entsprechende Auswirkungen in Deutschland hat."

Bedeutet: China wird noch mehr Schweinefleisch aus Deutschland importieren als bisher. Das sorgt für volle Auftragsbücher bei Züchtern, Schlachtern und den entsprechenden Firmen in Deutschland. "In normalen Jahren wurden zuletzt rund 300.000 Tonnen Schweinefleisch nach China exportiert. Wir gehen davon aus, dass sich diese Zahl in diesem Jahr annähernd verdoppeln dürfte."

Die schlechte Nachricht aber: Durch die höhere Nachfrage aus China wird wohl auch in Deutschland der Preis für Schweinefleisch kräftig steigen.

Schweinepest in China: Fleisch wird wohl auch in Deutschland teurer
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
24.05.2019 09:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24.05.2019 um 11:39 Uhr.

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