Abgestellte Lufthansa-Flugzeuge | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Lufthansa-Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket zu

Stand: 01.06.2020 17:36 Uhr

Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat den mit der Bundesregierung ausgehandelten staatlichen Hilfen zugestimmt. Er akzeptierte damit, dass der schwer angeschlagene Luftfahrtkonzern Start- und Landerechte abgibt.

Nach der Konzernführung hat sich auch der Aufsichtsrat der Lufthansa mit dem milliardenschweren Rettungspaket für das Luftfahrtunternehmen einverstanden erklärt. Damit akzeptierte das Kontrollgremium auch die Auflagen der EU-Kommission, wie die Lufthansa in Frankfurt am Main mitteilte.

"Es war eine sehr schwierige Entscheidung", erklärte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Karl-Ludwig Kley. "Nach intensiver Diskussion haben wir uns dazu durchgerungen, dem Vorschlag des Vorstands zuzustimmen." Nun fehlt nur noch die Zustimmung der Lufthansa-Aktionäre.

"Vor der Lufthansa liegt ein schwieriger Weg"

Kley erklärte, der Aufsichtsrat empfehle den Aktionären, "diesen Weg mitzugehen, auch wenn er ihnen substanzielle Beiträge zur Stabilisierung ihres Unternehmens abverlangt". Es müsse aber deutlich gesagt werden, "dass vor der Lufthansa ein sehr schwieriger Weg liegt". Die außerordentliche Hauptversammlung der Aktionäre ist für den 25. Juni geplant.

Der Konzern hat derzeit massive Umsatzrückgänge wegen der Corona-Pandemie. Die Lufthansa und die Bundesregierung hatten sich angesichts dessen vor einer Woche auf ein neun Milliarden Euro schweres Stützungsprogramm geeinigt.

Es sieht vor, dass drei Milliarden Euro als Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fließen, die übrigen sechs Milliarden Euro kommen aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), der die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf deutsche Unternehmen abfedern soll. Es ist geplant, dass der WSF im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen.

Abgabe von Start- und Landerechten

Der Aufsichtsrat hatte zunächst Vorbehalte gegenüber dem Rettungspaket, und zwar wegen der Auflagen der EU-Kommission, die den Hilfen grünes Licht geben muss. Zuletzt hatten sich die Bundesregierung und Brüssel aber geeinigt: Die Lufthansa muss demnach 24 Start- und Landerechte - so genannte Slots - an den wichtigen Flughäfen in Frankfurt am Main und München an Konkurrenten abgeben. 

Denn in der Branche gilt: Je mehr Slots, desto größer die Marktmacht. Die EU-Kommission hatte befürchtet, dass die Staatshilfe für Lufthansa im schlimmsten Fall den Wettbewerb im Markt schwächen könnte. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager warnte davor, dass letztlich die Preise für Flugtickets steigen könnten und die Verbraucher das Nachsehen hätten.

Aussichten für die Branche düster

Nicht nur bei der Lufthansa, sondern in der ganzen Branche sieht die Lage derzeit düster aus. Lockdown, Reisewarnungen, Geldsorgen der Bürger: Die Corona-Krise hat die Luftfahrt schwer getroffen. Die Lufthansa-Geschäfte sind mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gekommen. In dem Konzern mit rund 138.000 Beschäftigten stehen Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe.

Der Konzern erwartet, dass es Jahre dauert, bis die Branche wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Vorstandschef Carsten Spohr hält deshalb eine Anpassung der Kapazitäten für unvermeidbar, also eine Verkleinerung des Angebots.

"Mit unseren Tarif- und Sozialpartnern wollen wir unter anderem darüber sprechen, wie die Auswirkungen dieser Entwicklung möglichst sozialverträglich abgefedert werden können", sagte er. Über den aktuellen Stand und die erforderlichen Maßnahmen in Deutschland werde der Vorstand mit den Gewerkschaften ver.di, Vereinigung Cockpit und UFO bei einem Spitzengespräch beraten.

Lufthansa-Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket zu
Lars Hofmann, HR
01.06.2020 21:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juni 2020 um 16:03 Uhr.

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