Ein Azubi mit Schweißermaske arbeitet mit einem Schweißbrenner an einer Stahlwand. | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Handwerk fordert "Corona-Bonus"

Stand: 27.04.2020 09:04 Uhr

Abgesagte Aufträge, geschlossene Geschäfte und unklare Perspektiven: Das Handwerk ächzt unter den Folgen der Corona-Krise. Um eine Pleitewelle zu verhindern, fordert der Handwerksverband neue Hilfen.

Das Handwerk fordert einen zeitlich begrenzten, steuerlichen "Corona-Bonus", um die Folgen der derzeitigen Krise abzumildern. Durch den Bonus mit einem Höchstbetrag von 12.000 Euro soll der private Konsum gestärkt werden. Das geht aus einem Positionspapier des Zentralverbands des Deutschen Handwerks hervor, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Der Vorschlag ist Teil eines umfassendes Maßnahmenpakets, mit dem das Handwerk eine Pleitewelle in der Branche mit Millionen Beschäftigten verhindern will. Dazu gehören auch Nachbesserungen bei Hilfen der Bundesregierung sowie eine Pause bei Bürokratielasten und Regulierungen.

"Ganz vielen unserer Betriebe steht das Wasser bis zum Hals und nicht wenige drohen komplett unterzugehen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Sie alle bräuchten eine Perspektive.

Branche fordert einheitliche Regeln

In dem Papier fordert der Verband, das stufenweise Hochfahren des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu beschleunigen. Firmen, die Hygiene- und Abstandsregelungen einhielten, müssten ungeachtet ihrer Größe grundsätzlich die Möglichkeit haben, ihre Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen - und dies möglichst rasch.

Kleinere und mittlere Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern dürfen inzwischen unter Auflagen wieder öffnen. Diese Regel war als willkürlich kritisiert worden, zudem gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Regeln. Wollseifer forderte eine einheitlichere Linie: "Beim Wiederhochfahren der Wirtschaft muss endlich Schluss sein mit diesem völlig unübersichtlichen länderspezifischen Regelungs- und Verfahrenswirrwarr." Für Handwerksbetriebe an Landesgrenzen seien die Regeln irgendwann überhaupt nicht mehr zu überblicken.

Regierung soll bei Hilfspaketen nachbessern

Damit Betriebe durch die Krise kommen, müsse die Bundesregierung außerdem bei Hilfspaketen nachlegen. So wären für Friseure, Kosmetiker, Maßschneider oder Uhrmacher gezielte Zuschüsse passgenauer als weitere Kreditprogramme. Die Liquidität der Betriebe müsse gestärkt werden. Zur wirtschaftlichen Belebung brauche es gezielte Wachstumsimpulse, sagte Wollseifer. Dazu sei ein klarer Fahrplan nötig. Ohne diese Beschleuniger drohe erneut eine Wachstumsvollbremsung, die sich niemand wünsche.

Um die Firmen nach der Krise zu stärken, müsse die Eigenkapitalbasis verbessert werden. Dazu müssten die Steuerbelastung der Unternehmen gesenkt und Abschreibungsregeln verbessert werden. Dafür spricht sich das Handwerk wie andere Spitzenverbände der Wirtschaft seit langem aus.

Weitere Baustellen: Ausbildung und Bürokratielast

Außerdem fordert das Handwerk für ausbildende Betriebe einen einmaligen Zuschuss. Die Ausbildung müsse über die Krise hinweg stabilisiert werden, um die Fachkräfteversorgung nicht zu gefährden. Außerdem sei eine Bürokratielasten- und Regulierungspause dringend nötig, sagte Wollseifer. Viele Betriebe seien in der Krise erst recht völlig überfordert von Melde-, Prüf- oder Anzeigepflichten.

Im Handwerk arbeiten nach Branchenangaben in mehr als einer Million Betrieben rund 5,5 Millionen Menschen. Am kommenden Donnerstag beraten Bund und Länder, wie es in der Corona-Krise weitergehen soll. Spitzenpolitiker hatten aber Erwartungen an schnelle, weitere Lockerungen der Beschränkungen gedämpft. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte deutlich gemacht, dass voraussichtlich erst am 6. Mai über weitere Lockerungen entschieden wird.

Handwerk fordert steuerlichen Corona-Bonus
Isabel Reifenrath, ARD Berlin
27.04.2020 08:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2020 um 10:00 Uhr.

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