Frau erklärt Statistik

Probleme mit eigenen Ziele für Spitzenposten Konzerne haben zu wenige Chefinnen

Stand: 10.06.2014 16:58 Uhr

Die Dax-Konzerne sind von ihren selbst gesteckten Zielen für mehr Frauen in Spitzenpositionen trotz kleiner Fortschritte immer noch weit entfernt. Das geht aus einem Bericht der 30 DAX-Unternehmen zur Umsetzung ihrer Selbstverpflichtungen hervor, den der Arbeitgeberverband BDA veröffentlichte. 2011 hatten sich die Konzerne jeweils eigene Zielmarken gesetzt.

In der Wirtschaft hieß es dagegen, es gehe voran. Der Frauenanteil bei Führungspositionen im Inland habe sich seit 2011 um durchschnittlich 17 Prozent erhöht. Er sei viel stärker gewachsen als der Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft.

Schwache Werte bei vielen Konzernen

Etliche Konzerne tun sich aber unverändert schwer. So stieg etwa bei Volkswagen der Frauenanteil bei deutschen Topjobs zwischen 2010 und 2013 nur von 8,5 auf 9,8 Prozent - die VW-Zielmarke liegt bei 30 Prozent. Bei BMW sieht es mit 10,9 Prozent kaum besser aus, der Stahlkonzern ThyssenKrupp kommt nur auf 7,8 Prozent, Continental auf acht Prozent und HeidelbergCement sogar nur auf sieben Prozent.

Keine Bewegung gab es laut dem Bericht bei Adidas und bei der Deutschen Börse. Beim Sportartikelhersteller sind demnach nach wie vor 26 Prozent der Führungskräfte in Deutschland Frauen - geplant sind 32 bis 35 Prozent bis Ende des kommenden Jahre. Bei der Deutschen Börse stagnierte die Frauenförderung im oberen und mittleren Management bei 13 Prozent - im unteren Management ging der Frauenanteil sogar zurück, von 22 auf 18 Prozent. Der Börsenbetreiber verspricht bis 2020 eigentlich eine weltweite  Frauenquote von 20 Prozent auf der höheren und mittleren Ebene und 30 Prozent im unteren Bereich.

Henkel an der Spitze

Andere Konzerne sind hingegen weiter: Bei der Allianz sind 28,1 Prozent (2010: 24,7) weibliche Führungskräfte zu finden. Der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel kommt sogar auf 33,2 Prozent und steht damit an der Spitze dieser Statistik.

Die Rahmenbedingungen in den einzelnen Unternehmen unterschieden sich "erheblich", erklärte die für den Bericht zuständige Arbeitsgruppe der 30 Konzerne. Die gesteckten Ziele differierten "je nach Branche, strategischer Ausrichtung und Organisationsstruktur sowohl in der Art wie in der absoluten Höhe". Trotz aller Unterschiede pochen die Konzerne aber weiter auf freiwillige Quoten.

Regierung will eine gesetzliche Regelung

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zeigte sich wenig überrascht über die Zwischenergebnisse. Die Politik habe mehr als ein Jahrzehnt auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft gesetzt. "Der Versuch ist gescheitert", kritisierte die SPD-Politikerin.

Die Große Koalition will deshalb 2016 eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte der derzeit 108 größten, voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen einführen. Bereits 2015 soll es für Aufsichtsräte, Vorstände und die oberste Managementebene von weiteren 3500 Firmen verbindliche Zielvorgaben zur Frauenförderung geben. "Wir haben heute die am besten ausgebildeten Frauen überhaupt. Das muss sich endlich auch in den Chefetagen widerspiegeln", erklärte Bundesjustizminister Heiko Maas.

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