Reservierungsanzeige in einem ICE der Deutschen Bahn | Bildquelle: dpa

Bahnreisen in Corona-Zeiten Forderung nach kostenloser Reservierung

Stand: 15.08.2020 18:04 Uhr

Abstandhalten beim Bahnfahren ist mittlerweile wieder schwerer. Eine generelle Reservierungspflicht wird bereits diskutiert. Verbraucherschützer fordern nun zumindest eine kostenlose Reservierung.

Mit den bundesweit steigenden Corona-Infektionszahlen ist auch die Diskussion über sicheres Bahnfahren wieder intensiver geworden. Nachdem in dieser Woche über eine generelle Reservierungspflicht debattiert wurde, bringt nun der Bundesverband der Verbraucherzentralen eine kostenlose Sitzplatzreservierung ins Spiel.

"Neben der Maskenpflicht ist Abstand einfach das Beste, was wir zur Zeit tun können", sagte Klaus Müller, der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, der Nachrichtenagentur dpa. Züge dürften nicht voll gedrängt sein. Auf viel befahrenen Strecken müsse die Bahn deshalb zusätzliche Waggons einsetzen, die Belegung mit intelligenter Technik im Zug entzerren und bevorzugt Reisende mit Reservierung einsteigen lassen, sagte Müller. "Wobei die Reservierungsgebühren im Fernverkehr während Corona entfallen sollten."

Wer zweite Klasse fährt, zahlt für die Reservierung derzeit vier Euro, für eine Familie sind es acht Euro. In der ersten Klasse ist der feste Sitzplatz dagegen beim Flex- und Sparpreis inklusive.

Bahn setzt auf flexibles Zusteigen

Eine generelle Reservierungspflicht, die in der vergangenen Woche diskutiert worden war, lehnt die Deutsche Bahn ab. "Unsere Kunden schätzen die Flexibilität", hatte Vorstandschef Richard Lutz erst vor Kurzem wieder betont. Für die Bahn ist das flexibele Zusteigen auch ein wichtiges Verkaufsargument im Wettbewerb mit dem Flugzeug.

Nach Lutz' Angaben versucht der Konzern, über die Buchungssysteme zu vermeiden, dass mehr als die Hälfte der Plätze in einem Zug gebucht werden. Mitunter verteile das Zugpersonal die Fahrgäste, um Abstände zu gewähren. Reinigung, Desinfektion, Lüftung und die Maskenpflicht führten zusätzlich dazu, dass es "so gut wie keine Ansteckungsgefahr" in den Zügen gebe, wie Lutz erklärte.

Politik zwiegespalten - Pro Bahn sieht kein Problem

Die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, die saarländische Ressortchefin Anke Rehlinger (SPD), hatte am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk gesagt, das Thema Reservierungspflicht sei noch nicht abgeschlossen. Die Idee sei grundsätzlich richtig, praktische Fragen aber noch offen.

Verbraucherschützer Müller schlägt mit der kostenlosen Reservierung einen Mittelweg vor. "Es gibt einen Zwiespalt, der ist unauflösbar: zwischen möglichst vielen Menschen, die wieder Bahn fahren sollen, und Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie." Die Bahn habe aber die Chance, sich als sicheres und zuverlässiges Verkehrsmittel zu präsentieren.

Skeptisch reagierte der Fahrgastverband Pro Bahn. "Das kann man machen, aber es wird das Problem nicht lösen", sagte er Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass es im Fernverkehr viele Infektionen gebe. Sorgen macht Pro Bahn dagegen der Nahverkehr, wo nur in wenigen Fällen Reservierungen möglich sind. "Das Problem sind die S-Bahn, die U-Bahn und die Busse, wenn die Leute dicht gedrängt stehen, zum Teil noch außer Atem, weil sie gerannt sind." Dort müsse konsequenter kontrolliert werden, dass alle Masken tragen.

Nach Branchenangaben steigt die Zahl der Maskenverweigerer. Verbrauchervertreter Müller rief die Deutsche Bahn auf, kundenfreundlicher auf Verstöße gegen die Maskenpflicht zu reagieren. "Wir hören, dass die meisten Verbraucher die Maske aus Vergesslichkeit und Nachlässigkeit nicht aufsetzen", sagte Müller. In solchen Fällen könnten Zugbegleiter mit einem Mund-Nasen-Schutz aushelfen. "Wer sich dennoch verweigert, den muss die Bundespolizei aus dem Zug holen."

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