Ein Arbeiter poliert in einer Fabrik zur Herstellung von Sportgeräten in Hangzhou (Provinz Zhejiang, China) eine Fahrrad-Stahlfelge | Bildquelle: REUTERS

Chinas Wirtschaft Schwächstes Wachstum seit Jahrzehnten

Stand: 17.01.2020 07:23 Uhr

6,1 Prozent - um diesen Wert ist die chinesische Wirtschaft 2019 gewachsen. Für die meisten anderen Länder wäre das Grund zur Freude. In China ist die Lage anders: Dort ist es der schwächste Zuwachs seit fast 30 Jahren.

Die chinesische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr so langsam gewachsen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Nach Angaben des Nationalen Statistikbüros stieg das Bruttoinlandsprodukt um 6,1 Prozent - so wenig wie seit 1990 nicht mehr. Ein wenig Hoffnung schöpften Analysten aus einigen Wirtschaftsdaten für Dezember. So stieg die Industrieproduktion wieder an, die Investitionen legten ebenfalls zu und die Einzelhandelsverkäufe blieben stabil.

Als Ziel für das Gesamtjahr hatte die Regierung in Peking ein Plus zwischen 6,0 und 6,5 Prozent ausgegeben. Damit liegt das Land also gerade noch im Soll. Die kommunistische Führung spricht jedoch von einem Abwärtsdruck, den die Wirtschaft derzeit erlebe. "Quellen der Instabilität" und Risiken im Ausland hätten zugenommen.

Nachlassende Binnennachfrage

Im Jahr 2018 war die chinesische Wirtschaft noch um 6,6 Prozent gewachsen. Ökonomen führen das Schwächeln der chinesischen Konjunktur auf das Nachlassen der Binnennachfrage sowie den seit fast zwei Jahren andauernden Handelskonflikt mit den USA zurück.

Zuletzt hat sich dieser aber etwas entschärft. US-Präsident Donald Trump und Peking hatten im Oktober eine Einigung über ein Teilabkommen verkündet, das in dieser Woche unterzeichnet wurde.  Es sieht vor, dass sich beide Seiten nicht mehr mit zusätzlichen Strafzöllen überziehen. China hat sich zudem verpflichtet, seine Einfuhren aus den USA deutlich zu erhöhen.

Handelskonflikt mit den USA noch nicht vorüber

Dass der Konflikt der alten Weltmacht und dem Aufsteiger China damit vorüber ist, glauben die meisten Beobachter aber nicht. Die Einigung verhindere vorerst zwar eine rasante Verschlechterung der Beziehungen. "Aber die zunehmende Rivalität zwischen den USA und China ist damit nicht ausgeräumt", sagte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin.

Diese Konkurrenz werde das Verhältnis auch künftig weit über Handelsfragen hinaus prägen. Mit einem schnellen, umfassenderen Folgeabkommen sei deshalb nicht zu rechnen. Zudem gelten die meisten der verhängten Strafzölle noch immer.

Ein Arbeiter in einer chinesischen Brauerei. | Bildquelle: AFP
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Ein Arbeiter in einer chinesischen Brauerei. Auch die Binnennachfrage in China schwächelt.

Die meisten Strafzölle gelten noch immer

Aber auch im Land selbst gibt es Probleme: Viele Staatsfirmen sind durch hohe Schulden enorm belastet. Gleichzeitig versucht die Regierung, das Land innovativer und produktiver zu machen. "Die Umstellung auf ein nachhaltigeres Wachstumsmodell und die Bekämpfung der Risiken im Finanzsektor sind dringend notwendig, drücken aber auch das Wirtschaftswachstum", so Zenglein. 

Im internationalen Vergleich sind 6,1 Prozent Wachstum zwar viel. Die Experten verweisen aber darauf, dass China als Schwellenland großen Nachholbedarf habe. Der Schwung müsse erhalten werden, um Arbeitsplätze zu schaffen.

Peking hat ein Langzeitziel im Blick

Außerdem gilt es für Peking, ein wichtiges Langzeitziel zu erreichen: Die Wirtschaftsleistung und die Einkommen der Chinesen sollen bis Ende 2020 im Vergleich zu 2010 verdoppelt werden. 

Und im kommenden Jahr steht das 100. Jubiläum der Kommunistischen Partei an - da soll Chinas Stärke zelebriert werden. Ein immer kleiner werdendes Wirtschaftswachstum passt dann nicht ins Bild.

China: Wirtschaft wuchs 2019 um 6,1 Prozent
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
17.01.2020 07:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2020 um 10:00 Uhr.

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