Eine Absperrung steht an der Baustelle der neuen Konzernzentrale von Continental in Hannover | Bildquelle: dpa

Razzien wegen Diesel-Affäre Continental unter Verdacht

Stand: 01.07.2020 15:56 Uhr

Trägt VW-Zulieferer Continental eine Mitverantwortung im Dieselskandal? Dieser Frage gehen Ermittler nun nach. An mehreren Standorten gab es Razzien. Gegen neun Mitarbeiter wird ermittelt.

In den Ermittlungen zum VW-Diesel-Abgasskandal hat die Staatsanwaltschaft Hannover Geschäftsräume des Autozulieferers Continental in Hannover, Frankfurt und Regensburg durchsucht, erklärte ein Sprecher.

Demnach wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug gegen neun Conti-Mitarbeiter ermittelt - sieben Ingenieure sowie zwei Projektleiter. Zudem geht es um mittelbare Falschbeurkundung. "Es handelt sich um einen Ableger des Verfahrens, das die Staatsanwaltschaft Braunschweig schon gegen Beschäftigte von Volkswagen führt", hieß es.

Wusste man von betrügerischen Absichten?

Man prüfe, ob Mitarbeiter der früheren Siemens-Autotechnik-Sparte VDO - den Conti 2007 übernahm - möglicherweise den Auftrag für die Motorsteuerung der 1,6-Liter-Ausgabe des späteren Skandal-Dieselmotors EA 189 in dem Wissen annahmen, dass VW damit betrügerische Absichten verfolgte. Es werde auch Hinweisen nachgegangen, dass die Dokumentation der Software entsprechend beeinflusst worden sein soll.

Conti: Kooperation mit Behörden

Continental erklärte, Staatsanwaltschaft und Polizei hätten in den laufenden Ermittlungen im Zusammenhang mit einer von VW verwendeten Abschaltvorrichtung mehrere Unternehmensstandorte aufgesucht. Der Dax-Konzern aus Hannover kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen bekräftigte frühere Aussagen im VW-Dieselskandal, wonach keine Software zur Manipulation von Abgaswerten geliefert wurde.

VW: "Unbeteiligter Dritter"

Auch Volkswagen bestätigte Durchsuchungen, über die als erstes das Magazin "Wirtschaftswoche" berichtete. Ein VW-Sprecher sagte, der Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft sei umgesetzt worden. Die von den Ermittlern geforderten Unterlagen seien übergeben worden. "Wir sind in dem Fall unbeteiligter Dritter."

Volkswagen hatte vor fast fünf Jahren auf Druck der Umweltbehörden in den USA zugegeben, Abgaswerte von Dieselautos in großem Stil manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung hat den Konzern bisher mehr als 30 Milliarden Euro gekostet - vor allem an Strafen und Schadensersatz in den USA.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juli 2020 um 15:40 Uhr.

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