Frankfurt: Ein Flugzeug des Ferienfliegers Condor steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Frankfurt am Main. | Bildquelle: dpa

Nach LOT-Absage Wie geht es mit Condor weiter?

Stand: 14.04.2020 13:38 Uhr

Nach dem Rückzug der polnischen LOT von einer Condor-Übernahme gehen Gespräche der angeschlagenen Airline mit dem Bund weiter. Die Zeit drängt: Bis Freitag muss das Unternehmen einen KfW-Hilfskredit zurückzahlen.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Der Ferienflieger Condor braucht in den kommenden Tagen eine zweite Rettung. Für die 5000 Beschäftigten muss jetzt rasch eine Perspektive her, nachdem die polnische Fluggesellschaft LOT die geplante Übernahme platzen ließ.

Der Deal mit dem LOT-Mutterkonzern PGL scheiterte, weil die Probleme in der Luftfahrtbranche überall die gleichen sind: In der Corona-Krise brauchen viele Airlines staatliche Finanzspritzen. Das hatte auch LOT sehr früh für sich angekündigt. So war die Meldung gestern wenig überraschend: LOT zieht sich zurück. Ein Trennungsvertrag muss nun aufgesetzt werden. Da wird auch über Schadenersatz zu reden sein.

Deutsche Staat als möglicher Retter

Im Fokus für Condor steht nun aber: Ein anderes Modell muss her, das die Zukunft des traditionsreichen Ferienfliegers sichert, das Arbeitsplätze sichert. Und am Horizont letztlich auch einen neuen Käufer bringt, mit dem sich eine neue, langfristige Partnerschaft ergeben könnte.

Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium laufen seit Wochen. Doch dort kommentiert man die Lage nicht.

Treuhänder als Option?

Ein Modell wird derzeit am häufigsten genannt: das Treuhänder-Modell. Condor könnte nach offiziellem Abschluss des Schutzschirmverfahrens für eine bestimmte Zeit von einem Treuhänder geführt werden. Der Staat würde so also nicht direkt am Steuer sitzen und nicht Gesellschafter werden. Ein Treuhänder würde die Geschäfte der Fluggesellschaft im Auftrag der Bundesregierung überwachen.

Zu den anderen Optionen zählt auch eine zeitweise Verstaatlichung von Condor. Dieser Direkteinstieg des Staates wird aber in Berlin offenbar nicht favorisiert.

KfW-Kredit muss zurückgezahlt werden

Condor hatte Ende September vergangenen Jahres einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro durch die staatliche KfW-Bank erhalten. Der muss nun bis Freitag zurückgezahlt werden. Eigentlich sollte die Kreditablösung mit dem Geld aus dem Verkauf an die Polen getätigt werden. Aber daraus wird nun nichts.

Condor hatte bereits vor Wochen wegen der Coronakrise nach einem staatlichen Hilfskredit in Berlin angefragt. In diversen Medien ist immer wieder eine Summe von rund 200 Millionen Euro genannt worden. Darüber hinaus gibt es ein Treuhandkonto aus der Zeit des Schutzschirmverfahrens. Dort waren seit Ende September 2019 alle Einnahmen aus Ticketverkäufen der Condor für deren Kunden sicher geparkt worden. Ein dreistelliger Millionen-Betrag dürfte das sein, sagen Insider.

Darüber hinaus soll der Ferienflieger aus dem KfW-Kredit nur die wöchentlich benötigte Liquidität finanziert haben. Ziel sei es nie gewesen, die Kreditlinie komplett auszureizen.

Ist Condor überlebensfähig?

Corona-Staatshilfe und Zugriff auf das Schutzschirmkonto könnten Condor zunächst überlebensfähig machen. Durch den angeschobenen Verkaufsprozess ist der Ferienflieger restrukturiert worden. Mitarbeiter, Gewerkschaften und das Management unter Ralf Teckentrup zogen beispiellos an einem Strang und senkten millionenschwere Kosten der Airline.

Dazu kommt ein Spirit von Flugbegleitern und Piloten, der sich auf die Kunden übertrug. Sie sprachen dem deutschen Ferienflieger auch in turbulenten Zeiten das Vertrauen aus. So hatte Condor in den zurückliegenden Wochen 78.000 deutsche Urlauber nach Hause geflogen.

Nun sind die meisten Kurzstreckenflugzeuge am Boden. Nur die Langstreckenflotte fliegt noch. Die 13 Maschinen transportieren Fracht, zum Beispiel dringend benötigte Schutzkleidung, von China nach Deutschland. Alle Beschäftigten sind in Kurzarbeit. Für Härtefälle trafen die Sozialpartner finanzielle Vereinbarungen.

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 14. April 2020 um 17:00 Uhr.

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