Christian Sewing | Bildquelle: AFP

Deutsche Bank Auf der Suche nach "solidem Fundament"

Stand: 24.05.2018 15:45 Uhr

Misswirtschaft, Manipulationen - die Deutsche-Bank-Manager der vergangenen Jahre haben vieles falsch gemacht. Konzernchef Sewing will nun alten Stolz wecken. Doch der Kostendruck ist immens.

Von Stefan Wolff, HR

Manchmal sagen Werbeslogans sehr viel über den Werbenden aus. "Neue Zeit braucht neues Banking", heißt es in einem Spot. Und es ist in der Tat eine neue Zeit, die sich nicht nur die Aktionäre und damit die Besitzer der Deutschen Bank wünschen. Auch das Management und die vielen Mitarbeiter sehnen neue Zeiten herbei.

Elf Jahre sind seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 vergangenen. Aktionärsschützer und andere Kritiker der Deutschen Bank sprechen von elf verlorenen Jahren für Deutschlands größtes Geldhaus. In diesen sei es nicht gelungen, die Deutsche Bank wieder auf ein solides Fundament zu stellen. Christian Sewing, der seit Anfang April dem Konzernvorstand vorsitzt, sieht das Investmentbanking als letzte Baustelle an, um eben dieses solide Fundament "freizulegen". Die anderen beiden Bereiche, also Privat- und Geschäftskunden und die Vermögensverwaltung, seien bereits gut aufgestellt, sagte Sewing auf der Hauptversammlung.

Jeder vierte Job fällt weg

In einem ersten Schritt kündigte die Deutsche Bank den Abbau von über 7000 Stellen an. So soll im Aktiengeschäft jeder vierte Job wegfallen. Auch der Handel mit den als hochriskant geltenden Hedgefonds soll eingedampft werden. Was nach einem Umbau mit der Brechstange klingt, scheint bitter nötig zu sein, denn die Bank hat vor allem ein Kostenproblem. Im zurückliegenden Quartal musste das Haus für jeden verdienten Euro 93 Cent aufwenden. Im Durchschnitt geben deutsche Banken 80 Cent pro Euro aus. In Schweden liegen die Kosten bei konkurrenzlosen 50 Cent je Euro.

Dabei ist das Investmentbanking nicht das einzige Problem, wird aber inzwischen als das Hauptproblem angesehen. In der Ära von Josef Ackermann, der von 2006 bis 2012 Vorstandschef war, galt die Sparte noch als der Ertragsbringer schlechthin. Ackermann hatte als Ziel eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent herausgegeben, was nichts anderes bedeutet, als dass jeder eingesetzte Euro 25 Prozent Zinsen bringen sollte.

Die Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen
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Jain und Fitschen scheiterten am Umbau der Deutschen Bank.

Zweifelhaftes Erbe

Dass solche Ziele auf seriösem Wege kaum zu erreichen sind, scheinen die mehr als 3000 Rechtsstreitigkeiten zu belegen, die aus dieser Zeit resultieren oder von Praktiken rühren, die im Geiste dieser Zeit angewandt wurden. Die Rede ist von illegalen Absprachen, Manipulationen von Zinsen, Kursen und Preisen und einem mehr als zweifelhaften Geschäftsgebaren am US-Immobilienmarkt, das der Deutschen Bank den Ruf eines "Slumlords" eingebracht hat.

Dass das Investmentbanking den selbst angerichteten Schaden auch wieder bereinigen, sprich: die erwarteten Gewinne bringen sollte, stand lange Zeit außer Frage. Ackermanns Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen sollten den Kulturwandel in der Deutschen Bank voranbringen, was gründlich misslang. Erst der Brite John Cryan, der ab Juli 2015 die Geschicke der Deutschen Bank leitete, konnte 15 der 20 wesentlichen Rechtsstreitigkeiten beilegen.

Von Cryan wurde allerdings erwartet, die Deutsche Bank wieder auf die Gewinnspur zu führen. Nach drei Jahren in den roten Zahlen war die Geduld des Aufsichtsrats am Ende. Unter Cryan diskutierte das Management auch eine stärkere Konzentration auf das Privatkundengeschäft. Eine klare Linie blieb aber nicht erkennbar, denn gleichzeitig erwog die Deutsche Bank auch, sich wieder von der Postbank zu lösen, die immerhin knapp fünf Millionen Girokonten verwaltet.

"Stolz, nicht Arroganz"

Christian Sewing will diesen Weg zu mehr Privatkundengeschäft nun konsequenter beschreiten. Der Zusammenschluss der Postbank mit dem Privatkundengeschäft wird nun auch rechtlich vollzogen. Intern will Sewing den Stolz seiner Mitarbeiter auf das Bankhaus wecken. Ausdrücklich sprach er von "Stolz, nicht Arroganz".

Ob beides gelingt, ist völlig offen. Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, bezeichnet den Umbau als "Operation am offenen Herzen". Auch das Privatkundengeschäft steht unter einem immensen Kostendruck. Der Trend zum Onlinebanking und die Automatisierung vieler Vorgänge machen viele Mitarbeiter überflüssig. Berichten zufolge will die Postbank bis Jahresende 72 ihrer 1000 Filialen schließen. Für die Deutsche Bank ist dieser Abbau praktisch. Die betroffenen Mitarbeiter können einfach an die Deutsche Post zurückgegeben werden. Sie sind nur geliehen.

Klaus Nieding, Deutsche Schutzvereinigung für Wert-Papier-Besitz, zur Umstrukturierung bei der Deutschen Bank
tgaesschau24 16:00 Uhr, 24.05.2018

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Mai 2018 um 12:00 Uhr.

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